Sa, 14:05 Uhr
17.01.2026
NABU fordert Maßnahmen
Deutschland leidet unter Wasserstress
Seit Anfang der 2000er Jahre habe das Land rund 60 Milliarden Kubikmeter aus Grundwasser und Wasserspeichern verloren. Das entspräch dem Volumen des Bodensees, schreibt der Naturschutzbund NABU und fordert einen anderen Umgang mit dem Nass...
Ohne wirksames Gegensteuern drohen durch den Wasserverlust Kosten von 20 bis 25 Milliarden Euro jährlich bis 2050 in Folge von Trockenheit, Flutschäden und Wasserverschmutzung. Das sind mehr als 75 Prozent der geplanten Ausgaben für den Klima- und Transformationsfonds im Jahr 2026. In den nächsten 25 Jahren werden sich die volkswirtschaftlichen Kosten des Wasserschwundes auf 500 bis 625 Milliarden Euro summieren. Dagegen erfordern gezielte frühzeitige Investitionen insgesamt geschätzte 15 bis 20 Milliarden Euro.
Das sind Ergebnisse der aktuellen Studie "Every Drop Counts – Pathways to Restore Germany’s Water Balance" von der Boston Consulting Group (BCG) und dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU). Die Untersuchung basiert auf der umfassendsten Meta-Analyse zu Wasser im deutschsprachigen Raum kombiniert mit proprietären Datenanalysen und zeigt, wie sich die Versorgungssicherheit bei der lebenswichtigen Ressource Wasser wiederherstellen lässt, und stellt exemplarische Lösungen vor.
"Wasser ist eine strategische Ressource – vergleichbar mit Energie. Wir müssen mit neuem Fokus auf Wasserkreisläufe, die nationale Wasserbilanz und Indikatoren schauen und jetzt investieren, um den Wasserhaushalt zu stabilisieren", sagt Torsten Kurth, Managing Director & Senior Partner bei BCG und Mitautor der Studie.
Wasserknappheit ist menschengemacht – und gestaltbar
Entwässerungsinfrastruktur, verdichtete Äcker und naturferne Wälder verstärken Dürre- und Flutrisiken gleichermaßen. Sie verhindern, dass ausreichend Niederschlagswasser in der Landschaft zurückgehalten wird und versickert, um als Bodenfeuchte gespeichert zu bleiben und Grundwasserreservoirs aufzufüllen. Gleichzeitig verstärken veränderte Niederschlagsmuster mit mehr Starkregenfällen und längeren Trockenphasen, der Rückgang des Grundwassers sowie der zunehmende Abfluss den Druck auf das natürliche Wasserdargebot weiter. Das Resultat: Deutschland verliert mehr Wasser, als seine Systeme auf natürliche Weise regenerieren können.
Anhand des Beispiels der Region Berlin-Brandenburg zeigt die Studie detailliert die Effekte von zunehmendem Wasserstress und den daraus folgenden Kosten sowie die möglichen wirtschaftlichen Vorteile von ganzheitlichem Wassermanagement in der Fläche.
Deutschland gehört zu den Ländern mit den weltweit größten Grundwasserverlusten. "Der natürliche Kreislauf von Niederschlag, Verdunstung und Versickerung ist massiv gestört. Verantwortlich für den Wasserstress sind nicht nur Wetter- und Klimaphänomene, sondern vor allem die Landnutzung", sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Ingo Ammermann. "Genau hier liegt der Hebel. Wasserknappheit ist gestaltbar, es gibt wirksame Gegenmaßnahmen."
Wasserhaushalt ausgleichen und einen positiven Business Case generieren
Sowohl mit naturbasierten wie auch technologischen Lösungen lässt sich die verfügbare Wassermenge langfristig erhöhen und das vorhandene Wasser deutlich effizienter nutzen. Regenerative Landwirtschaft, klimaresiliente Wälder und moderne Drainagesysteme könnten jährlich zusätzlich 7 bis 7,5 Milliarden Kubikmeter Wasser in der Landschaft halten – genug, um den aktuellen Negativ-Trend bis 2040 zu drehen und die Wasserbilanz zu stärken.
Die Maßnahmen unterstützen den Aufbau der Wasserspeicherkapazität Deutschlands, verringern physische Knappheit und senken die wirtschaftlichen Belastungen durch Wasserstress.
Wasser als strategische Ressource neu steuern
"Um diese Transformation zu erreichen, brauchen wir beides: naturbasierte und technologische Lösungen. Und wir müssen die Art und Weise ändern, wie Wasser verwaltet, finanziert und bewertet wird", erklärt Torsten Kurth, globaler Leiter des Themenfeldes Natur und Wasser bei BCG.
Für mehr Wassersicherheit braucht es klare Impulse: Landwirte und Waldbesitzer könnten die Wasserverfügbarkeit besonders wirksam verbessern. Doch es fehlen finanzielle Anreize und Zugang zu Investitionsmitteln. Industrie und Versorgungsunternehmen als größte Verbrauchergruppe erhalten Wasser zu sehr niedrigen Preisen. Dadurch fehlt die Motivation, in Wassersicherheit zu investieren.
Die Studienautoren empfehlen, bestehende Infrastrukturmittel gezielt für den Schutz und die Sicherung der Wasserressourcen einzusetzen sowie innovative Finanzierungsmechanismen und Preissysteme zu installieren, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln. Wasser- oder Naturcredits, regionale Wasserfonds und marktorientierte Anreizsysteme können Investitionen in Wasserspeicher stärken, Risiken reduzieren und eine resiliente, zukunftsfähige Wasserwirtschaft ermöglichen.
