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Mi, 11:36 Uhr
14.08.2019
Repräsentative Umfrage zur Nährwertkennzeichnung:

Große Mehrheit für Nutri-Score-Ampel

Die Mehrheit der Deutschen spricht sich für eine Kennzeichnung von Lebensmitteln mit der Nährwertampel Nutri-Score aus - das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag mehrerer medizinisch-wissenschaftlicher Organisationen und der Verbraucherorganisation foodwatch...


69 Prozent der befragten Personen bevorzugten den Nutri-Score gegenüber dem von Bundesernährungsministerin Julia Klöckner in Auftrag gegebenen Kennzeichnungsmodell "Wegweiser Ernährung". Der "Wegweiser Ernährung" fiel beim Großteil der Verbraucherinnen und Verbraucher durch: Nur 25 Prozent sprachen sich für das Modell aus - die Mehrheit der Befragten beurteilte es im Vergleich eher als "kompliziert" und "verwirrend". Die Organisationen forderten Ernährungsministerin Klöckner auf, im Kampf gegen Fehlernährung keine Zeit mehr zu verlieren und schnellstmöglich den Nutri-Score einzuführen.

"Die Umfrage zeigt: Die deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher wollen den Nutri-Score. Diese Nährwert-Ampel hat zuvor in über 35 wissenschaftlichen Studien ihre Wirksamkeit bewiesen", sagte Barbara Bitzer, Sprecherin des Wissenschaftsbündnisses DANK und Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft. "Wir erwarten, dass Bundesernährungsministerin Julia Klöckner den Nutri-Score schnellstmöglich einführt. Ein Label, das die Mehrheit der Menschen als verwirrend empfindet, ist wissenschaftlich nicht akzeptabel."

Das Forsa-Institut hatte 1.003 repräsentativ ausgewählten Verbraucherinnen und Verbrauchern online beispielhaft Lebensmittel gezeigt, die mit den beiden Nährwertmodellen gekennzeichnet waren. Im Anschluss sollten die Teilnehmenden im direkten Vergleich beispielsweise bewerten, welches Modell verständlicher ist und die Wahl gesunder Lebensmittel eher erleichtert. In der Umfrage sprachen sich vor allem jene Bevölkerungsgruppen für den Nutri-Score aus, die besonders stark von Fehlernährung betroffen sind. Die Befragten mit geringem formalem Bildungsgrad und jene mit starkem Übergewicht bevorzugten jeweils zu drei Vierteln den Nutri-Score. Beide Gruppen bewerteten den Nutri-Score auch häufiger als hilfreicher bei der Auswahl gesunder Produkte. Den "Wegweiser Ernährung" hingegen empfand ein besonders großer Anteil der Personen mit starkem Übergewicht als das kompliziertere Label.


"Das neue Kennzeichnungssystem muss gerade für die besonders von Fehlernährung und Übergewicht betroffenen Bevölkerungsgruppen verständlich sein", sagte Prof. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. "Wenn Eltern einen geringen Bildungsstand haben oder übergewichtig sind, dann haben ihre Kinder ein deutlich erhöhtes Risiko, auch dick zu werden. Der Nutri-Score erreicht diese Bevölkerungsgruppen offenbar gut und kann deshalb wirksam helfen, Kinder vor Übergewicht zu schützen."

Die Umfrage erfasste auch, wie wichtig den Verbraucherinnen und Verbrauchern bestimmte Eigenschaften bei einer Kennzeichnung sind. Ein Label muss demnach vor allem "eindeutig" sein (72 Prozent halten dies für sehr wichtig), "leicht verständlich" (70 Prozent) und "unkompliziert" (61 Prozent). Genau diese Eigenschaften sahen die Befragten vor allem beim Nutri-Score gegeben. Detaillierte Informationen auf der Vorderseite der Verpackung wie beim "Wegweiser Ernährung" waren den Menschen hingegen deutlich weniger wichtig (35 Prozent).


"Die Umfrage zeigt klar, dass der Nutri-Score genau das liefert, was die Menschen erwarten - eine schnelle, verständliche Orientierung beim Einkauf", sagte Prof. Dr. Hans Hauner, Vorsitzender der Deutschen Diabetes Stiftung und Beiratsmitglied der Deutschen Adipositas-Gesellschaft. "Die Politik muss diese wirksame Maßnahme für eine gesündere Ernährung endlich umsetzen."

Ärzteverbände, medizinische Fachgesellschaften und Verbraucherorganisationen fordern schon seit langem verbindliche Maßnahmen gegen Fehlernährung und Übergewicht - eine verständliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben ist dabei ein wichtiger Baustein. In Ermangelung einer verbindlichen EU-weiten Regelung haben inzwischen mehrere Länder Ampelkennzeichnungen auf freiwilliger Basis eingeführt. Der von unabhängigen französischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickelte Nutri-Score wird bereits in Frankreich und Belgien verwendet, Spanien hat seine Einführung angekündigt und auch in Portugal, Luxemburg und der Schweiz wird über die Einführung diskutiert.

Das Modell nimmt eine Gesamtbewertung der Nährwertzusammensetzung eines Produktes vor, indem es ernährungsphysiologisch günstige und ungünstige Nährwertbestandteile miteinander verrechnet und auf einer von grün nach rot abgestuften Farbskala einordnet. Mit dem Nutri-Score lassen sich so die Nährwerte verschiedener Lebensmittel wie Tiefkühlpizzen, Frühstücksflocken oder Fruchtjoghurts auf einen Blick vergleichen.

Den "Wegweiser Ernährung" hat Julia Klöckner im Mai vorgelegt, das staatliche Max Rubner-Institut hatte das Modell in ihrem Auftrag entwickelt. Anders als beim Nutri-Score fehlt bei diesem "Waben"-Modell eine Einordnung in Ampelfarben.

Die Umfrage wurde beauftragt von:
  • Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten DANK
  • foodwatch e.V.
  • Deutsche Diabetes Gesellschaft
  • Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin
  • Deutsche Diabetes Stiftung
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte
  • diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe
  • Deutsche Adipositas-Gesellschaft
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin
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Kommentare

14.08.2019, 14.47 Uhr
Örzi | Es kann nicht genug auf der Packung stehen
Es findet sich schon noch was. Früher ging man in den Konsum, sagte "ein Stück Butter", bezahlte und fertig. Heute hat man 20 Sorten zur Auswahl und kann den Nachmittag damit verbringen, die Produkte zu vergleichen. Nährwert, Inhaltsstoffe, Zusatzstoffe, E dies und E das, bio, öko, und ohne Ende so weiter. Bald ist auf der Verpackung kein Platz mehr für das Produkt selber, aber als geübter Einkäufer kann man dann ja aus den angegebenen Produkt-Merkmalen erahnen, was man da kauft. Letztlich ist man mit den vielen Informationen überfordert und die meisten Leute kaufen sowieso nach dem Preis. Wenn das Angebot stimmt schaut man gar nicht auf die Sulfate und die anderen schlimmen Zutaten. Was machen eigentlich die Menschen mit Leseschwäche. Haben die ein Anrecht darauf, von der Kassiererin vorgelesen zu bekommen. In Zeiten der Gleichstellung von allen und jeden eine berechtigte Frage.

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