So, 20:34 Uhr
03.04.2016
Festlicher Gottesdienst in Allstedt
Pfarrer Weber in Amt eingeführt
Nahezu voll besetzt war die Allstedter Stadtkirche St. Johannis Baptist anlässlich der Einführung von Pfarrer Martin Weber in seinen Dienst. (Foto: Jochen Miche)
In einem festlichen Gottesdienst in der Allstedter Stadtkirche St. Johannis Baptist wurde heute Nachmittag Martin Weber als Pfarrer des Pfarrbereichs Allstedt/Wolferstedt in sein Amt eingeführt. Für ihn begann damit eine dreijährige Entsendungszeit, die im Jahr 2019 mit der Trennung von seiner Gemeinde oder der zeitlich unbegrenzten Übertragung der Pfarrstelle an ihn endet.Es wurde als gutes Zeichen verstanden, dass dieser Gottesdienst am Sonntag Quasimodogeniti stattfand – zu deutsch: wie eben erst Geborene. Auch Pfarrer Webers Dienstantritt wird in der Gemeinde als eine Art Neuanfang verstanden. Tatsächlich ist auch alles ganz neu. Das neueste Dokument verlas Prädikant Erik Kahnt: die von Landesbischöfin Ilse Junkermann unterschriebene Urkunde, in der sie Weber mit Wirkung vom 1. April 2016 zum Pfarrer beruft.
Martin Weber (29, verheiratet, zwei Kinder) hat im Dezember 2015 sein 2. Theologisches Examen bestanden und arbeitete bisher als Vikar in Jena Ost/Gembdental. Am 17. April wird er im Dom zu Magdeburg im Beisein des Superintendenten Kristóf Bálint ordiniert. Weber konnte sich in der jüngsten Zeit schon mal umsehen an seiner künftigen Wirkungsstätte. Hier erwartet ihn viel Arbeit. Die immer mehr wachsenden Pfarrbereiche seien, so Superintendent Bálint, eine große Herausforderung. Er, Bálint, begleite die Arbeit des Pfarrers alljährlich mit einem Bericht, der dessen Entwicklung widerspiegele. Und schließlich sei das Miteinander mit der Gemeinde wesentlich: In diesen drei Jahren müsse sich herausstellen, ob Pfarrer und Gemeinde zusammenpassen. Die Basis all dieser Herausforderungen, das Lebens- und Dienstfundament, sei der Glaube an Gott.
Bálint gab zu bedenken, dass der Pfarrberuf einen Menschen über Gebühr vereinnahmen könne; dies könnte dann zur Gefahr für familiäre Beziehungen werden. An die Gemeinde gerichtet, mahnte er daher: Überfordert einander nicht. Sucht das geschwisterliche Gespräch. Redet miteinander und nicht übereinander.
Der Superintendent kündigte an, dass Pfarrer Weber in der Anfangszeit noch unterstützt werden wird von Pfarrer Thomas Reim, der in den zurückliegenden Monaten in den Gemeinden Dienst getan hatte. Er werde Weber bei den verschiedenen Aufgaben helfen, sich allerdings vordringlich um die Vorbereitung des Kirchenkreiskirchentages vom 10. bis 12. Juni 2016 in Allstedt kümmern. Bei der Gelegenheit bewarb der Superintendent den Kirchentag gleich mal. Er werde nicht durch teuer eingekaufte Veranstaltungen glänzen, sondern, so Bálint: Wir wollen die Menschen mit Inhalten ansprechen.
Wie sehr sich die Kirchengemeinden nach einem neuen Pfarrer gesehnt hatten, war den Worten von Julius Goldacker vom Kirchengemeindeverband Wolferstedt und von Ina Schmidt, Gemeindekirchenrat Allstedt, zu entnehmen. Frau Schmidt begrüßte den neuen Pfarrer unter anderem mit den Worten: Keiner hatte nach dem überraschenden Weggang Ihrer Vorgängerin zu hoffen gewagt, dass so schnell wieder ein Pfarrer in das alt-ehrwürdige Pfarrhaus in Allstedt einziehen würde. Doch wir hatten Glück, großes Glück, und ganz sicher das Wohlwollen Ihres, obersten Vorgesetzten‘ auf unserer Seite.
Pfarrer Weber hielt eine sehr berührende Predigt, in der er zwei scheinbar vollkommen unterschiedliche Geschichten miteinander verzahnte: Jene vom Apostel Thomas, der einst den Berichten von Jesu‘ Auferstehung von den Toten nicht glaubte und selber sehen und abtasten wollte, um sicher zu sein, dass es sich bei dem Beschriebenen wirklich um Jesus Christus handelt. Und Weber berichtete aus seiner Zeit als Krankenhaus-Seelsorger von einer Begegnung mit einem Menschen in einem Zimmer am Ende des Ganges von Station 8, wo er erfuhr, dass der neunzigjährige schwer Erkrankte am Ende seines Lebens, aber nicht am Ende seiner Würde und nicht am Ende der Hoffnung angelangt war. So, wie seinerzeit Jesu‘ Jünger Thomas von der Hoffnung der anderen Jünger hörte, die ihm selbst aber noch fehlte, so erfuhr Martin Weber, der dem Zerfall jenes Patienten ohne Hoffnung auf dessen körperliche Genesung einst im Krankenhaus zusehen musste, im Laufe eines einstündigen Gesprächs: Der lebendige Jesus lag in Gestalt dieses Mannes in dem Krankenhausbett. Er schloss seine Predigt mit dem Hinweis, dass Jesus lebt und auch wir in lebendiger Hoffnung leben sollten.
Pfarrer Weber und Superintendent Bálint luden ein zum Heiligen Abendmahl, das den festlichen Anlass des Gottesdienstes unterstrich. Für einen besonderen Rahmen sorgten aber auch der unter Leitung von Kantor Matthias Koch stehende Kirchenchor und der Posaunenchor sowie seine Orgelbegleitung der schönen alten Kirchenlieder.
Dem Gottesdienst schloss sich eine Kaffeetafel an, zu der alle Anwesenden in die Aula der einstigen Grundschule eingeladen wurden. Hier wurden Grußworte gesprochen, Geschenke überreicht, und es wurde den fleißigen Frauen der Volkssolidarität gedankt, ohne die die beachtliche Arbeit beim Versorgen der vielen Gottesdienstbesucher kaum möglich gewesen wäre. Eine fruchtbare Zusammenarbeit: So konnten sich auch die Frauen und Männer, die das ganze Jahr über in ihren Kirchengemeinden ehrenamtlich wirken, mal hinsetzen und eine schöne Zeit in Gemeinsamkeit mit anderen Christen erleben.
Jochen Miche

