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Sa, 15:42 Uhr
09.02.2019
Wo die Hexen zu Walpurgis tanzen

Harzkamel verdrängt die alte Dampflok

Der Brocken ragt – aus dem Weltraum betrachtet – manchmal wie eine Insel aus dem Wolkenmeer über Norddeutschland heraus. Aber meistens ist der höchste Gipfel (1.141 Meter) des Harzes von Nebel umhüllt. So verwundert es nicht, dass die Meteorologen den legendären Blocksberg schon als „nebligsten Ort Deutschlands“ bezeichneten...


Sie kamen auf einen Jahresdurchschnitt von 306 Nebeltagen und nur 1.353 Sonnenstunden. Wir hatten meistens gute Fernsicht, weil wir wie viele Wanderer den Aufstieg bei gutem Wetter antraten. Aber es kann schnell umschlagen.

Schon seit 1895 hocken „Wetterfrösche“ auf dem Brocken. Noch sind es sieben Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes. Temperatur, Niederschlag und Windstärke werden automatisch gemessen. Die Sichtweite und den Grad der Bewölkung wird vom Dienstleiter an die Zentrale in Offenbach gemeldet.

Spätestens 2020 übernimmt spezielle Technik auch diese Aufgaben. Auf Wetterbeobachtung durch Bedienstete wird schon auf Flughäfen und an Autobahnen verzichtet. Das Gerät misst, in welcher Entfernung der der infrarote Messstrahl von Nebeltropfen reflektiert wird und berechnet daraus die Sichtweite. Wenn diese unter hundert Meter fällt, schalten die Anzeigen an der Autobahn auf Tempo 80.

In den DDR-Jahren stand der Brocken im militärischen Sperrgebiet; er konnte nur mit Passagierschein betreten werden. Die „Freunde“ aus der Sowjetunion unterhielten dort oben eine Abhörstation – so wie die Streitkräfte der westlichen Besatzungsmächte Frankreich, Großbritannien und den USA gleich falls Horchposten auf dem Ravensberg, auf dem Stöberhai und oberhalb von St. Andreasberg errichtet hatten.

Eine wahre Völkerwanderung aus Ost und West setzte zur Walpurgisnacht 1990 ein, als die Berliner Mauer und der Todesstreifen durch Deutschland überwunden und der Gipfel der „dänischen Alpen“ wieder frei zugänglich war. Die Rotarmisten hinter ihrem Stacheldraht machten großen Augen, wie Volkstanzgruppen des Harzvereins mit den Hunderten von „Gipfelstürmern“ fröhlich feierten – allerdings ohne Hexen.

Der Brocken liegt im Naturschutzgebiet Oberharz. Wer beim Brockenwirt eine Thüringer Bratwurst und einen Kräuterlikör aus Schierke am Fuße des Berg massivs genießen möchte, kann beim Aufstieg wählen: mit der Brockenbahn oder per pedes. Für öffentlichen Verkehr ist die Straße zum Gipfel gesperrt. Es war nicht einmal die Rekordhöhe von vier Meter Schnee, als die Brockenbahn neulich in Schneewehen stecken blieb.

Neben dem fünf Stockwerke hohen Wetterturm liegt vor den Sturmböen geduckt die Brocken-Wirtschaft. Die Gäste bekamen einen fürchterlichen Schreck, als
vor ein paar Jahren ein unerfahrener Pilot auf dem Fluge von Rügen über den Harz nach Frankfurt am Main einen Windmasten streifte und mit seiner Cessna abstürzte.

Nur Krummholz, keine Bäume wachsen auf dem Brocken infolge von bis zu knapp Minus 30° Celsius und Orkanstärken. Vor Jahrzehnten war Dampflokführer noch ein Traumberuf für Jungen. Heute haben es die Harzer Schmalspurbahnen mit Harzquer-, Selke- und Brockenbahn schwer, Lokführer und Heizer zu finden. Das Personal der HSB umfasst etwa 260 Beschäftigte, davon 40 in der Werkstatt. In den nächsten Jahren soll eine neue Dampflok-Werkstatt eingerichtet werden, um die Instandhaltung in eigener Regie leisten zu können.

Die Brockenbahn fährt schon seit 120 Jahren. Die älteste Dampflok stammt aus dem Jahre 1897. Die vor 25 Jahren wieder gegründete HSB muss ein 140 km langes Streckennetz mit mehr als 400 Brücken und Durchlässen unterhalten sowie jährlich drei km Gleis erneuern. Nostalgiker bedauern, wenn immer mehr Züge von Dampfbetrieb auf Dieselloks umgestellt werden. Der Triebwagen mit dem Spitznamen „Harzkamel“ ist da nur ein schwacher Trost.
Martin Roland
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Kommentare

09.02.2019, 17.14 Uhr
chappi1000 | HARZKAMMEL
Das Harzkamel ist kein Triebwagen sonder eine Großdiesellok der Baureihe 110 oder 112, die umgespurt wurde, um für die Grauwacke zum Einsatz zu kommen und wird auch für den normalen Reisezug Dienst eingesetzt unter der Baureihe 199

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09.02.2019, 18.40 Uhr
Wolfi65 | Na chappi1000
Die V 100 (BR 110 bis 114) zählt doch nicht zu den Großdieselloks.
Bei der DR wurden die Loks für den Personenverkehr auf Nebenstrecken und den leichten Güterverkehr eingesetzt.

Auch für Arbeits- und Bauzüge kam die V100 zum Einsatz.
Viel kann die V100 nämlich nicht ziehen, da sie mit 64 Tonnen Eigengewicht nicht viel auf die Achsen bringt.
Aber für die Spielzeug Wagons der HSB, wird es wohl reichen?
MFG ein Ehemaliger

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09.02.2019, 20.06 Uhr
chappi1000 | V100
Und sie läuft heute noch bei vielen Eisenbahnunternehmen

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