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Do, 01:05 Uhr
02.06.2016
Villa Kunterbunt und freie Grundschule Riestedt kooperieren

Der Himmel gießt den Kräutergarten

In der Schule telefonieren? Was anderswo verpönt ist, gehört an der Freien Grundschule Riestedt gewissermaßen zum guten Ton. Nein, nicht gewissermaßen, sondern definitiv. Aber: Natürlich nur als Teil der Unterrichtsprogramms, wie der Schüler Jakob Gabriel erzählte. Das Lernen richtigen Telefonierens war Teil eines Projektes, dessen vorläufigen Abschluss heute die feierliche Übergabe einer so genannten Kräuterschnecke auf dem Gelände der Obersdorfer Villa Kunterbunt bildete.

Doch der Reihe nach. Vor geraumer Zeit hatte sich die „Freudenberg-Stiftung“ an die Freie Grundschule Riestedt mit dem Angebot gewandt, sie bei der Realisierung von Projekten unterstützen zu wollen. Bedingung war, dass diese Projekte geeignet sein müssen, die soziale Kompetenz der Schüler zu fördern. Anja Böttger, Klassenlehrerin einer dritten Klasse (genau genommen der „Fuchsklasse) fand in der Villa Kunterbunt im Nachbarort Obersdorf den richtigen Partner für ein Projekt, auf das sie eine gute Bekannte, die Villa-Küchenchefin Stefanie Hornickel, gebracht hatte. Da in der Villa Kunterbunt jeden Tag frisch gekocht wird, werden auch ständig Kräuter gebraucht. Warum da keinen Kräutergarten mit Hilfe von Mädchen und Jungen anlegen, die in die Freie Grundschule Riestedt gehen, fragten sich Köchin und Lehrerin und begannen das Projekt zu planen.

Die am Projekt "Kräuterschnecke" Beteiligten stellten sich neben dem Beet für ein Erinnerungsfoto auf. Die Arbeit war und ist ein Gemeinschaftsprojekt der Freien Grundschule Riestedt und der Obersdorfer Einrichtung Villa Kunterbunt. (Foto: Jochen Miche) Die am Projekt "Kräuterschnecke" Beteiligten stellten sich neben dem Beet für ein Erinnerungsfoto auf. Die Arbeit war und ist ein Gemeinschaftsprojekt der Freien Grundschule Riestedt und der Obersdorfer Einrichtung Villa Kunterbunt. (Foto: Jochen Miche)


Alles, was in der Vorbereitungs- und Durchführungsphase passierte, war zugleich als Lernteil für die Schüler der Fuchsklasse gedacht. Für die Klassenlehrerin, die die Fächer Mathematik, Deutsch, Sachunterricht und Gestalten (hier hinein gehören Zeichnen und Werken) unterrichtet, boten sich ausgezeichnete Möglichkeiten, die Kinder quasi auch „für‘s Leben“ lernen zu lassen. Und sie fand schnell Verbündete, als es um das Besorgen von Pflanzen für die Kräuterschnecke ging. Robin Herbst erzählte: „Einer aus unserer Klasse, Tim Reger, fragte beim OBI-Baumarkt in Sangerhausen, ob die uns für unser Projekt kostenlos Pflanzen geben würden. Haben die gemacht.“ Beeindruckend nicht nur für Robin war die Hilfsbereitschaft auch des Hagebaumarktes in Artern: „Dort fragte Jakob aus unserer Klasse nach. Auch die spendeten uns eine Menge Pflanzen.“ Darunter das, was in Obersdorf in die Erde kam: Schnittlauch, Majoran, Basilikum, Salbei, Lavendel, Liebstöckel und Petersilie.

Befragt, was ihn an dem Projekt so fasziniere, antwortete Jakob Gabriel: „Alles, was wir hier gelernt haben, können wir auch sonst gebrauchen. Damit die in Obersdorf erst mal erfahren, was wir vorhaben, haben wir in der Klasse einen Brief an Frau Singer geschrieben. Das ist die Chefin da.“ Später kam das richtige Telefonieren hinzu. Die Kinder erfuhren, dass „Ey, du“ kein guter Gesprächsbeginn ist und man auf diese Weise nicht sehr weit kommt, wenn man beispielsweise mit jemandem zusammenarbeiten will. Also lernten die „Füchse“, ein Telefongespräch mit einem ordentlichen Gruß („Guten Tag“) und einer kleinen Vorstellung, wer denn überhaupt anruft (Mein Name ist …“) zu beginnen.

