Sa, 07:19 Uhr
12.03.2016
Spitzenkandidatin Budde im Mansfeld Anlagenbau
Platz für 300 Menschen und Jobs
In einer Werkhalle der Mansfeld Anlagenbau und Umwelttechnik AG. Katrin Budde und René Mangold im Führerstand der Zerspanung. (Foto: Jochen Miche)
Ein Unternehmen, das im zurückliegenden Vierteljahrhundert Höhen und Tiefen erlebt, aber nie aufgegeben hat: die Mansfeld Anlagenbau und Umwelttechnik AG auf dem Gelände des einstigen Ernst-Thälmann-Schachtes zwischen Polleben und Klostermansfeld. SPD-Spitzenkandidatin Katrin Budde und SPD-Landtagskandidat Norbert Born besuchten den Betrieb.Im Gespräch mit den Vorständen Hans-Jürgen Weber und Hans-Otto Rothe, dem früheren Romonta-Geschäftsführer Günter Stieberitz sowie dem Geschäftsführer der Standortmarketing Mansfeld-Südharz GmbH (SMG), Mark Lange, machte sich die Spitzenkandidatin und Fraktionsvorsitzende der SPD, Katrin Budde, ein Bild von der derzeitigen Situation des Unternehmens, das mit 45 Festangestellten, mehreren Auszubildenden und einer je nach Auftragslage wechselnden Zahl von Leiharbeitern zu den stabilen mittelständischen Unternehmen im Landkreis zählt.
1989 noch Sonderanlagenbau, anschließend Gießereibau und seit der Privatisierung 1996 mit Konzentration auf den Anlagenbau, gab es viele Bemühungen, einen Behälterbau langfristig zu etablieren, doch es funktionierte nicht recht, erfuhr Katrin Budde. Im Jahr 2002 musste Insolvenz angemeldet werden, doch es wurde drei Jahre weitergearbeitet, bis es 2005 zur Neugründung als Aktiengesellschaft kam. Vorangetrieben wurde diese Entwicklung seinerzeit von Romonta, dem Braunkohlebergbau- und Kohlechemie-Unternehmen in Amsdorf, dem weltweit größten Hersteller von Montanwachs.
So, wie Romonta nach dem Ende der DDR zeitig begonnen hatte, neue Geschäftsfelder zu erschließen, um auch nach dem Anfang des 21. Jahrhunderts drohenden Ende des Braunkohlenabbaus weiter existieren zu können, so half der damalige Geschäftsführer von Romonta, Günter Stieberitz, dem Mansfeld Anlagenbau nach der Neugründung als AG mit Geld und Ideen auf die Beine. Mit gerade mal zwei Angestellten starteten die Anlagenbauer – und es funktionierte. Vorstand Hans-Jürgen Weber berichtete, wie es vor knapp zehn Jahren weiterging: Wir richteten uns auf den Bergbau aus. Bis heute bauen wir Tunnelvortriebstechnik. Unsere Kunden finden Sie in aller Welt; neu stehen die USA auf der Liste, die das Fracking vorantreiben. Mit unserer Tunnelvortriebstechnik werden Durchmesser von bis zu drei Meter sechzig in einem Arbeitsgang geschafft.
Ein weiterer Bereich ist die Produktion von Verkehrsleittechnik, unter anderem von Doppelbrücken (wie für das Autobahnkreuz Rippachtal). Ein interessanter Kunde ist die Braunkohleindustrie. Doch die Energiewende wirkt sich auch hier aus: Bei der Mibrag werden die Investitionen spürbar zurückgefahren, erklärte Vorstand Hans-Otto Rothe. Die Geschäftsbeziehungen zur Mitteldeutschen Braunkohle AG (Mibrag) gestalteten sich äußerst hoffnungsvoll; laut Rothe wäre die Mibrag der erste größere Kunde des Anlagenbauers in der heimischen Region gewesen. Weil es hier zu wenig Kunden gibt, sind wir nach Westdeutschland ausgerichtet. Aktuell, so Rothe, hoffe man auf eine gute Entwicklung der Zusammenarbeit mit MKM in Hettstedt. Unsere Stärken liegen unter anderem in der Flexibilität – von Druckschläuchen bis zur Verkehrsleittechnik produzieren wir. Auf lange Sicht hoffe man wieder auf eine Zusammenarbeit mit Russland, denn, so Rothe: Traditionell sind wir dorthin ausgerichtet.
