Im Streit um den Gipsabbau im Südharz hat das Thüringer Oberverwaltungsgericht in Weimar die bestehende Naturpark-Verordnung bestätigt. Die weiteren Einzelheiten gibt es hier...Update, 17 Uhr: Statement der IHK Erfurt
Der Kohnstein bei Niedersachswerfen ist einer der größten oberirdischen Gipstagebaue in der Region. Er wird nicht von Casea sondern der Kohnstein Bergwerks GmbH betrieben. Der Kohnstein gilt als ein Negativbeispiel, wie der oberirdische Abbau des Rohstoffes die Natur verändert. (Foto: ssc)Das Unternehmen Casea aus Ellrich, das Gips und Anhydrit abbaut und verarbeitet, scheiterte mit dem Versuch, die Regelungen für den Naturpark Südharz für unwirksam erklären zu lassen. Das teilt das Gericht heute mit.
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Mit Urteil vom 20. Mai wies das Oberverwaltungsgericht den entsprechenden Normenkontrollantrag zurück. Die Naturpark-Verordnung bleibt damit weiterhin in Kraft. Die Verordnung vom 1. Dezember 2010 untersagt unter anderem den oberirdischen Abbau von Bodenschätzen im Naturparkgebiet. Das Gipsunternehmen sah sich durch diese Schutzbestimmungen in seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten eingeschränkt und ließ die Verordnung auf ihre Rechtmäßigkeit überprüfen und scheiterte nun damit.
Die schriftliche Begründung des Urteils liegt allerdings noch nicht vor. Erst daraus wird hervorgehen, aus welchen rechtlichen Gründen das Gericht die Argumentation des Unternehmens zurückgewiesen hat.
Eine weitere gerichtliche Prüfung ist dennoch nicht ausgeschlossen. Zwar ließ das Oberverwaltungsgericht die Revision nicht zu. Das unterlegene Unternehmen kann jedoch Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision beim Bundesverwaltungsgericht einlegen. Das Unternehmen teilte mittlerweile mit, dass man erst die Urteilsbegründung abwarten wolle. Dann wolle man entscheiden, wie man weiter verfahre, sagte Geschäftsführer Andreas Hübner nnz-online.
Der Konflikt um den Gipsabbau im Südharz schwelt seit vielen Jahren. Umweltverbände warnen vor nicht umkehrbaren Schäden der Natur und weisen auf mittlerweile alternativ vorhandenen Baustoffe und Gipsrecycling hin. Die Industrie argumentiert, dass der Baustoff weiterhin benötigt wird und der Abbau Arbeitsplätze in der Region sichert. Der Kohleausstieg in Deutschland hat die Situation noch einmal verändert: Spätestens bis 2038 sollen bundesweit alle Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Damit fällt zunehmend sogenannter REA-Gips weg, der bislang als Nebenprodukt der Rauchgasentschwefelung in großen Mengen für die Baustoffindustrie genutzt wurde. Branchenvertreter gehen deshalb davon aus, dass Naturgips künftig deutlich stärker an Bedeutung gewinnt. Update, 17 Uhr: Statement der IHK Erfurt
Statement der Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt, Dr. Cornelia Haase-Lerch, zur heutigen Entscheidung des OVG Thüringen zum Gipsabbau im Südharz: Die Entscheidung trifft die heimische Rohstoffwirtschaft und die regionale Wertschöpfung in Nordthüringen spürbar. Der Fall Casea zeigt, wie dringend Thüringen eine Rohstoffpolitik braucht, die Unternehmen Planungssicherheit gibt und Naturschutz mit wirtschaftlicher Versorgungssicherheit zusammenführt.
Gips und Anhydrit sind keine Randthemen, sondern wichtige Grund- und Massenrohstoffe für Bauwirtschaft, Industrie und regionale Wertschöpfung. Das Urteil ist selbstverständlich zu respektieren. Politisch muss daraus aber die Konsequenz folgen, Rohstoffsicherung in der Landes- und Regionalplanung frühzeitig und als gleichrangiges öffentliches Interesse zu berücksichtigen.
Die seitens der Landesregierung in Arbeit befindliche Thüringer Rohstoffstrategie muss heimische Potenziale sichern, Recycling stärken, Verfahren beschleunigen und regionale Wertschöpfungsketten erhalten. Wer regionale Rohstoffgewinnung pauschal ausschließt, muss beantworten, woher diese Rohstoffe künftig kommen sollen. Susanne Schedwill
Für Gips gibt es keinen Ersatz, er ist immer noch unumgänglich in der Bauindustrie.
Und kommt jetzt nicht mit Lehm und Stroh, das eine müsste auch teuer abgebaut werden, das andere ist leider in dem einen oder anderen Kopf schon verbaut.
Die abbauenden Firmen haben strenge Auflagen zur Renaturierung, die müssen eben eingehalten werden.
