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Mi, 13:29 Uhr
02.01.2019
Briefe an die Ministerpräsidenten der Bundesländer

Betriebsräte sorgen sich um Gips-Arbeitsplätze

Die Betriebsräte der in der Region Südharz tätigen gipsverarbeitenden Unternehmen Knauf (Rottleberode), CASEA (Ellrich) und Saint Gobain Formula (Walkenried) haben sich zum Jahreswechsel in Briefen an die Ministerpräsidenten der betroffenen Bundesländer gewandt...


Sie wollen damit gegen die Gefährdung ihrer Arbeitsplätze durch die staatliche Verhinderung von notwendigen Abbauflächen protestieren. Dabei werde zugelassen, „unsere Arbeitsplätze zu zerstören, statt im Sinne eines und schonenden Abbaus mit uns zu kooperieren.“

In dem Brief an die Ministerpräsidenten Ramelow (Thüringen), Weil (Niedersachsen) und Haseloff (Sachsen-Anhalt) heißt es, die Kampagne werde „mit der Behauptung geführt, wir zerstörten mit unserem Abbau die Natur. Aus unserer täglichen Arbeit wissen wir, dass das nicht wahr ist. Anders als zu DDR-Zeiten wird jede Abbaufläche umfassend renaturiert und naturnah umgestaltet, wozu wir ja schon gesetzlich verpflichtet sind. Solche Flächen entwickeln sich zu Biotopen, die eine Artenvielfalt aufweisen, die es dort vorher nicht gab.“ Statt daraus auch touristische Projekte zu machen, redeten die Verantwortlichen „die Gegend schlecht und schaden ihr dadurch“.

Auch würden „von unseren Unternehmen alle Bemühungen unternommen, die Abbauflächen verstärkt dort zu betreiben, wo die vorübergehende optische Belastung (mehr ist es nicht, da wir klimaneutral produzieren und weder Luft noch Grundwasser verschmutzen und ohne Chemie abbauen) nicht sichtbar ist. Die diesbezügliche Kompromissbereitschaft unserer Unternehmen wird bisher von der Politik nicht aufgenommen“, schreiben die Betriebsratsvorsitzenden.

Auch auf die wirtschaftliche Bedeutung des Gipsabbaus weisen die Betriebsratsvorsitzenden hin. Der Gipsabbau biete seit 150 Jahren verlässliche Arbeitsplätze und seit der Wende auch „weit mehr als 1000 Menschen tarifgerecht bezahlte Arbeit“. Man bilde junge Leute aus, die dann auch in der Region bleiben könnten.

„Wir als Arbeitnehmer sind stolz darauf, dass wir zur Rohstoffversorgung unseres Landes mit einem ganz wichtigen Rohstoff beitragen. Er ist erstens notwendig, zweitens technisch vielfältig einsetzbar und auch baubiologisch einwandfrei. Auch wird, nach dem künftigen Ausfall des REA-Gipses, mehr Naturgips gebraucht, selbst bei größtem Bemühen um Gipsrecycling und alternative Baustoffe. Und wir sind ganz sicher: Jeder der Kritiker hat Gips auch zu Hause, entweder verbaut oder in vielfältigen Produkten, für die hochreiner Gips notwendig ist. Wir können nicht glauben, dass man stattdessen auf umweltbelastende Importe aus Ländern setzen will, in denen die Menschen unter schlechten Lohn- und Arbeitsbedingungen produzieren.“

Das Schreiben endet mit der Bitte, dass sich alle drei Ministerpräsidenten der Sache im Sinne des Erhalts der Arbeitsplätze der Sache annehmen. „Es handelt sich um eine Angelegenheit von landes- und auch bundespolitischer Bedeutung. Wir Arbeitnehmer, unsere Angehörigen, unsere Lieferanten haben eine politische Stimme, und wir werden sie im kommenden Jahr zur Geltung bringen, wenn wieder gewählt wird.“

