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Darktroll Festival auf Burg Bornstedt

Die drei heißesten Tage im Mansfelder Land

Sonntag, 08. Mai 2016, 01:19 Uhr
Was kennzeichnet Death Metal- und Black Metal-Bands? Der Normalbürger kann ihre Namen auf Plakaten kaum lesen. In jedem anderen Bereich der Werbebranche pure Verschwendung, ist dies hier Methode: Wer die Musik kennt, kennt auch den Namen der Band. Wie seit dem Himmelfahrtstag auf der Burg in Bornstedt. Vieles von dem, was Klang und Namen in der europäischen Metal-Welt hat, spielte dort vor mehr als 1.200 Fans auf. Die wahren Fans erkannten Khors, Obscurity, Moonsorrow oder Thyrgrimm – diese vier Bands heizten beispielsweise am gestrigen Abschlussabend ein – selbstverständlich an der Musik.

Begonnen hatte das Darktroll Festival 7 auf der Burg Bornstedt am Himmelfahrtstag, geendet hat es heute Nacht. Die Festivalorganisatoren von „In fiction Entertainment“ waren allerdings bereits am Mittwoch angereist. Kelly, einer der beiden Chefs: „Wir organisieren europaweit Festivals. Nach Bornstedt sind wir mit 70 Leuten angereist. Ganze Familien machen hier die Arbeit, jeder wird gebraucht, sogar – nicht lachen! – meine Oma ist dabei, und absolut zuverlässig zum Beispiel, wenn für ein paar hundert Leute zum Frühstück Schnitten geschmiert werden müssen.“

Drei Tage Sonnenschein und super Stimmung beim Darktroll Festival 7 auf der Burg Bornstedt. Ein phantastisches Musikprogramm begeisterte. (Foto: Jochen Miche) Drei Tage Sonnenschein und super Stimmung beim Darktroll Festival 7 auf der Burg Bornstedt. Ein phantastisches Musikprogramm begeisterte. (Foto: Jochen Miche)
Exklusives Festival
Dass die ungezählten Handgriffe am Rande eines Festivals Arbeit machen, merken viele Leute nicht. Müssen sie auch nicht. Die Aufmerksamen allerdings bemerkten: Hier in Bornstedt läuft eines der sympathischsten, bestorganisierten und sogar optisch saubersten Festivals der deutschen Metal-Szene ab, wie der 35-jährige Kelly alias Sebastian Noack weiß. Er hat eine Erklärung für das reibungslose Geschehen: „Das Darktroll Festival Bornstedt ist eines unserer kleineren Festivals, aber dafür eines der exklusivsten. Wir kommen absolut gern nach Bornstedt. Der Bürgermeister, Lars Rose, die Gemeindeverwaltung, der Sport- und Heimatverein und die Helfer von anderen Vereinen – selten werden wir so herzlich aufgenommen wie hier. Und vor allem: so unterstützt.“

Darktroll Festival in Bornstedt: Musik verbindet. (Foto: Jochen Miche) Darktroll Festival in Bornstedt: Musik verbindet. (Foto: Jochen Miche)

Das merken sogar die Bands, die in diesem Jahr wieder aus ganz Europa kamen: aus Italien, Schweiz, Spanien, Frankreich, Belgien, Holland, Österreich, Finnland, Norwegen, Schottland, England, Ukraine und natürlich Deutschland. Ähnlich sah es mit dem Publikum aus, das ebenfalls aus ganz Europa angereist war. International, erwähnt Kelly noch, ist auch seine Crew zusammengesetzt: Die Leute kommen aus Frankreich, Holland, Schweiz und Deutschland.

Romantik pur
Festivalbesucher sind – mindestens in Fragen des Bieres – Selbstversorger. Und oft recht selbständig beim Herstellen warmer Mahlzeiten – irgendeiner erbarmt sich immer des Grills oder Campingkochers und dessen, was unter den verstaubten Kofferraumhauben der außerhalb des Zeltplatzes abgestellten Autos auf den Augenblick des Gebrauchtwerdens wartet. Aber auch das Festivalgelände hält an mehreren Ständen Leckereien in großer Vielfalt bereit. Längst kein Geheimtipp mehr ist auf der Burg, dass es auch unten in Bornstedt Gutes günstig gibt: in der Gaststätte „Zur alten Bäckerei“. Wer in Ruhe mit Festivalbesuchern aus ganz Europa ins Gespräch kommen und sich nebenbei ein Wernesgrüner gönnen will, ist dort genau richtig.

Dort trafen wir die Luxemburgerin Julie und ihren Bonner Lebensgefährten Klaus. Die heute 56-Jährige und ihr ein Jahr jüngerer Lebensgefährte lernten sich einst bei einem Rockfels-Festival an der Loreley kennen und gaben sich, erzählt sie, ihren ersten gemeinsamen Kuss zwischen einem Titel von Alice Cooper und Meat Loaf. Trotz Hitze in Bornstedt: Gänsehautfeeling. Metall-Romantik pur! Mehr geht nicht! Julie und Klaus: Chapeau!

