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So, 09:03 Uhr
02.07.2017
Personal wird bei der HSB knapp

Wie soll es weitergehen?

Lok-Führer zählte zu den Berufszielen unserer Großväter, als sie in die Schule kamen. Vor achtzig Jahren ging von der Eisenbahn noch eine besondere Faszination aus, die sich auf die Spielzeug-Bahn übertrug – ob zum Aufziehen oder schon als elektrische von Märklin. Ein Gastbeitrag von Martin Roland...

Der HSB fehlen die Heizer (Foto: Bahnsen/HSB) Der HSB fehlen die Heizer (Foto: Bahnsen/HSB)

Die Schienen durften zu Weihnachten oder zum Geburtstag in der Guten Stube aufgebaut werden. Und der Wellensittich drehte manche Runde auf dem Zuge mit.

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„Personalmangel zwingt zu Schienenersatzverkehr“, alarmierten die Nordthüringer Online-Zeitungen die heimische Tourismus-Wirtschaft. Zwar ersetzt die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) immer mehr Dampfzüge durch Omnibusse, aber der Verkehr mit schnaufenden Loks gehört zum traditionsreichen Geschäftsmodell, ob auf der Strecke von Nordhausen nach Wernigerode oder hinauf auf den Brocken, den mit 1141 Metern höchsten Gipfel des Harzes.

„Die Bedienung des Dampfkessels auf rostgefeuerten Dampflokomotiven“ steht in der Stellenausschreibung an erster Stelle. Zu den Aufgaben des Lok-Heizers gehören auch Pflege-, Wartungs- und Abölarbeiten. Um falsche Illusionen gar nicht erst aufkommen zu lassen, wird auf „körperlich schwere, schmutzintensive Arbeit“ hingewiesen. An diesem feurigen Arbeitsplatz kommt es zu „wechselnden klimatischen Verhältnissen“.

Weil Dampflok-Heizer auf dem Arbeitsmarkt heute eine Rarität sind, könnte die Personallücke bei der Harzquerbahn wohl am ehesten durch Abwerbung bei anderen Dampfbahnen geschlossen werden. Als erfolgreiches Beispiel dient der HSB-Sprecher Dirk Bahnsen. Bevor er in den Harz kam, setzte er auf Rügen den berühmten „Rasenden Roland“ unter Volldampf. Um den Normalbetrieb zu gewährleisten, müssen sechs offene Stellen besetzt werden.

Für den Harz-Tourismus spielen die Schmalspurbahnen eine bedeutende Rolle. Das unterstrichen der Verkehrsminister Sachsen-Anhalts, Thomas Webel, und der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow im vergangenen Herbst, als mit einer Sonderfahrt der 25. Jahrestag der Wiederaufnahme des Brocken-Verkehrs gefeiert wurde. Bis zum Ende der DDR lag der „Blocksberg“ im Sperrgebiet an der innerdeutschen Grenze.

Knapp eine Million Fahrgäste waren im vorigen Jahr auf den 140 km Strecken der HSB unterwegs: Führend die Brocken-Bahn mit 633 000 Passagieren, gefolgt von 258 000 auf der Nord-Süd-Verbindung der Harzquerbahn sowie 94 000 auf der Selketalbahn. Nunmehr sieht sich die Geschäftsleitung gezwungen, im Bereich der Selketalbahn einige Strecken von der Schiene auf Busverkehr umzustellen. Für den Harz-Tourismus wäre das ein Imageschaden.

„Wir fordern die Geschäftsführung schon seit langem auf, etwas gegen den drohenden Personalmangel zu tun, aber es geschieht nichts“, erklärte Hans-Werner Pape, Vorsitzender des Betriebsrates. „Das schlechte Betriebsklima, die zunehmende Arbeitsbelastung, aber auch sinkende Fahrgastzahlen sind für uns alarmierende Anzeichen, um endlich umzusteuern.“ Die HSB erzielte 2016 noch einen Umsatz von rund 13 Millionen Euro.