Die Gärtnerin der Villa Kunterbunt, Madlén Riemann (Mitte hinten), verlor trotz des Regens nie ihre gute Laune. Sie strahlte die Überzeugung aus: Regen ist etwas Gutes. Zum Beispiel hilft es jungen Pflanzen, besser zu wachsen. Und es spart das Gießen. (Foto: Jochen Miche) Die Gärtnerin der Villa Kunterbunt, Madlén Riemann (Mitte hinten), verlor trotz des Regens nie ihre gute Laune. Sie strahlte die Überzeugung aus: Regen ist etwas Gutes. Zum Beispiel hilft es jungen Pflanzen, besser zu wachsen. Und es spart das Gießen. (Foto: Jochen Miche)


Zu diesem Zweck, so Klassenlehrerin Anja Böttger, wurde das Telefon laut gestellt (natürlich nicht, ohne es der Leiterin der Villa Kunterbunt, Frau Singer, die am anderen Ende der Leitung war, mitzuteilen). So konnte jedes der zwölf Kinder dieser dritten Klasse (es gibt noch eine weitere dritte Klasse) mithören und auf den Lippen selbst formulieren, was es fragen und antworten würde. Im Sachunterricht schließlich lernten die Kinder, welche Kräuter es gibt. Diese Frage war insofern interessant, als die Grundschule Riestedt seit einem Jahr eine eigene Küche hat. Seitdem schmeckt das Essen, das laut Auskunft der Kinder zuvor in einer Großküche zusammengerührt und herangeschafft worden, vor allem aber eine Zumutung für die Essensteilnehmer gewesen sei, wieder hervorragend. Vermutlich auch, weil die eigene Schulküche überwiegend frische Zutaten – darunter viele Gartenkräuter – verwendet. Plötzlich bekam für viele Schüler Majoran oder Petersilie eine ganz andere Bedeutung, wenn sie es schon einmal im Unterricht behandelt hatten.

Jedenfalls wurden alle Elemente des Projektes gründlich vorbereitet. Wobei: Manche Fragen, zum Beispiel die Zahl der benötigten Schaufeln, ob ein Minibagger notwendig sei oder wie die großen Steine transportiert werden müssten, konnten erst beim Arbeitseinsatz vor Ort abschließend beantwortet werden. Diese Einsätze fanden mit je der Hälfte der Schülerinnen und Schüler am vorigen Mittwoch und diesen Montag statt. Dabei zeigte sich nicht nur, wer für die Aufgabe zu begeistern war, sondern ergaben sich auch viele schöne Begegnungen zwischen den Bewohnern der Einrichtung und Grundschülern. Manch eine Freundschaft entstand.

Es ist vollbracht: Der Kräutergarten ist seiner Bestimmung übergeben. Assistiert von zwei Schülerinnen der Riestedter Freien Grundschule durchschnitt Heimbeiratsvorsitzende Christel Fabian, die in der Einrichtung "Bürgermeisterin" genannt wird, das Eröffnungsband. (Foto: Jochen Miche) Es ist vollbracht: Der Kräutergarten ist seiner Bestimmung übergeben. Assistiert von zwei Schülerinnen der Riestedter Freien Grundschule durchschnitt Heimbeiratsvorsitzende Christel Fabian, die in der Einrichtung "Bürgermeisterin" genannt wird, das Eröffnungsband. (Foto: Jochen Miche)


Bei der Schaffung des Kräutergartens halfen Heimbewohner, aber auch der Hausmeister, der unter anderem die Feldsteine heranschaffte, und vor allem die Gärtnerin, Madlén Riemann. Sie ist die Fachfrau, die den Überblick behält und mit ihrer Gruppe ambitionierter Gartenfreunde aus der Bewohnerschaft alles Gärtnerische im weitläufigen Gelände der Einrichtung betreut.

Heute nun konnte die Kräuterspirale übergeben werden. Aufgrund des Nieselregens hatte aber kaum jemand große Lust, sich draußen lange aufzuhalten. Anders Madlén Riemann. Sie verlor keinen Augenblick ihre gute Laune und erklärte den Kindern: „Ohne Regen wachsen die Pflanzen nicht.“ Auch dies eine Art Unterrichtsstunde: Die Schüler hatten bereits gelernt, dass eine gute Vorbereitung und Durchführung wichtig ist, damit ein Werk gelingt. Nun erfuhren sie, dass die Arbeit damit aber noch lange nicht zu Ende ist. Im Grunde, machte ihnen die Gärtnerin klar, hätten sie allen Grund zur Freude, denn sie hatten Glück, dass ihnen der Himmel das Gießen, und damit ein weiteres Stück Arbeit, abnahm.

Jochen Miche
Autor: jm

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