Dvalin aus Würzburg auf der Bornstedter Bühne. Die Jungs bekommen ein Kunststück fertig: Sie liefern heiße Musik, die erfrischt. (Foto: Jochen Miche) Dvalin aus Würzburg auf der Bornstedter Bühne. Die Jungs bekommen ein Kunststück fertig: Sie liefern heiße Musik, die erfrischt. (Foto: Jochen Miche)

Nach Rückkehr der Ernüchterung und der Vorfreude auf die nicht weniger begeisternden Bands auf der Bornstedter Burg können wir wieder eine nüchterne Frage stellen: Ihr düst von einem Metal Festival zum anderen in Germany, was reizt euch denn am Darktroll Festival? Julie: „Die Location. Wo hast du eine solche Burg, solche Sauberkeit, solch sympathische Menschen wie in Bornstedt selbst und auf der Burg? Und die Bands haben Feuer ohne Ende. Was willst du mehr?“ Silvia (53), wie Julies Freund ebenfalls aus Bonn angereist, bestätigt dies: „Das Festival hier hat etwas mit dem weltgrößten Heavy Metal Festival in Wacken gemeinsam: Es ist, genau wie in Wacken, nicht auf einen Acker weit vom Ort entfernt ausgelagert. Es findet direkt am Ort statt, fast schon mitten drin. Man lernt die Menschen, die hier leben, kennen, das gibt es woanders nicht.“

Wer seid ihr? "Zwei Typen und ein Mädel auf der Bank vor dem Turm", antwortete ein Mitarbeiter der Technischen Universität Chemnitz (mit auf dem Bild). Sie, das "Team Skyforger", reisten erst am Samstag an, um die am Abend spielenden Gruppen zu erleben. (Foto: Jochen Miche) Wer seid ihr? "Zwei Typen und ein Mädel auf der Bank vor dem Turm", antwortete ein Mitarbeiter der Technischen Universität Chemnitz (mit auf dem Bild). Sie, das "Team Skyforger", reisten erst am Samstag an, um die am Abend spielenden Gruppen zu erleben. (Foto: Jochen Miche)
“Akrobatische Meisterleistung“
Im Unterschied zu Wacken, wo bei Regen schon mal bis zu 85.000 Menschen im Schlamm versinken, bleiben in Bornstedt die Schuhe bei schlechtem Wetter beinahe sauber. Hier hat die Gemeinde in den zurückliegenden Jahren enorm viel für asphaltierte und anderswie befestigte Straßen, Wege und Plätze getan. In der alten Bäckerei trafen wir, absolut freundschaftlich vereint, eine preußisch-sächsische Gruppe, der neben anderen Emanuel aus Berlin angehört. Der 33-Jährige liebt das Familiäre und den Zeltplatz, der, wie er mit einem Augenzwinkern hinzufügt, „besonders nachts jedem Zeltbewohner eine logistische und akrobatische Meisterleistung abverlangt“. Jenny (35) lobt den sehr rührigen Sportverein, die Live-Musik und die Gemütlichkeit.

Gruppenfoto mit Damen(n). Eine der Gruppen, die es sich in der "alten Bäckerei" in Bornstedt schmecken ließen, kam aus Berlin-Brandenburg und aus Süd-Sachsen. Gestärkt und zufrieden wünschten sie sich vor dem Aufstieg zum "Schicksalsberg" ein Gruppenfoto mit Doreen Weiland (im blauen Polo-Shirt). (Foto: Jochen Miche) Gruppenfoto mit Damen(n). Eine der Gruppen, die es sich in der "alten Bäckerei" in Bornstedt schmecken ließen, kam aus Berlin-Brandenburg und aus Süd-Sachsen. Gestärkt und zufrieden wünschten sie sich vor dem Aufstieg zum "Schicksalsberg" ein Gruppenfoto mit Doreen Weiland (im blauen Polo-Shirt). (Foto: Jochen Miche)

„Mittags immer bei Doreen“
Jörg (39) ergänzt: „Wenn ich vom Zelt bis zur Bühne eine Stunde lang unterwegs bin, wie wir es beispielsweise beim Summer Breeze Open Air Dinkelsbühl haben, dann ist das nicht immer lustig. Hier auf der Burg können wir, wenn wir wollen, direkt mit den Bandmitgliedern ins Gespräch kommen.“ Sein Begleiter Ingolf, erstmals beim Darktroll Festival, findet die Enge auf dem Zeltplatz allerdings anstrengend, besonders wenn er nachts zu den Toiletten muss. Der 49-Jährige verharrt noch ein wenig bei den gastronomischen Genüssen der Küche der „alten Bäckerei“, welche Doreen Weiland führt, die im „richtigen Leben“ eigentlich mit ihrem Catering-Service Veranstaltungen versorgt. Ingolf: „Wir haben diesmal sogar das legendäre, riesige Bauernfrühstück von Doreen geschafft. Das geht nur, weil es super lecker ist.“

So nahmen einige der mehr als 1.200 Besucher nicht nur phantastische Eindrücke von den vielen wertvollen Begegnungen mit Gleichgesinnten und von den Mucken der sage und schreibe 25 Bands mit nach Hause, sondern auch schöne Erinnerungen an die Bornstedter Küche. Die preußisch-sächsische Gruppe kommt seit 2011 zum Darktroll Festival und zum Mittagessen zu Doreen Weiland. So, wie sie eine Heavy Metal-Band natürlich an ihrem Namenszug, in erster Linie jedoch an deren Musik erkennen, die sie auch 2017 zum Darktroll Festival 8 nach Bornstedt locken wird, so ergeht es ihnen mit ihrer Bornstedter "Stammkneipe", deren Küchendüfte und Personal auch auf Festivalbesucher magische Kräfte ausüben.

Jochen Miche

Hinweis: Die Namen der Bands, die das Festival gestalteten, hat msh-online am 5. Mai 2016 in dem Beitrag "25 Bands beim Darktroll Festival 7 auf der Burg" veröffentlicht.
Autor: jm

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