Mit Beginn des Sommerfahrplanes am 29. April begannen die Einschränkungen: Statt mit Dampf- oder Dieselloks wird etwa ein Drittel der Strecken der Selke-talbahn mit Bussen betrieben. Zwar gelten die Dampfloks als „technische Dinosaurier“, aber das moderne Kollisions-Warnsystem sei so innovativ
„wie im AirBus der Lufthansa“. Übrigens, Bewerber können in zwei Monaten in Wernigerode zum Heizer ausgebildet werden.

Das Unternehmen, bei dem 250 Mitarbeiter beschäftigt sind (hundert im Betriebsdienst als Lok-Führer, Heizer und Schaffner), fährt ein jährliches Defizit von 40 Prozent ein. Es geht zu Lasten der Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie der kommunalen Gesellschafter. Mit 27 Euro für die einfache Brocken-Fahrt ist die Preis-Skala schon ausgereizt. Für die 19 km
lange Strecke benötigt der Dampfzug eine gute Stunde.
Wer seine Kindheit in der Nähe des Harzquerbahnhofs – heute Nordhausen-Nord – verbrachte, erinnert sich noch an den Streit unter Jungen, wer die Nr. 21 sein durfte, damals die modernste Lok. Beim „Verkehr“ um den
Häuserblock mussten die anderen mit den Nummern Elf aufwärts herumrennen. Zwei oder drei Ziffern fehlten in der Aufzählung. Auf die Frage, weshalb es eine Lücke gebe, wurde damals in der Nazi-Zeit allen Ernstes erwidert: Die haben die Juden gestohlen.# Martin Roland
Autor: red

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Kommentare
Paulinchen
02.07.2017, 12:40 Uhr
Leider ist mein Gedanke zur Lösung...
...des Problems, die Umstellung auf den ach so schmutzigen Dieselantrieb. (hatten wir doch auch schon einmal) Warum soll nicht unser Quirl wieder mit Diesel fahren, wenn doch die Luxusliner auf unseren Weltmeeren um ein Vielfaches mehr die Luft verpesten. Leider haben diese Pötte ein besseres Image. Wenn unsere Stadt nach der Schweinemastanlage auf der Darre stinkt, dann fragt und prüft niemand, was in unserer Atemluft für Schadstoffe dieser Anlage enthalten sind. Oder ist es vielleicht besser, dass wir diesen Inhaltsstoffen gar nichts erst erfahren?
Sonntagsradler 2
02.07.2017, 13:25 Uhr
Wie soll es weitergehen?
Feuerbüchse aus „aus die Maus“ !
Andreas Dittmar
02.07.2017, 23:24 Uhr
Wäre schade drum.....
Ich vermute mal, das ein Großteil der Fahrgäste gerade wegen der historischen Züge und der Technik kommen. Es ist mit Sicherheit auch ein Erlebnis mit dem Dampfroß durch die schöne Harzlandschaft zu fahren, als im etwas langweiliegeren Bus zum Wandern oder zu den Sehenswürdigkeiten chauffiert zu werden, oder wird der Bustransfer wegen mangelnder Fahrgäste dann im nächsten Jahr auch aufgegeben. Ich bin mir sicher, das es nicht gerade billig ist, so eine Sehenswürdigkeit wie die HSB zu erhalten. Lohnkosten, Ausbildung, Wartung und Pflege der Technik, die Ersatzteile. Die Wendelsteinbahn (1,7 km ) nimmt für Hin- und Rückfahrt ca. 35 Euro, die Zugspitzbahn (19,5 km) über 50 Euro. Diese beiden Bahnen fahren mit Strom. Ich kann mir nicht vorstellen, das sich die HSB hinter den beiden Bahnen verstecken muß. Man muß es dem Kunden erstens gut verkaufen können und das geht nicht mit : "Wir haben doch kein Geld" und zweitens dafür sorgen, das in Streckennähe weitere touristische Anziehungspunkte entstehen. Das kann man auch über Rabatte und Kooperationen fördern. Auch bin ich überzeugt davon, das von den Abgasen der schwarzen Ladys der Harz nicht stirbt.
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