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Di, 16:23 Uhr
12.02.2019
Einzigartige Landschaft und Arbeitsplätze im Südharz erhalten

Naturschutzverbände schreiben an Politiker

In einem Offenen Brief haben acht Landesnaturschutzverbände von BUND, NABU, NaturFreunde und der Niedersächsische Heimatbund die Ministerpräsidenten der Länder Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt aufgefordert, die europaweit einmalige Gipskarstland­schaft im Südharz für nachfolgende Generationen zu erhalten...


Der Schutz der natürlichen Lebensräume und Kulturlandschaften müsse dabei Hand in Hand mit der Sicherung nachhaltiger Arbeitsplätze in der Südharzregion gehen.

„Die Gipskarstlandschaft im Südharz ist ein Hotspot der Artenvielfalt, einmalig in ganz Europa“, betonen die Naturschutzverbände. „Durch den Gipsabbau wird das Gestein entfernt, dem die Landschaft ihren ungewöhnlichen und reichen Formenschatz verdankt. Die natürliche Artenzusammensetzung und das Landschaftsbild werden nachhaltig verändert. Übrig bleiben mit Gipsabraum aufgefüllte und gefällig modellierte Steinbrüche mit Allerweltsvegetation.“ Die Verbände fordern daher seit Langem eine Umstel­lung der Anhydrit- und Gips-Baustoffbranche auf Recycling- und Sekundärgipse sowie nachwachsende Rohstoffe. Die sich bietenden Möglichkeiten werden im Südharz noch nicht konsequent genug umge­setzt, weil der Abbau der Gipsvorkommen günstiger und einfacher ist.

„Es ist statistisch belegt, dass im Südharz viele Arbeitsplätze im Tourismussektor und nachfolgendem Gewerbe gebunden sind“, so die Verbände. „Mit der Fortführung des Naturgipsabbaus wird die Land­schaft endgültig und unwiederbringlich ihres Potenzials einer nachhaltigen Tourismusentwicklung beraubt.“ Derzeit etabliert sich die Südharzregion länder­übergreifend mit hoffnungsvollen Ansätzen im Bereich der touristischen Vermarktung. Mit der Schaf­fung von regionalen Wirtschaftskreisläufen mittels Vermarktung heimischer Produkte und des in Sachsen-Anhalt etablierten Biosphärenreservats „Karstlandschaft Südharz“ hat die Region einen Platz im Ranking der Nationalen Naturlandschaften gefunden, den es auszubauen gilt.

Einen nachhaltigen Abbau gibt es nicht. Zwar entwickeln sich Abbauflächen kurzfristig zu teilweise hochwertigen Offenlandbiotopen und weisen vorübergehend Arten auf, die es vorher dort nicht gab. Die dann vorkommenden Pflanzen- und Tierarten sind jedoch nicht mehr typisch für die naturnahen Lebensräume auf Gips- bzw. Karstgestein wie artenreiche Magerrasen, orchideenreiche Kalkbuchen­wälder, natürliche Erdfälle und die ganze Fülle der Gipskarstformen, die es zu schützen gilt. Die Naturschutzverbände appellieren daher an die Ministerpräsidenten der drei Länder, jetzt die politischen Weichen für einen länderübergreifenden, flächendeckenden Schutz zu stellen und einen offenen Diskurs über die Zukunft der Südharz-Region zu führen.

Hintergrund des Briefes ist, dass die Betriebsräte der in der Region Südharz tätigen gipsverarbeitenden Unternehmen Knauf (Rottlebe­rode), Casea (Ellrich) und Saint Gobain Formula (Walkenried) sich zum Jahreswechsel in einem Brief an die Ministerpräsidenten gewandt und gegen die angebliche Gefährdung ihrer Arbeitsplätze durch die staatliche Verhinderung von notwendigen Abbauflächen protestiert hatten.

Im niedersächsischen Karst sind bereits über 50 % Prozent der Flächen mit oberflächennah vorkommen­dem Gips abgebaut, in Thüringen aufgrund der größeren Vorkommen etwas weniger.

Mit dem „Hotspot der Biodiversität“ im Südharz und Kyffhäuser sind vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) ausdrücklich „natürliche Biotope“ mit den „typischen Arten“ genannt, die sich über 10.000 Jahre seit der letzten Eiszeit hier entwickelt haben. Diese Natur kann durch noch so intensive Renaturierung nicht wieder hergestellt werden. Die Einmaligkeit der Karstlandschaft besteht neben der Biodiversität in ihrer ganz besonderen Geologie.