Der Brief ist unterzeichnet von den Betriebsratsvorsitzenden Roland Flügel (Knauf Rottleberode), Rüdiger Fuhrmann (CASEA Ellrich) sowie Uwe Helbing (Saint Gobain Formula, Walkenried).
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Kommentare

02.01.2019, 18.07 Uhr
Paulinchen | Und wohin...
...können sich die Automobilhersteller und Zulieferer der Automobilindustrie wenden? Denen droht ebenfalls der Abbau von Arbeitsplätzen, bzw. gar die Schließung ihrer Unternehmen. Ebenso sieht es mit dem Personal in der Braunkohle aus. Nur denen sagt man, sie sollen sich um Alternativen bemühen und welche Alternativen schlagen die oben genannten Firmen zum Gipsabbau vor?
02.01.2019, 19.26 Uhr
Pe_rle | Gips Arbeitsplätze
irgendwann erwischt es jede Branche
heute die und morgen die anderen
die Ministerpräsidenten interessiert das eh nicht
02.01.2019, 21.21 Uhr
Doerfler | Wer hat sich eigentlich...
... nach der Wende um die hunderttausenden Beschäftigten der DDR Betriebe gesorgt?
Und was für Arbeitsplätze sind konkret hier im Osten betroffen?
Das Ganze sieht m.E. so aus: Hier die Landschaft verwüsten und im "Westen" das Geld schaufeln.
"Westen" meine ich auch so: Saint-Gobain ist ein französisches Unternehmen - nach eigener Darstellung unter
https://www.saint-gobain.de/ueber-uns/innovation-nachhaltigkeit-und-komfort-die-drei-saeulen-von-saint-gobain
Zitat: "
Saint-Gobain ist in einer Matrixstruktur organisiert. Die Konzernzentrale in Paris bestimmt die weltweite Strategie und die Bereichsdirektionen Personal, Finanzen, Forschung und Entwicklung, Recht und Steuern, Corporate Planning, Internes Audit und Business Control, Marketing und Kommunikation.
Das Geschäft gliedert sich in die drei Hauptsparten Innovative Werkstoffe, Bauprodukte und Baufachhandel. Diese legen die weltweite Strategie für die einzelnen Aktivitäten fest und führen das operative Geschäft. Regional koordinieren die Generaldelegationen das Geschäft sowohl zwischen den einzelnen Tochtergesellschaften als auch zwischen den verschiedenen Branchen in ihrem Gebiet."
Zitatende.
Mal ernsthaft: Glaubt wirklich jemand, dass man sich in Paris um die paar Arbeitsplätze hier schert?
03.01.2019, 09.05 Uhr
Santos | Keinen Meter mehr freiwillig...
Raubbau für Arbeitsplatze? Für die Gipsindustrie war ein umdenken schon vor Jahren erforderlich. Leider wurde es verpasst sich auf die neue Situation umzustellen. Statt dessen gab es in der Gips- Verarbeitenden Industrie ein "das haben wir schon immer so gemacht, das klappt auch diesmal". Der Brandbrief hätte eher an die Stammsitze der Unternehmen gehen müssen, und das schon vor vielen Jahren. Der Inhalt hätte lauten müssen: " WIe können wir Arbeitsplätze erhalten unter Ökologischen und Naturschutzrechtlichen Gesichtspunkten." PS. Rekultivierungsmaßnahmen??? Als Anwohner eines Gipsabbaugebietes kann ich hier nur herzlich lachen...
03.01.2019, 10.16 Uhr
Fönix | @ Doerfler
Zitat:
"Hier die Landschaft verwüsten und im "Westen" das Geld schaufeln.
"Westen" meine ich auch so: Saint-Gobain ist ein französisches Unternehmen - nach eigener Darstellung..."

Zumal Frankreich selber über nicht unerhebliche Gipsvorkommen u.a. in Saint-Soupplets verfügt. Dieses Werk gehört allerdings zu Knauf (Konzernzentrale in Iphofen/Bayern) ...