Den REA - Gips habt ihr ja mit dem Kohleausstieg schon mal schon verhindert, und wer befreit seine Abrissgipskartonplatten von Nägeln und Schrauben und führt sie dem Wertstoffhof (geht das überhaupt schon) zu?
Und was kostet das?
Aber, ihr lieben doppelzügigen Grünen vom BUND, für den Bau von 18 Windrädern, 260m hoch, in ein Landschaftsschutzgebiet habt ihr euch voll reingehängt.
Deshalb seid ihr im Kreistag und Stadtrat Nordhausen auch nur mit zwwei Mandatsträgern dabei, Tendenz fallend, siehe Landtag.
Auf geht's, ihr schafft das schon!
...ich lese hier immer wieder, Windräder würden Wälder zuspargeln und Vögel schreddern. Das ist ein sehr einseitiger Blick.
Wenn man aber ganze Landstriche für Kohle und Gips umgräbt, riesige Flächen abträgt und am Ende sogar noch REA‑Gips aus Kohlekraftwerken braucht – dann ist das plötzlich kein Problem? Das passt irgendwie nicht zusammen.
Natürlich brauchen wir Gips. Der muss auch abgebaut werden. Aber eben nicht überall und nicht ohne Rücksicht auf Natur und Landschaft. Genau deshalb ist die Bestätigung der Naturpark‑Verordnung sinnvoll.
Man sollte schon mit dem gleichen Maßstab messen – egal ob es um Windräder oder Gipsabbau geht.
Doppelte (Gegen Alles, was von den Anderen kommt - ideologiegetriebene) Standards bringen uns nicht weiter. Die Argumentation des Vorkommentators ist wie so oft destruktiv und bringt keine Erkenntnisse.
Und in der Bert Brecht, Schule Richtung Westen aus dem Fenster guckte, sah man vom kohnstein ein zu sieben Zehntel bewaldeten Hügel, mit einem kleinen weißen Zahn (Gipsabbau). Heute ist dieser Hügel fast weg und geblieben ist eine Mondlandschaft, die man natürlich reparieren kann. Aber es wird eben kein Kohnstein mehr, genauso wie aus dem alten Stolberg zwar ein neuer Stolberg wird, aber er sieht nicht mehr aus wie das geschlossene Waldgebiet was es früher war. Und so gibt es viele Beispiele in unserer wunderschönen Gegend. Es ist ein wirklicher Spagat zwischen wirtschaftlichen Interessen und Umweltschutz. und ja, es gibt für den Baustoff Gips Tausende Verwendungsmöglichkeiten und deshalb ist er so wertvoll und es ist das große, grüne Dilemma, dass das abschalten der Braunkohlekraftwerke mit effektiven filtern nun dazu führt, dass die Umwelt mangels Alternativen weiter zerstört werden muss. aber meine persönliche Meinung ist, dass für mich die Natur an erster Stelle steht ,beziehungsweise die Erhaltung unserer einzigartigen karstlandschaft, zu mindestens dessen, was davon noch übrig ist! Ich sehe aber auch den Bedarf, den es an den Bodenschätzen gibt, also ein echtes Dilemma. Auf, das ich keine Antwort habe. Tatsächlich fällt mir Lehm und natürlich auch Stroh genauso wie schafwolle, Holzfaser, und so weiter als Gipsersatz ein, wo es möglich ist. Und dies ist momentan noch sehr teuer. In Gänze ist es in überschaubarer Zeit sicherlich nicht möglich, Gips zu ersetzen. Vielleicht künftig ein gutes Recycling von Gipsbaustoffen.?
Im Tagebau Kohnstein wird als erstes kein Gips abgebaut, sondern Anhydrit. Zweitens ist dieser Tagebau über 100 Jahre alt. Die Renaturierung gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht und ist ein Teilpunkt des heutigen Zustandes. Weiterhin kann nicht jeder Gips für alles verwendet werden. Oder möchte jemand REA Gips in der Lebensmittelverarbeitung einsetzen?
Das ganze Thema ist so komplex, da sollte man sich schon genauer informieren bevor man hier seinen geistigen Leerlauf präsentiert.
@Burkhardt?
"Wälder zuspargeln" und "Vögel schreddern"?
Gegen kognitive Wahrnehmungsstörungen gibt es Hilfe.
Es ist natürlich möglich, dass sie übernatürliche Fähigkeiten haben und etwas lesen können, was nicht geschrieben wurde.
Tolle Sache, das würde ich auch gern können.
Jahrzehntelang hat diese ganze Gegend sehr gut vom Gips gelebt und jetzt, danke der Umweltpolitik, wird versucht nach und nach auch dieses Gewerk kaputt zu machen, wie in vielen Bereichen bremst auch hier der Umweltwanhn die Wirtschaft aus.