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So, 21:49 Uhr
27.03.2016
Heilige Osternacht in Wolferstedt

Keine Minute Langeweile in der Kirche

Ostersonntag 2016, kurz nach 6 Uhr. Die Veitskirche Wolferstedt ist fast ausschließlich von Kerzen erleuchtet. (Foto: Jochen Miche) Ostersonntag 2016, kurz nach 6 Uhr. Die Veitskirche Wolferstedt ist fast ausschließlich von Kerzen erleuchtet. (Foto: Jochen Miche) In verschiedenen Orten des Mansfelder Landes wurde mit einem Morgengottesdienst die heilige Osternacht gefeiert. Das bedeutete für die Teilnehmer, zeitig aufzustehen, wenn um 6 Uhr der Gottesdienst begann. Wie beispielsweise in Wolferstedt.

In der Veitskirche Wolferstedt feierte Prädikant Erik Kahnt mit rund 70 Gottesdienstbesuchern am Ostersonntag ab 6 Uhr eine besonders schöne Ostermette. Wie er in einem sorgfältig vorbereiteten Faltblatt mitteilte, folgt diese Form des Gottesdienstes "einer jahrhundertealten gottesdienstlichen Tradition, die ein starkes Zeichen der Ökumene ist, weil sie evangelische, römisch-katholische und orthodoxe Christen einander näherbringt".

Weiter informierte Kahnt: "Die Ostermette ist der festlichste Gottesdienst des Jahres mit den reichsten Gesängen und Lesungen und mit vielen Symbolen, die uns Menschen in der modernen Zeit nicht mehr sofort zugänglich sind."

Die Christmette in Wolferstedt dauerte anderthalb Stunden und wurde von den Teilnehmern keine Minute als zu lange empfunden. Sie erlebten einen bemerkenswerten, tief schürfenden Gottesdienst. Er stand im krassen Gegensatz zum Anspruch einer kleinen Klientel sich modern gebender Pfarrer(innen), die in heutigen Gottesdiensten am liebsten nur kurze Predigten, kleine Bibelstellen und möglichst flotte, zeitgenössische Kirchenlieder zulassen möchten.

Die Wolferstedter Ostermette begann vor der Kirche, die den Namen des Heiligen Veit trägt. Das war ein gläubiger Christ, der den Sohn des römischen Kaisers Diokletian von einer Geisteskrankheit geheilt hatte, vom Kaiser aber dennoch bedrängt wurde, seinem christlichen Glauben abzuschwören. Weil er dies nicht tat, wurde er mitsamt seinen Pflegeeltern um das Jahr 304 herum in siedendes Öl geworfen und getötet. Deshalb gilt er als Märtyrer, der für seinen Glauben starb.

Vor der Kirche brannten in einer Schale Holzscheite - ein Osterfeuer. Prädikant Kahnt begrüßte die Frühaufsteher, betete mit ihnen und entzündete die Osterkerze. Ein Prädikant ist übrigens ein Prediger, der sein Studium an einer speziellen theologischen Einrichtung absolviert hat, aber keine Pfarrstelle inne hat.

Kahnt schritt, die große Osterkerze in den Händen, schließlich der schweigenden Gemeinde voran in die dunkle Kirche. Jeder Eintretende erhielt eine Kerze, die später an der Osterkerze entzündet wurde. Es wurde beim Einzug dreimal kurz verharrt und jeweils von einem Liturgen gerufen: "Christus, Licht der Welt." Das bezieht sich auf Jesus Christus, dessen Kreuzigung alljährlich zu Karfreitag gedacht und dessen Auferstehung, also Überwindung des Todes, zu Ostern gefeiert wird. Er gilt als Licht, als Vorbild, an dem sich jeder Christ orientieren kann.

Der Gottesdienst setzte sich nun in der von Kerzen erleuchteten Kirche fort. Es wurden Bibeltexte gelesen, es wurde gebetet und gesungen. Immer wieder begeistern in den Ostergottesdiensten Lieder wie "Bewahre uns, Gott" oder "Christ ist erstanden".

Etwas Besonderes in diesem Gottesdienst war das Taufgedächtnis. Die meisten Christen wurden mit ihrer Taufe in frühester Kindheit in die Gemeinschaft der Christen aufgenommen und mit der Konfirmation, einer besonderen Segnung, gewissermaßen ins kirchliche Erwachsenenalter aufgenommen. Beim Taufgedächtnis in Wolferstedt empfing jeder, der ans Taufbecken herantrat, mit Taufwasser aus dem Taufbecken das Kreuzeszeichen auf die Stirn und einen persönlichen Zuspruch des Ordinierten.

Der Gottesdienst nahm seinen Fortgang mit der Verkündigung. Die Altarkerzen wurden entzündet, die Glocken läuteten, es folgten Gebete, Lesungen, Lieder und die Predigt. Dem schloss sich die so genannte Mahlfeier an. Hierbei waren alle Getauften und Konfirmierten zum Heiligen Abendmahl eingeladen, das sie, im Halbkreis um den Altar stehend, aus den Händen des Predigers empfingen. Auch die Kinder konnten mit vorkommen; sie wurden gesegnet.

Mit dem Lied "Wir wollen alle fröhlich sein" und einem Orgelnachspiel des Kantors Matthias Koch endete nach einer Stunde und 28 Minuten der Gottesdienst. Anschließend waren alle Anwesenden eingeladen zu einem wunderbaren Osterfrühstück, das Gemeindeglieder im Gemeindesaal des Pfarrhauses vorbereitet hatten.

Das üppige Frühstück am Ostersonntag markiert gewissermaßen das Ende der vorösterlichen Fastenzeit und zugleich den Beginn der österlichen Freudenzeit („Osterzeit“), die fünfzig Tage bis einschließlich Pfingsten andauert.

Jochen Miche
Gegen 7 Uhr wurde es draußen hell. Das Licht der Kerzen mischte sich nun mit dem aus Richtung Osten hereinfallenden Tageslicht. (Foto: Jochen Miche)
Die Wolferstedter Veitskirche am Ostersonntagmorgen kurz nach 7.30 Uhr im österlichen Sonnenlicht. (Foto: Jochen Miche)
Autor: jm

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