"Das gelingt allerdings nur im Schulterschluss von öffentlicher Hand, Wirtschaft, Landnutzern und Finanzsektor – als Grundlage für Klimaanpassung, ökologische Erneuerung und wirtschaftliche Stärke in Deutschland", sagt Ingo Ammermann.
Autor: redOhne wirksames Gegensteuern drohen durch den Wasserverlust Kosten von 20 bis 25 Milliarden Euro jährlich bis 2050 in Folge von Trockenheit, Flutschäden und Wasserverschmutzung. Das sind mehr als 75 Prozent der geplanten Ausgaben für den Klima- und Transformationsfonds im Jahr 2026. In den nächsten 25 Jahren werden sich die volkswirtschaftlichen Kosten des Wasserschwundes auf 500 bis 625 Milliarden Euro summieren. Dagegen erfordern gezielte frühzeitige Investitionen insgesamt geschätzte 15 bis 20 Milliarden Euro.
Das sind Ergebnisse der aktuellen Studie "Every Drop Counts – Pathways to Restore Germany’s Water Balance" von der Boston Consulting Group (BCG) und dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU). Die Untersuchung basiert auf der umfassendsten Meta-Analyse zu Wasser im deutschsprachigen Raum kombiniert mit proprietären Datenanalysen und zeigt, wie sich die Versorgungssicherheit bei der lebenswichtigen Ressource Wasser wiederherstellen lässt, und stellt exemplarische Lösungen vor.
"Wasser ist eine strategische Ressource – vergleichbar mit Energie. Wir müssen mit neuem Fokus auf Wasserkreisläufe, die nationale Wasserbilanz und Indikatoren schauen und jetzt investieren, um den Wasserhaushalt zu stabilisieren", sagt Torsten Kurth, Managing Director & Senior Partner bei BCG und Mitautor der Studie.
Wasserknappheit ist menschengemacht – und gestaltbar
Entwässerungsinfrastruktur, verdichtete Äcker und naturferne Wälder verstärken Dürre- und Flutrisiken gleichermaßen. Sie verhindern, dass ausreichend Niederschlagswasser in der Landschaft zurückgehalten wird und versickert, um als Bodenfeuchte gespeichert zu bleiben und Grundwasserreservoirs aufzufüllen. Gleichzeitig verstärken veränderte Niederschlagsmuster mit mehr Starkregenfällen und längeren Trockenphasen, der Rückgang des Grundwassers sowie der zunehmende Abfluss den Druck auf das natürliche Wasserdargebot weiter. Das Resultat: Deutschland verliert mehr Wasser, als seine Systeme auf natürliche Weise regenerieren können.
Anhand des Beispiels der Region Berlin-Brandenburg zeigt die Studie detailliert die Effekte von zunehmendem Wasserstress und den daraus folgenden Kosten sowie die möglichen wirtschaftlichen Vorteile von ganzheitlichem Wassermanagement in der Fläche.
Deutschland gehört zu den Ländern mit den weltweit größten Grundwasserverlusten. "Der natürliche Kreislauf von Niederschlag, Verdunstung und Versickerung ist massiv gestört. Verantwortlich für den Wasserstress sind nicht nur Wetter- und Klimaphänomene, sondern vor allem die Landnutzung", sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Ingo Ammermann. "Genau hier liegt der Hebel. Wasserknappheit ist gestaltbar, es gibt wirksame Gegenmaßnahmen."
Wasserhaushalt ausgleichen und einen positiven Business Case generieren
Sowohl mit naturbasierten wie auch technologischen Lösungen lässt sich die verfügbare Wassermenge langfristig erhöhen und das vorhandene Wasser deutlich effizienter nutzen. Regenerative Landwirtschaft, klimaresiliente Wälder und moderne Drainagesysteme könnten jährlich zusätzlich 7 bis 7,5 Milliarden Kubikmeter Wasser in der Landschaft halten – genug, um den aktuellen Negativ-Trend bis 2040 zu drehen und die Wasserbilanz zu stärken.
Die Maßnahmen unterstützen den Aufbau der Wasserspeicherkapazität Deutschlands, verringern physische Knappheit und senken die wirtschaftlichen Belastungen durch Wasserstress.
Wasser als strategische Ressource neu steuern
"Um diese Transformation zu erreichen, brauchen wir beides: naturbasierte und technologische Lösungen. Und wir müssen die Art und Weise ändern, wie Wasser verwaltet, finanziert und bewertet wird", erklärt Torsten Kurth, globaler Leiter des Themenfeldes Natur und Wasser bei BCG.
Für mehr Wassersicherheit braucht es klare Impulse: Landwirte und Waldbesitzer könnten die Wasserverfügbarkeit besonders wirksam verbessern. Doch es fehlen finanzielle Anreize und Zugang zu Investitionsmitteln. Industrie und Versorgungsunternehmen als größte Verbrauchergruppe erhalten Wasser zu sehr niedrigen Preisen. Dadurch fehlt die Motivation, in Wassersicherheit zu investieren.
Die Studienautoren empfehlen, bestehende Infrastrukturmittel gezielt für den Schutz und die Sicherung der Wasserressourcen einzusetzen sowie innovative Finanzierungsmechanismen und Preissysteme zu installieren, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln. Wasser- oder Naturcredits, regionale Wasserfonds und marktorientierte Anreizsysteme können Investitionen in Wasserspeicher stärken, Risiken reduzieren und eine resiliente, zukunftsfähige Wasserwirtschaft ermöglichen.
"Das gelingt allerdings nur im Schulterschluss von öffentlicher Hand, Wirtschaft, Landnutzern und Finanzsektor – als Grundlage für Klimaanpassung, ökologische Erneuerung und wirtschaftliche Stärke in Deutschland", sagt Ingo Ammermann.