Das Gros der Steuern der in unserer Region tätigen Gipsindustrie wird überall gezahlt, nur nicht in Nordthüringen. Allerdings kann man das kaum der Industrie vorwerfen, verantwortlich ist hier in erster Linie die Politik. Insofern ist der aktuelle Ansatz von Haseloff zur Rettung des Ostens ganz richtig, er kommt nur 29 Jahre zu spät. Das Pamphlet namens Einigungsvertrag, das uns die ganze Misere eingetragen hat, wurde in wesentlichen Teilen von Schäuble erarbeitet und auch von ihm unterzeichnet. Heute verwaltet er das Geld der Bürger, und der weitaus größte Teil fließt nach wie vor direkt oder indirekt in die alten Bundesländer. Vielleicht sollte man diesen Aspekt bei den kommenden Wahlen mal berücksichtigen ...
03.01.2019, 11.13 Uhr
Zukunft | Aufgabe der Betriebsräte
Vielleicht sollten die selbsternannten Umweltschützer mal die Rolle der Betriebsräte in Unternehmen überdenken. In Deutschland wird derzeit alles kaputtgemacht, was irgendwie nach Industrie aussieht. Erst die Kernkraft mit den sichersten Kraftwerken, die es weltweit gibt. Dafür haben unsere tschechischen und franzäsischen Nachbarn unweit der Grenzen ihre Schrottdinger stehen. Und vielleicht kaufen wir ja auch noch deren Strom. Die Energiewende bezahlen doch nur die Verbraucher.

Die Automobilindustrie. Hier wird Hochtechnologie kaputtgemacht. Und alles, ja alles wird auf E-Mobilität getrimmt. Schon mal nachgedacht, wie eine Batterie hergestellt wird und wie die entsorgt wird? Ja, der E-Motor wird der Motor der Zukunft sein, doch der wird nicht aus eine Batterie oder einem Akku gespeist, dazu fehlen uns die Kohle- und Kernkraftwerke, um diese zusätzliche Last dauerhaft bereitzustellen.

Und noch kurz zum Gips: Im manipulativen Artikeln, Berichten wird immer der Kohnstein gezeigt. Das ist richtig und zugleich falsch, denn dessen Aussehen haben andere zu verantworten. Dort wo im vergangenen Jahr selbst ernannte Gips-Sternwanderer protestierten, doch wird der Rohstoff abgebaut, wo seit Jahren Acker ist. Und noch ein Wort zum Tourismus im Südharz. Wo keiner ist, kann auch keiner verdrängt werden. Ich vermisse immer noch Hotels, Pensionen oder Gasthäuser entlang des Karstwanderweges.
03.01.2019, 12.26 Uhr
Fönix | ooooops, wie peinlich, und keiner hat's gemerkt...
Zitat foenix:

" Heute verwaltet er das Geld der Bürger"

... stimmt natürlich nur bis zum 24.10.2017, heute ist er Bundestagspräsident. Aber immer noch einer der einflussreichsten Bundespolitiker, insofern brauche ich meine Grundaussage nicht zu ändern ...
03.01.2019, 21.15 Uhr
Harzer66 | Moloch
Die Gipsindustrie ist ein Moloch. Es wird immer weiter gehen. Sicherheit bis 2030. Danach bis 2070. Danach bis..........2270. Dann ist Schluss. Es gibt nichts mehr zu holen. Dann wird irgendwo auf der Welt weiter gemacht. Bei den Ärmsten. Die kommen nur mit den Arbeitsplätzen so lange hier was billig zu holen ist. Annahme! Was macht der Moloch mit seinen so hochgepriesenen Arbeitsplätzen wenn hier ausgesteint ist? Richtig, rauswerfen und demSozialstaat überlassen. Also doch 2270 vorholen. Die Natur bleibt intakt. Der Moloch braucht kein Personal mehr ausbilden für die verbleibende Zeit bis die bisher genehmigten Steinbrüche erschöpft sind. Einfach die Produktion herunterfahren und auslaufen lassen. Hat in Bischofferode leider auch funktioniert. Weil es gewollt war. Kein damaliger ArbeitsplatzInhaber ist verhungert.
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