Nur im Südharz treffen teilweise hohe Niederschläge, kalkfreie Bäche und Flüsse aus dem Harz und oberflächennah vorkommender Gips aufeinander. Bäche schaffen Steil­wände, Naturhöhlen entstehen, fallen wieder ein und lassen oberirdisch Senken, Erdfälle, Bach­schwinden, periodische Seen, Abhänge und Rutschungen entstehen.
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Kommentare

12.02.2019, 19.51 Uhr
Zukunft | Wunschdenken und Forderungen
Angesichts der Weltfremdheit der Verbände sei soviel zitiert:

1. "Die Verbände fordern daher seit Langem eine Umstel­lung der Anhydrit- und Gips-Baustoffbranche auf Recycling- und Sekundärgipse sowie nachwachsende Rohstoffe. "
Warum soll die Branche eine Umstellung vornehmen, wenn Sie ihre eigenen, an die Treuhand bezahlten Vorkommen nutzen kann. Übrigens auch hier zu lesen: Knauf will noch in diesem Jahr eine erste Recyclinganlage in Betrieb nehmen.

2. "Es ist statistisch belegt, dass im Südharz viele Arbeitsplätze im Tourismussektor und nachfolgendem Gewerbe gebunden sind“, so die Verbände.

Auch hier kann man sich ungebremst auf die Schenkel kloppen. Vor lachen. Im Tourismus des Südharz geht es seit Jahrzehnten bergab. Hier gibt es nichts, was sich lohnt mehrere Tage zu übernachten. Nicht einmal den Karstwanderweg, auf den sich im zurückliegenden Jahr rund 200 auswärtige Wanderer verirrt haben. Wenn der Südharz mit seiner Karstlandschaft so supertoll wäre, dann hätten sich die Großen der Tourismusbranche schon längst für die Region interessiert. Man braucht nur mal in Richtung Kyffhäuser gucken.

Ach ja, für die deutsche Gipsindustrie gibt es auch außerhalb Deutschlands noch genügend Rohstoff. Nur wird das Produkt dann teurer, für die normalen Bürger. Nicht für die Verbandsfuntionäre und Waldhüttenbewohner der Grünen.

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12.02.2019, 21.48 Uhr
guckan | Seltsame Logik dieses "Zukunft"
"Im Tourismus des Südharz geht es seit Jahrzehnten bergab. Hier gibt es nichts, was sich lohnt mehrere Tage zu übernachten. "

Da wäre doch einmal die Frage zu stellen, woran das liegt? Das liegt doch unter anderem daran, dass solche "Zukunft" und sonstige Gipsprofiteure unsere Heimat verkaufen und verschandeln . Die schaffen ein Problem und begründen dann mit dem Problem, dass keiner mehr herkommt. Mal wieder voll daneben!

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13.02.2019, 10.16 Uhr
iceman | Zahlenspiele
Man nehme eine geologische Karte des Südharzes. Dort sind die Gipskarstformationen von Osterode bis Sangerhausen eingetragen. Jetzt zeichnet man sich darauf die Abbaugebiete der Gipsindustrie ein, dann ein bisschen Geometrie/Mathematik und man hat eine Zahl die bei großzügigem Runden 1% ergibt. Soviel machen die Abbauflächen an der gesamten Gipskarstlandschaft aus. Und diese sollen dann die ganze Artenvielfalt etc. schützen oder für deren Untergang verantwortlich sein?

Das ganze könnte man auf weitere Bereiche ausdehnen.
Vogelsterben - habe mir mal verschiedene Studien/Statistiken zum Thema Vogelsterben durch Windkraftanlagen angesehen. Die Zahlen reichen von 3 bis 100 Vögel pro Anlage und Jahr. Der Mittelwert dieser Studien ist rund 20 Vögel/Anlage/Jahr. Dies multipliziert mit 30.000 Anlagen ergibt 600.000 tote Vögel pro Jahr in Deutschland durch die Windkraftanlagen. Und dann kann man sich die Frage wodurch zumindest ein nicht unerheblicher Teil des Vogelsterbens/-rückgangs herkommt beantworten.

Und so kann man sehr vieles an derzeitigen Panikmache mit einfachen Zahlen recht gut belegen, wie bedeutungslos so manche Sache ist, die groß aufgebauscht wird und mach bedeutungsvolle Erkenntnis einfach tot geschwiegen wird.
Leider reichen dafür die 4000 Zeichen nicht.

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