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Di, 18:06 Uhr
22.03.2016
Rezension: MISSILIA im Panorama Museum

Pop-Songs versiert vorgetragen

Das Auftaktkonzert unter dem Titel "Dem Nachwuchs eine Chance geben" auf der Bühne des Panorama Museums bestritt MISSILIA aus Leipzig, alias Franziska Potyralla – Gesang und Piano, und Julia Fendel – Saxophon. Die ebenfalls angekündigte Margot Cichy am Schlagzeug fehlte leider krankheitsbedingt, wodurch dieses Konzert sicher an Klangfarben eingebüßt hatte.

So waren es zwei sehr junge Damen Mitte Zwanzig, die mit geballtem Charme, einer Portion kindlicher Naivität und einer erstaunlichen Menge selbst kreierter Songs auf der ganz neuen Bühne des Panorama Museums die an diesem Abend zahlreich erschienenen Gäste (85 zahlende Besucher) mit ihren Liedern verzauberten. Das Wunderbare an diesem Auftritt war das gänzliche Fehlen der Routine oder eines dramaturgisch versierten Entertainments, wodurch die vielleicht etwas holprigen Ansagen von Franziska erst recht zutiefst ehrlich und aufrichtig wirkten.

MISSILIA aus Leipzig: Franziska Potyralla (Gesang und Piano) und Julia Fendel (Saxophon). (Foto: MISSILIA)
Sie begann ihren Auftritt mit den Worten „Wir sind Missilia aus Leipzig und sind heute aus Osnabrück hergekommen. Wir haben dort gestern in Osnabrück gespielt. Und ich war noch nie hier, aber es ist total schön. Und… genau…wir haben zwei Sets für euch, alles eigene Songs, deutsch und englisch, Geschichten aus dem Leben.“ Das Klavier setzt ein, spielt eine kleine Melodie, in die synchron das Saxophon einstimmt, und schon beginnt das erste Lied des Konzertes „You make me feel“.

Vornehmlich waren es Songs der Missilia-Debüt-CD „Metanorpus“ und ihrer in Vorbereitung befindlichen zweiten CD, die voraussichtlich 2017 erscheinen wird. Eine etwas andere Rhythmik wies das Folgestück „A better day“ auf, aber auch hier wiederholte sich die Grundstruktur des ersten. Die Missilia-Stücke zeichnen sich durch einfache, mitunter eingängige Songstrukturen aus und sind natürlich in dieser Duobesetzung auf das musikalische Grundgerüst reduziert gewesen. Da ist der reif und versiert klingende Gesang von Franziska, ihr simples Melodiespiel auf dem Klavier, das die Autodidaktin mit noch etwas limitierten Möglichkeiten an diesem Instrument verrät und dazu Julias Melodiebegleitung auf dem Saxophon.

Die dramaturgische Spannung bekam dieses Konzert vor allem durch die unterschiedliche Prägnanz der Stücke, auf die sie sich hauptsächlich verließen. Hinzu kamen schüchterne Versuche, das Publikum bei ihrem Auftritt einzubeziehen, indem es das fehlende Schlagzeug mit Fingerschnipsen ersetzen sollte oder animiert wurde auch mal mitzusingen. Missilia, alias Franziska bezeichnet sich selbst als Singer & Songwriterin von poppig, souligen Stücken. Wenn Soul für kraftvoll beseelte Musik steht, sind die Missilia-Stücke eher in Moll gestimmt und klingen oft zerbrechlich melancholisch, selten auch mal etwas heiterer und sind überwiegend mit englischen Texten versehen.

Nur wenige Stücke sind wie beispielsweise „Wo bist du“ in Deutsch oder sie wechselte mitunter sogar in den Sprachen. Nach dem Konzert fragte ich Franziska, ob sie auf Englisch auch ironisch sein könne, was sie sichtlich irritierte und dann veranschaulichte ich ihr an Hand einer kleinen Zeile, welch unterschiedliche Bedeutungen die zu haben vermag, wenn man sie nur anders betont, wozu man zumeist nur in der eigenen Muttersprache fähig ist. Das Einsilbenenglisch erleichtert sicherlich das rhythmisch korrekte Texten, ist oft auch die Voraussetzung für internationalen Erfolg, verschleiert aber allzu oft auch einige textliche Plattitüden. Diese, ihre ersten Versuche, sich auch gesanglich ihrer Muttersprache zu bedienen, waren eigentlich gar nicht so schlecht und bedürfen der Ermutigung.

Missilia sind eben noch recht junge Musiker, die am Anfang ihrer Karriere stehen, voll Neugier darauf, die Musikwelt zu entdecken, sich auszuprobieren und erst dabei sind, ihre ganz eigene musikalische Sprache zu entwickeln. Im zweiten Konzertteil gelang es ihnen dann endlich, ihr Publikum um den Finger zu wickeln, denn war der Beifall anfänglich überwiegend freundlich-verhalten gewesen, änderte sich das doch deutlich zum Konzertende hin. Fazit: Mit Missilia präsentierte sich am vergangenen Freitagabend ein sympathisches Damenduo, das erstaunlich versiert seine einfach strukturierten Pop-Songs vortrug und von dem man in der Zukunft sicher noch hören wird.

Fred Böhme
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