Günter Stieberitz, der den Anlagenbauern bis heute verbunden ist, bestätigte Rothes Worte: Die Braunkohlekraftwerke gehen in den nächsten Jahren vom Netz. Und es werden in Deutschland keine neuen Tagebaue mehr erschlossen. Der andere große Energielieferant, die Kernenergie, hat in Deutschland ebenfalls keine Zukunft, aber offenbar eine unbezwingbare Lobby in höchsten Entscheidungsträgerkreisen: Den Rückbau der Atomkraftwerke bezahlen nicht die milliardenschweren AKW-Betreiber, sondern die Steuerzahler, so Stieberitz. Mit Blick auf die erfolgreiche Entwicklung der Mansfeld Anlagenbau AG erklärte er eine Grundforderung: Wer Zukunft gestalten will, muss investieren – oder dummes Zeug reden. Dieser Seitenhieb galt einem CDU-Wirtschaftsminister in Sachsen-Anhalt, der persönlich ein prima Kerl ist, aber als Wirtschaftsminister bloß seine Zeit abgesessen hat.
Kritik wurde überdies an der Landesentwicklungsplanung laut. Katrin Budde, die mit der Wahl am 13. März Ministerpräsident Rainer Haseloff im Amt abzulösen hofft, hält dieses Problem seit langem für vordringlich. Wir haben beim Landesentwicklungsplan darauf gedrungen: Wir brauchen Industrieflächen! – aber nicht durchsetzen können. Genau diesen Mangel beklagt auch die Standortmarketing Mansfeld-Südharz GmbH. Der Landkreis verfügt um eine super Infrastruktur, erklärte Mark Lange. Hier gibt es durchweg Bestnoten. Nun müsse das Land den Bau der A 143 forcieren, welche die Lücke zwischen der B 80 und der A 14 schließen und als Teil des Autobahnringes die Stadt Halle entlasten werde. Von dieser Westumfahrung der Saalestadt wird auch Mansfeld-Südharz massiv profitieren, doch der Bau beginnt frühestens Ende 2017 und endet dreieinhalb Jahre später, also 2021.
Mansfeld-Südharz leidet an einem echten Mangel, so Lange: Wir haben keine Industrieflächen. Das sei bitter, denn die SMG habe verschiedene Anfragen großer Unternehmen, die bereit seien, hier zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Auf ein Gewebegebiet könne die niemand lassen, denn, so Lange: In einem Gewerbegebiet können wir nicht an sieben Tagen in der Woche produzieren.
Aber auch kleine Flächen, wie sie der Anlagenbau reichlich übrig hat, wollen vermarktet sein. Diesbezüglich beklagt Vorstand Hans-Otto Rothe: Seit zehn Jahren diskutieren wir mit dem Landkreis wegen kleiner Unternehmen, die sich hier ansiedeln wollen. Doch wirklich geholfen hat das nicht. Dies könnte sich mit dem Wirken der SMG ändern. Rothe: Wir haben mit der Marketinggesellschaft endlich ein Unternehmen, das sich für die Region interessiert. Und das etwas für uns tut. Und deshalb, so Landtagsabgeordneter und erneuter Landtagskandidat Norbert Born, müsse die Arbeitsfähigkeit der SMG langfristig gesichert sein. Wirtschafts- und Tourismusförderung ist eine freiwillige Aufgabe der Kommunen. Das bringt Unsicherheiten, die der Sache nicht dienen. Als sportpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag meinte Born in der gemeinsam von vielen Teilnehmern praktizierten Sportförderung ein Modell zu sehen, das vielleicht auch bei der Wirtschaftsförderung greifen könne.
Günter Stieberitz ergänzte, die Nutzung des Anlagenbau-Areals betreffend: An diesem Standort sollten nicht nur 50 Leute arbeiten; hier ist Platz für 200 bis 300 Menschen in Hallen, die nicht genutzt werden. Dies verstand die SPD-Spitzenkandidatin als Wink; Katrin Budde schnürte ein Paket von Aufgaben, die sie mit nach Magdeburg nahm. So wolle sie die Schaffung weiterer Netzwerke zwischen Produktion und Forschung auch im Mansfelder Land unterstützen. Außerdem versprach sie: Wir sehen uns den Landesentwicklungsplan an: Wir brauchen Industrieflächen. Ein weiterer Schwerpunkt liege in der Wirtschaftsförderung: Wie müssen sie besser auf die lokalen Bedingungen ausrichten.
Jochen Miche


