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Luthers Geburtstag mit Jubel, Trubel, Heiterkeit gefeiert – Dienstag folgen Blumen und Konzert

Mittelalter-Spektakel und Riesenstolle locken tausende Besucher

Sonntag, 08. November 2015, 19:15 Uhr
Die Honoratioren Eislebens, Vertreter der Kreisverwaltung, Menschen mit dem Nachnamen Luther und Geburtstagsgäste aus dem Publikum heute Nachmittag an der auf dem Marktplatz der Lutherstadt aufgebauten Tafel. Vor ihnen eine elf Meter lange Stolle, die anschließend gemeinsam mit dem Publikum vernascht wurde. (Foto: Jochen Miche) Die Honoratioren Eislebens, Vertreter der Kreisverwaltung, Menschen mit dem Nachnamen Luther und Geburtstagsgäste aus dem Publikum heute Nachmittag an der auf dem Marktplatz der Lutherstadt aufgebauten Tafel. Vor ihnen eine elf Meter lange Stolle, die anschließend gemeinsam mit dem Publikum vernascht wurde. (Foto: Jochen Miche) Das kommt so oft auch nicht vor, dass derjenige, der am gedeckten Tisch sitzt, später hungrig nach Hause geht. Auf Luthers Geburtstagsfeier heute Nachmittag erging es Eislebens Oberbürgermeisterin Jutta Fischer so. Sie saß an der weiß gedeckten Tafel auf dem Marktplatz vor einem sage und schreibe elf Meter langen Stück Kuchen, packte sich davor reichlich auf den Teller, stand auf und ging. Nicht nach Hause, nein, sie ging zu den Menschen, die den langen Tisch umringten und bot den fröhlich Zulangenden die Stolle an. Das wiederholte sie mehrmals. Andere am Tisch folgten ihrem Beispiel und verteilten die Vorweihnachtsköstlichkeit an die dankbaren Geburtstagsgäste. Ihnen wird es ähnlich ergangen sein wie Frau Fischer: Als sie sich endlich selbst Zeit für ein Stück Stolle nehmen wollten, war sie alle. Landtagsabgeordneter Norbert Born (SPD), der vor dem Essen von Moderator Dirk Fuhlert im Publikum entdeckt und dann genötigt worden war, mit an der Tafel Platz zu nehmen (der Optik wegen musste er eine Mütze aufsetzen - passend zu seiner Partei bekam er eine rote), verteilte ebenfalls Stolle, doch er fand am Ende wenigstens noch ein paar Rosinen auf seinem Teller, die er zum Gaudi der Umstehenden wegnaschte.

Spaß war groß geschrieben an diesem Wochenende. Ein Mittelalter-Spektakel mit viel historischem Handwerk, Luthers Biernacht, eine Feuershow, zwei Umzüge, ein Treffen von Menschen mit dem Namen Luther, offene Geschäfte, ungezählte kleine und große Vorführungen auf Bühne und Markt und natürlich die Stolle aus dem Hause Morgenstern lockten zwei Tage lang tausende Menschen in die Eisleber Innenstadt.

Gefeiert wurde Martin Luthers 532. Geburtstag, der allerdings erst übermorgen, am Dienstag, dem 10. November, ist. Immerhin hält die Stadt auch an diesem Tag ein ansprechendes Programm zu Ehren ihres großen Sohnes bereit: Ab 10 Uhr legen Kinder und Erwachsene Blumen am Lutherdenkmal auf dem Markt nieder. Jeder ist eingeladen, zuzuschauen oder selbst eine Blume niederzulegen und dem Mann die Ehre zu erweisen, dem Deutschland eine einheitliche Sprache und die Welt die Reformation zu verdanken hat. Ein weiterer Höhepunkt am Dienstag wird ab 19 Uhr ein Konzert in der Kirche St. Annen sein (Eintritt frei). Das Rossini Quartett Magdeburg, Kammersängerin Undine Dreissig (Mezzosopran) und Trompeter Tilmann Schneider werden ihr Publikum mit dem Programm „Luther und die Nächstenliebe“ erfreuen. Von Martin Luther ist der Spruch überliefert: „Unser Nächster ist jeder Mensch, besonders der, der Hilfe braucht.“

So also war die Stollenverteilaktion heute Nachmittag zu verstehen. Schön, mag da mancher gedacht haben, dass die Eisleber Oberbürgermeisterin nicht nur Luther liest, sondern auch befolgt.
Jochen Miche
Autor: jm

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