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Do, 23:11 Uhr
21.04.2016
Bike Schmiede Biesenrode montiert im Kinder- und Jugendheim Sandersleben

Intakte Räder zum Saisonauftakt

Im Bild von links: Praktikant Marcel Hedermann, Florian Franke und Tobias Klingohr. (Foto: Kurt Quiel) Im Bild von links: Praktikant Marcel Hedermann, Florian Franke und Tobias Klingohr. (Foto: Kurt Quiel) Nach wie vor unverzichtbar bei der Reparatur eines Fahrrades: der Schraubenschlüssel. (Foto: Kurt Quiel) Nach wie vor unverzichtbar bei der Reparatur eines Fahrrades: der Schraubenschlüssel. (Foto: Kurt Quiel) Wenn der Berg (das Kinderheim Sandersleben) nicht zum Propheten (Bike Schmiede Biesenrode) kommt, muss der Prophet eben zum Berg kommen. Das Sprichwort klingt nett, fragt aber nicht nach den Gründen. Warum also kommt das Kinderheim mit seinen ganzen kaputten Fahrrädern nicht zur Fahrradwerkstatt, sondern reist die Fahrradwerkstatt inklusive Monteuren zu den Kindern? Die Antwort: im Heim gibt es mehr Platz für die vielen defekten Räder. Die Geschichte könnte hier schon zu Ende sein. Doch dann wäre die wichtigste Frage, die nach dem „Warum“, nicht gestellt.

Einmal im Jahr, gewissermaßen zu Saisonbeginn, kommen die Inhaber der Bike Schmiede Biesenrode GbR, Florian Franke (22) und Tobias Klingohr (23), in das Caritas Kinder- und Jugendheim Sandersleben. Ein solcher Tag war heute. Dort bauten sie einen Pavillon auf, luden kistenweise Werkzeug und Ersatzteile aus ihrem Monteursfahrzeug und besahen sich Dutzende Fahrräder. Teils beklagenswerte Vehikel. Keineswegs alt, aber oft im sprichwörtlichen Sinne heruntergeritten. Kinderheimbewohner gehen mit manchen Dingen, die ihnen zugesprochen sind, anders um als Kinder, die in Familien aufwachsen. Das merken Spielsachen zuweilen ebenso wie Fahrräder. Deshalb lieben die Heimbewohner ihre Puppen, Autos oder eben Fahrräder keinen Deut weniger als ihre in anderen sozialen Gefügen aufwachsenden Altersgenossen – aber: Es wird manches intensiver genutzt.

Das sieht man auch manchem Fahrrad an, wie vor einigen Jahren die Biesenröder Jungunternehmer Franke und Klingohr bemerkten. Und weil ihnen zwei Dinge heilig sind, wie Florian Franke andeutet: intakte Fahrräder und fröhliche Menschen, die die Räder nutzen, hatten sie sich entschieden, dem Kinderheim Sandersleben mit ihren Mechanikerdiensten und sogar mit dem benötigten Material kostenlos zu helfen. Welch großartige Geste dies ist, kann nur ermessen, wer schon einmal selbständig war und täglich zwölf und mehr Stunden für das Durchkommen, für den Erfolg gekämpft hat. Da zählt jeder Tag.

Franke und Klingohr kamen also auch dieses Mal und begannen zu arbeiten. Tobias Franke: „Schläuche flicken oder neue einziehen, war noch das Harmloseste. Bremsen nach- und Schaltungen einstellen auch. Was kam da noch? Viele Handgriffe jedenfalls. Zum Beispiel bei Ausbau, Kontrolle und Einbau der Laufräder. Am Ende geht es aber nur um eins: die Verkehrssicherheit der Fahrräder. Dazu haben wir heute einen kleinen Beitrag geleistet.“

Die Frage, weshalb sie gerade einem Kinderheim solch große Aufmerksamkeit schenken, ist für die beiden Monteure kein Thema. Allerdings wissen auch sie: Fahrräder und ihre Reparatur sind nicht zum Nulltarif zu haben, und ein Heim, so gut es ausgestattet sein mag, hat keine Riesenreserven – aber Schutzbefohlene, die zuweilen Riesenwünsche nach einem normalen Leben haben, und da gehört ein Fahrrad einfach mal dazu.

Im vorigen Jahr leisteten die Biesenröder auch im Kinderheim Wernigerode kostenlose Reparaturdienste. In Sandersleben sind sie bereits zum zweiten Mal, im Jahr davor waren die Sanderslebener mit einer Ladung defekter Räder nach Biesenrode gekommen. Doch das hatte, wie bereits erwähnt, ein wenig die Platzkapazitäten der Bike Schmiede überfordert. Also kommen die Monteure inklusive Material seit 2015 zum kostenlosen Arbeiten ins Heim, wo Interessierte auch zuschauen, sich Tricks abgucken und diese später selbst ausprobieren können – und zwar in der heimeigenen Fahrradwerkstatt. Diese ist Teil der dortigen „Freizeitstrecke“. Was diese Freizeitstrecke ist, erklärt Erzieher Kurt Quiel: „Dazu zählt ein Sportbereich unter anderem mit einem Kraftraum, Tischtennisplatten, Kicker, Ringermatte und anderem. Zur Freizeitstrecke gehört aber auch ein Handwerksbereich mit einer Holz- und einer Fahrradwerkstatt. Das Motto passt schon: Bewegung aktiviert Entwicklungsprozesse.“
Werkstatt unterm Pavillon. Die Bike Schmiede Biesenrode reparierte heute im Kinder- und Jugendheim Sandersleben kostenlos defekte Fahrräder. (Foto: Kurt Quiel) Werkstatt unterm Pavillon. Die Bike Schmiede Biesenrode reparierte heute im Kinder- und Jugendheim Sandersleben kostenlos defekte Fahrräder. (Foto: Kurt Quiel)
Auf unsere Frage, wer das alles bezahlt habe, erklärt der Hettstedter: „Das war eine ganz großartige Aktion: die Kunden der Hettstedter Löwenapotheke. Dort wird jedes Jahr ein Spendenzweck festgelegt, und wenn das Jahr rum oder die Spendendose voll ist, wird jemand damit bedacht. Vor zwei Jahren war es das Kinder- und Jugendheim Sandersleben. Mit dem Geld konnten wir eine richtige Fahrradwerkstatt einrichten.“

Doch aus Hettstedt kommt noch mehr Gutes. Zum Beispiel aus der Bäckerei und Konditorei Reinhard Schulz. Ohne irgendein Aufhebens davon zu machen, spendiert die Hettstedter Bäckerei seit Jahren jeden Mittwoch ein Blech voll frischen Kuchens den bis zu 57 Mädchen und Jungen, die – zeitweise oder für immer – in Sandersleben ohne Eltern aufwachsen.

Die Beteiligten an diesen ganzen Aktionen, Florian Franke und Tobias Klingohr, Erzieher Kurt Quiel und selbst das Hettstedter Familienunternehmen Schulz wollen auch in Zukunft den Kindern und Jugendlichen in der Sanderslebener Caritas-Einrichtung zeigen: Ihr seid uns wichtig. Womit die eingangs gestellte Frage „Warum tun sie das?“ beantwortet wäre.

Jochen Miche

Info: Die Bike Schmiede Biesenrode mit Ladengeschäft und Reparaturwerkstatt hat überdies einen Online-Shop. Mehr unter: www.bs-biesenrode.de
Autor: jm

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