So, 20:47 Uhr
24.01.2016
Neujahrsempfang in Hettstedter Jakobikirche
Mancher suchte hungrig das Weite
Sie wirken vielfach wie Engel, die lautlos und mit Hingabe Gutes tun. Dafür bekamen diese Ehrenamtlichen in diesem Jahr einen kleinen Engel aus Ton geschenkt. Links im Bild: Pfarrer Sebastian Bartsch. (Foto: Jochen Miche)
Pfarrer Sebastian Bartsch in Hettstedt kriegt sie alle. Oder anders gesagt: Zu ihm kommt jeder irgendwann einmal. Zum Beispiel in den Gottesdienst, der alljährlich im Januar dem traditionellen Neujahrsempfang vorausgeht. Heute war es wieder so weit…Die Winterkirche war rappelvoll, als der Pfarrer predigte, der Posaunenchor spielte und Kantorin Almut Noack auf der neuen transportablen Orgel die Gemeinde beim Gesang begleitete. Die Reihen lichteten sich erst im Anschluss an den Gottesdienst für die Augenblicke, in denen jeweils drei Bürger von Kathrin Cuck, der Vorsitzenden des Gemeindekirchenrates, zum Altar vorgerufen wurden, wo sie mit einem Engel für ihr ehrenamtliches Wirken in der bzw. für die Jakobigemeinde geehrt wurden.
Gottesdienst am heutigen Sonntag in der Hettstedter Kirche St. Jakobi. Am Pult: Kathrin Cuck, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. (Foto: Jochen Miche)
In allen Bereichen der evangelischen Jakobigemeinde wirken die Frauen und Männer, die einen kleinen Engel in die Hand gedrückt bekamen und die Frau Cuck jeweils mit einer kleinen Laudatio würdigte. Aufgerufen und mit Worten, einem Engel und viel Applaus der Gemeinde geehrt wurden Danilo Buchmann, Sandra Frenzel, Ingeborg Göse, Thomas Hebborn, Harty Machemehl, Bärbel Müller, Gisela Prösch, Reinhard Schupp, Veronika Triebel, Erika und Roland Ullrich. Reinhard Schupp, der sich unter anderem alljährlich für die Organisation und Verwirklichung der Allianzgebetswoche einsetzt, meinte, dieser Engel sei zwar kein Oscar, aber dafür ist das, was wir tun, auch für die Ewigkeit.
Der Posaunenchor der evangelischen Jakobikirche unter Leitung von Kantorin Almut Noack. (Foto: Jochen Miche)
Pfarrer Bartsch dankte ebenfalls allen, die geholfen haben, das Leben in der Gemeinde und für die Menschen darüber hinaus zu verbessern. Dazu gehören auch jene, die Geld gesammelt haben beispielsweise für die neue Orgel in der Winterkirche. Oder geholfen haben, damit die Kirchenglocken mit einer modernen Schaltuhr versehen werden konnten. Er sagte: Es gibt ein Klangbild in der deutschen Landschaft, und dazu gehören Glocken.
Im Gespräch mit msh-online begründete Pfarrer Bartsch das seit einiger Zeit regelmäßig erfolgende Läuten um 18 Uhr: Der Mensch muss einfach mal auf die Bremse treten, zur Ruhe kommen können. Dieses Abendläuten kann jeder als eine Art Signal verstehen, sich selbst ein wenig herunter zu fahren. Das beziehe ich sogar auf mich selbst.
So ganz zur Ruhe kam er aber auch nach Gottesdienst und Ehrungen mit Engel und Worten nicht: Zunächst bekam jeder Gottesdienstbesucher ein Glas Sekt, Saft oder Selters in die Hand gedrückt, um mit dem Pfarrer auf das neue Jahr, Gesundheit und gutes Gelingen aller Vorhaben anzustoßen, bevor sich die Menschen - Vertreter verschiedenster Bereiche des gesellschaftlichen Lebens Hettstedts und seiner Umgebung - in den Kirchenvorraum begaben, um bei einem ebenso reichhaltigen wie leckeren Imbiss miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Enge allerdings brachte es mit sich, dass nicht jeder in den Genuss der Köstlichkeiten des Büfetts kam und lieber, bevor er sich erdrücken ließ, das Weite – also die Weite des Kirchenvorplatzes – suchte. Sie haben die Abrundung eines schönen Sonntages verpasst, den die Kirche Septuagesimae nennt, welcher die Vorfastenzeit einläutet, in der die Tische noch etwa so herrlich voll gedeckt sein dürfen wie heute in der Jakobikirche.
Jochen Miche