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Mi, 23:16 Uhr
15.06.2016
Einzigartige Anagama-Kunst

Frisch Gebranntes in der Obermühle

Ein faszinierender Blick nach draußen: Keramikwerkstatt des Ehepaares Carola und Reimar Krüger. (Foto: Jochen Miche) Ein faszinierender Blick nach draußen: Keramikwerkstatt des Ehepaares Carola und Reimar Krüger. (Foto: Jochen Miche)
Hingucker im überdachten Freibereich: Tonware und Blumen. (Foto: Jochen Miche) Hingucker im überdachten Freibereich: Tonware und Blumen. (Foto: Jochen Miche)
Geschmolzene Asche und Muscheln hinterlassen einzigartige Farben und Formen auf dem Gefäß. (Foto: Jochen Miche) Geschmolzene Asche und Muscheln hinterlassen einzigartige Farben und Formen auf dem Gefäß. (Foto: Jochen Miche)
Reimar Krüger an dem Ofen, in dem sensationell schöne Keramiken in einem einwöchigen Brand entstehen. (Foto: Jochen Miche) Reimar Krüger an dem Ofen, in dem sensationell schöne Keramiken in einem einwöchigen Brand entstehen. (Foto: Jochen Miche)
Produkte von absoluter Einzigartigkeit, die allein und in der Gruppe wirken: Keramik aus der Obermühle. (Foto: Jochen Miche) Produkte von absoluter Einzigartigkeit, die allein und in der Gruppe wirken: Keramik aus der Obermühle. (Foto: Jochen Miche)
Das letzte Juniwochenende gehört dem Gebrannten. Obstler? Ja und nein zugleich. Ja, weil jeder, der darauf Appetit (und bereits das richtige Alter) hat, ihn sich in der gemütlichen Gaststätte der Obermühle zwischen Blankenheim und Emseloh schmecken lassen kann. Nein, weil hier in diesem Text mit frisch Gebranntem etwas anderes gemeint ist, und zwar das, was Carola und Reimar Krüger in der Hitze des Anagama gebrannt haben: Keramik.

Von Freitag, dem 24. Juni, bis Sonntag, dem 26. Juni 2016, wird jeweils ab 10 Uhr in einer Verkaufsausstellung das angeboten, was beim diesjährigen Brand im Keramikofen entstanden ist. Tatsächlich wird nur einmal im Jahr in dem sieben Meter langen, vier Kubikmeter großen Anagama – einem im Freien stehenden Höhlenofen – gebrannt. Der Aufwand für einen zweiten Brand wäre einfach zu groß, sagt Reimar Krüger.

Der Töpfermeister erklärt das Besondere am Anagama: „Es handelt sich um einen japanischen Keramikbrennofen, der ausschließlich mit Holz beheizt wird. Allein das Befüllen des Ofens mit Tonware dauert vier Wochen. Der Brand selbst dann sieben Tage. In dieser Zeit wird Tag und Nacht in kurzen Abständen Holz aufgelegt. Dabei wird eine Brenntemperatur von 1350 Grad Celsius erreicht und diese vier Tage lang gehalten.“

Diese extreme Hitze ist beim Brennen von Keramik ungewöhnlich. Aber genau das macht diese Technik auch so besonders. Denn bei 1350 Grad entsteht eine Weißglut, in der die Flugasche auf den Gefäßen ausschmilzt und zusammen mit den heißen Feuergasen keramische Oberflächen von natürlicher Schönheit bildet. Die Glasur erinnert zum Teil an Moos, Flechten und Gestein, erfahren Interessierte von den Keramikkünstlern oder auch aus einem Informationsblatt, das jeder mitnehmen kann.

Überhaupt: die Keramiker. Kennengelernt haben sich Carola und Reimar Krüger Ende der siebziger Jahre während ihrer Töpferlehre. Während die Töpferin nach ihrer Ausbildung in Bürgel ein fünfjähriges Keramikstudium an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle/Saale absolvierte, das sie schließlich mit dem Diplom abschloss, machte Reimar eine Meisterausbildung, die er 1981 erfolgreich beendete. Beide führten ab 1983 eine gemeinsame Werkstatt. Seit Öffnung der Grenzen zog es sie mehrfach nach Japan. In Arbeitsaufenthalten und Studienreisen befassten sie sich intensiv mit dem Anagama, jener besonders aufwändigen und anspruchsvollen Brennform, welche aber auch Ergebnisse von atemberaubender Schönheit zeitig.

Im Jahr 2003 war es dann so weit: In fast einjähriger Arbeit wurde der Anagama im Garten der Obermühle errichtet. Seitdem wird er einmal jährlich genutzt und verschwinden innerhalb von einer Woche 20 Raummeter Brennholz in ihm. Reimar Krüger schwört auf diesen Brennstoff. Er erklärt: „Holz ist klimaneutral und ökologisch unbedenklich.“

Erzeugnisse, die den Anagama verlassen, genießen in Japan eine geradezu kultische Verehrung. Das hat mit dem aufwändigen Brennen, der relativen Seltenheit der Produkte (es gibt schließlich auch immer wieder Keramik, die den Brennprozess nicht heil übersteht) und vor allem mit der immer wieder absolut einzigartigen Oberflächenstruktur der gebrannten Gefäße zu tun. Sie verleiht den Arbeiten einen wertvollen und dennoch zurückhaltenden Charakter. Dies sichert dem Ehepaar Krüger Liebhaber ihrer Kunst in ganz Deutschland. Und dem Landkreis Mansfeld-Südharz die Exklusivität einer absolut seltenen Töpferkunst.

Die Töpferei der Obermühle hat das ganze Jahr über geöffnet; die Gaststätte allerdings dienstags und mittwochs geschlossen. Manche Besucher kommen von weither und freuen sich auf frisch Gebranntes. Was von beidem – das im Café Ausgeschenkte oder in der Keramikausstellung Angebotene – die Herzen höher schlagen lässt, kann jeder am letzten Juniwochenende in der Obermühle selbst erkunden.

Jochen Miche

Weitergehende Informationen:
Carola und Reimar Krüger
Obermühle
06528 Blankenheim
Telefon: 034659/60020
E-Mail: toepfereikrueger@web.de
http:/www.anagamakrueger.com
Autor: jm

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