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Do, 16:11 Uhr
09.03.2017
NABU Thüringen: Die Arbeit zum Luchs zeigt Erfolge

Gräfenthaler Luchs stammt aus dem Harz

Die Nachweise für die Anwesenheit von Luchsen in Thüringen sind äußerst spärlich. Es sind häufig Zufallsbegegnungen oder indirekte Hinweise in Form von Rissfunden, Kot, typischen Luchsrufen oder Spuren im Schnee. Genetischen Untersuchungen haben jetzt ergeben, dass der 2015 bei Gräfenthal nachgewiesene Luchs aus dem Harz stammt, verkündet heute der NABU Thüringern in Jena...

Luchs bei Gräfenthal gesichtet (Foto: NABU/Forst) Luchs bei Gräfenthal gesichtet (Foto: NABU/Forst)

„Bereits im März 2015 konnten wir in Zusammenarbeit mit ThüringenForst einen Luchs bei Gräfenthal nachweisen. Die Bilder aus einer automatischen Wildtierkamerafalle waren eindeutig, ein Luchs streift durchs Revier“, erzählt Silvester Tamás der Sprecher der Landesarbeitsgruppe Luchs beim NABU Thüringen.

„Zudem konnten wir Spuren, Losung und Fellhaare sichern. Die Fellhaare wurden vom Naturkundemuseum Mauritianum Altenburg ans Senckenberg-Labor für Naturschutzgenetik in Gelnhausen geschickt und dort untersucht.“

Die Auswertung des genetischen Materials belegt nun, dass der Luchs bei Gräfenthal ursprünglich aus dem Harz stammt. „Das Tier muss also mehr als 150 Kilometer weit nach Südthüringen bis ins Grenzgebiet zu Bayern gewandert sein. Damit wird deutlich, dass die Abwanderung von Luchsen aus dem Harz auch über die Thüringer Mittelgebirgslagen zu den bayerisch-böhmischen Luchsvorkommen möglich ist“, sagt der Silvester Tamás.

Die Experten sind sich einig, diese Erkenntnis ist nicht ohne Bedeutung für Thüringen. Der Freistaat als Grünes Herz Deutschlands stellt ein zentrales Bindeglied für die isolierten Luchspopulationen in ganz Europa dar. Damit der überlebenswichtige Austausch von Luchsen zwischen den bislang noch isolierten europäischen Luchspopulationen insbesondere über Thüringen besser gelingt, macht sich der NABU Thüringen zukünftig stark für den Luchs und dessen Schutz sowie für die Vernetzung seiner potentiellen Lebensräume.

„Hauptsächlich die verdichtete Verkehrsinfrastruktur, aber auch die illegale Bejagung machen dem Luchs das Leben schwer und verhindern so, dass er sich erfolgreich über die Grenzen seiner bisher bekannten Vorkommensgebiete, dem Harz und den bayerisch-böhmischen Waldgebieten, ausbreiten kann. Die seltenen Pinselohren werden immer wieder überfahren oder auf hinterhältige Weise mittels Gift und durch Abschuss getötet.

„Die Gesellschaft hat heute die Verantwortung es dem einstmals durch den Menschen ausgerotteten Luchs wieder zu ermöglichen, sich gefahrlos in unseren Wäldern und über unsere Straßen bewegen zu können“, fordert der Experte des NABU. Aus Sicht der Naturschützer dürfen auch potentielle Rückzugsräume für den Luchs nicht durch Großbauprojekte gefährdet werden. „Pauschale Behauptungen, wie der Luchs störe sich aufgrund seiner großen Lebensräume nicht am Bau von Pumpspeicherwerken und Windenergieanlagen in den waldreichen Mittelgebirgslagen, verkennen unsere Verantwortlichkeit für diese streng geschützte Art“, so Tamás.

Wie empfindlich Luchse auf menschliche Verkehrs- und Siedlungsstrukturen reagieren, belegt eine aktuelle norwegische Studie, veröffentlicht im Journal of Zoology 297, 87-98, 2015. Demnach wählen Luchsweibchen ihren Wurfbau für die Jungenaufzucht gezielt so, dass menschliche Siedlungen und öffentliche Straße möglichst weit entfernt liegen. Dafür nehmen sie sogar ein deutlich geringeres Nahrungsangebot in Kauf.

Bislang ist noch zu wenig über den Luchs in Thüringen bekannt. Ebenso bestehen noch zahlreiche Wissenslücken, Vorurteile und Sorgen. Eine erfolgreiche Rückkehr des Luchses nach Thüringen wird sich deshalb zuerst in den Köpfen der Menschen entscheiden. Darum braucht es Aufklärung und Akzeptanz in Bezug auf die majestätische Katze und ihre Lebensweise. Der Luchs lebt als scheuer Jäger und erbeutet überwiegend Rehe, Hasen und Rotwild, selten auch mal ein Lamm. Amtlich bestätigte Schäden durch den Luchs an Weidetieren werden im Freistaat bereits durch kulante Regelungen entschädigt.

Der NABU Thüringen ist seit 2010 mit einem eigenen Aktionsplan zum Luchs aktiv und wird die Informationsarbeit zum Luchs in Thüringen zukünftig deutlich voranbringen. Der Aufbau eines Netzwerkes an Luchsfreunden soll dazu beitragen die Erkenntnisse zu Vorkommen und zur Lebensweise des Luchses im Freistaat erheblich zu verbessern. Der NABU Thüringen, der Landesjagdverband Thüringen und die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie arbeiten bereits seit Beginn dieses Jahres in einem durch das Thüringer Umweltministerium koordinierten Monitoringprojekt zusammen.
Autor: red

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
10.03.2017, 12:09 Uhr
Luchsschutz überdimensioniert
Der Luchs steht am Ende der Nahrungskette. Er aber auch Wildkatze und Wolf sind schon rein bildlich hervorragende Werbeträger für Nabu und Co, Spenden einzusammeln. Der Schutz ist ohne Zweifel wichtig und muss auch unterstützt werden. Allerdings bleibt durch das Überstrahlen vieler anderer Naturschutzbereiche vieles auf der Strecke, z.B. die Landschaftspflege und der Einsatz gegen intensive Landwirtschaft, die Verantwortung für den Verlust oder die Bedrohung hunderter, allerdings meist weniger beworbener Arten trägt. Ein solcher einseitiger, auf wenige Schauarten ausgerichteter Naturschutz ist uneffektiv, ja teils schädlich.
Herr Taft
10.03.2017, 13:55 Uhr
Nicht ganz ernst gemeint:
Das Wichtigste bei der Arterhaltung ist doch der Nachwuchs. Das gilt bei Kuchen, Wölfen und bei Blümchen.... aber auch beim Menschen. Haben Sie Kinder Herr Schwarzberg ? Wegen der Arterhaltung ?
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