eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Mo, 17:15 Uhr
21.03.2016
Workshop und Konzert der „Barbarossa Pipes & Drums“

Dudelsackvirus weiterverbreitet

Sind in diesem Jahr wieder mehrfach in der Öffentlichkeit zu erleben: die "Barbarossa Pipes & Drums". So unter anderem am 18. Juni am Kyffhäuser-Denkmal, am 26. Juni beim Berg- und Rosenfest in Sangerhausen und im September beim Sachsen-Anhalt-Tag in Sangerhausen. (Foto: Jochen Miche) Sind in diesem Jahr wieder mehrfach in der Öffentlichkeit zu erleben: die "Barbarossa Pipes & Drums". So unter anderem am 18. Juni am Kyffhäuser-Denkmal, am 26. Juni beim Berg- und Rosenfest in Sangerhausen und im September beim Sachsen-Anhalt-Tag in Sangerhausen. (Foto: Jochen Miche) Höhepunkt eines zweitägigen Workshops in der Gemeinde Othal bei Sangerhausen war das Konzert, das die „Barbarossa Pipes & Drums“ vor 180 Gästen in der „Kulturscheune“ des Ortes gaben. Die von Petra Reichelt kurzweilig und informativ moderierte Veranstaltung verdient die Bezeichnung „Internationaler Abend der Extraklasse“.

Eingeladen nach Othal hatten die „Barbarossa Pipes & Drums“, deren Ursprünge auf das Jahr 2009 zurückgehen, als der heutige Pipe-Major Karsten Reichelt auf der halleschen Pferderennbahn während eines Highlandgames vom „Dudelsack“-Fieber angesteckt worden war. Zwei Jahre später erlernte er bereits intensiv das Instrument. Er gab ungeniert das Pipe-Virus weiter, so dass immer mehr infiziert wurden, bald ein eigenes Domizil gesucht werden musste und in der Sangerhäuser Kreisvolkshochschule sodann gefunden wurde. Seitdem trifft man sich dort regelmäßig, um an der schottischen Musik zu genesen.

Die „Barbarossa Pipes & Drums“ hatten am Wochenende zu einem Workshop und einem Konzert in die Othaler Kulturscheune eingeladen. (Foto: Jochen Miche) Die „Barbarossa Pipes & Drums“ hatten am Wochenende zu einem Workshop und einem Konzert in die Othaler Kulturscheune eingeladen. (Foto: Jochen Miche)

Dies und manches Interessante mehr aus der im Jahr 2014 als „Barbarossa Pipes & Drums“ gegründeten Band erfuhren die knapp 200 Besucher in der Kulturscheune. Petra Reichelt berichtete auch von einem Problem, das sich 2014 mit einem Workshop hier in Othal hatte klären lassen: dem Mangel an Trommlern. Mit Unterstützung der „Owltown Pipeband Peine“ und den „Mühlhäuser Pipes & Drums“ wurde hier einmal richtig die Werbetrommel gerührt, und schon kamen sie in Scharen: die Interessenten für die schottische Snare-Drum. Selbst einen eigenen Bassdrummer haben die Barbarossas inzwischen: den mit seinem Riesengerät unübersehbaren Roland Raulf.

Zum Thema Trommeln gibt es noch eine schöne Geschichte: Irgendwann hatten die Barbarossas zwar Trommler, doch kaum Instrumente, vor allem fehlten welche für die Neuen. Da half Anfang vergangenen Jahres die Sparkasse Mansfeld-Südharz mit einer wirklich generösen Spende, so dass etliche Trommeln und Zubehör für die Pipes angeschafft werden konnten. Wenn`s um Drums geht – Sparkasse.

Die Besucher des Abends hörten noch viele Storys, auch über die Bekleidung der Bandmitglieder. Insbesondere der den Männern bis an die Knie reichende Schottenrock – der Kilt – beflügelt ja ungemein die Phantasie vieler Beobachter(innen) und verleiht den Musikern eine gewisse schottische Ausstrahlung – wenn nicht gar eine leicht geheimnisvolle Aura. Unvermeidbar: die Karos der Schottenkleidung. An ihnen, heißt es in der Literatur, habe man einst den Reichtum seines Trägers ablesen können: die Armen trugen eher einfarbige Röcke, die Reichen mehrfarbige Karos. In Othal sah man nur farbenfrohe Röcke: glückliche Sangerhäuser.

Ein aufmerksames Publikum folgte den kurzweiligen Informationen, die Moderatorin Petra Reichelt gab. (Foto: Jochen Miche) Ein aufmerksames Publikum folgte den kurzweiligen Informationen, die Moderatorin Petra Reichelt gab. (Foto: Jochen Miche)

Bereichert wurde der Abend von Frank Klessaschek. Der (rocklose) Sangerhäuser füllte die Pausen und den späteren Abend mit Musik, steuerte aber auch Bilder und Filmschnipsel vom Kyffhäuser, den Highlands, den Barbarossa-Pipers und – später – viel Humorvolles bei.

Das Wichtigste an diesem Abend jedoch war die Musik: Märsche, Hymnen, Volksliedhaftes, Kirchenlieder. Rhythmusempfängliche zuckten mit den Beinen auf und ab, Gefühlsbetonte zückten ihre Taschentücher. Oder fast, wie beispielsweise, als Petra Reichelt ihr absolutes Lieblingslied ankündigte und auch noch die rührende Geschichte dieses Liedes erzählte: Es handelt von einem bösen Kapitän, dem im Unwetter plötzlich klar wurde, dass Gott ihn nun bestrafen könnte für all seine Schandtaten, und er Gott verspricht: Wenn ich das hier überlebe, behandle ich meine Sklaven für immer menschenwürdig. Und das Unglaubliche geschieht: Der Kapitän überlebt und hält Wort. (Auf jenem Schiff standen offenbar keine Wahlen an…) Ach ja, das Lied. Es heißt: „Amazing Grace“. Gänsehautfeeling pur!

Einen so schönen Abend, der natürlich nicht ohne Zugabe zu Ende ging, vermochte nicht einmal die großartige Whisky-Kollektion eines Sangerhäuser Schnapsladens zu toppen. Aber der braune Hochprozentige ergänzte das Ganze zweifellos, ebenso das dunkle irische Bier namens Guinness, das aber niemand wirklich brauchte, so lange es noch gutes deutsches Bier zu guter schottischer Musik gab. Ein internationaler Abend der Extraklasse also, den die Region einem Dudelsackvirus verdankt, das sich vor sieben Jahren Karsten Reichelt in Halle eingefangen und seitdem ganz ungeniert und erfolgreich weiterverbreitet hat.

Jochen Miche

Übungszeiten (Kreisvolkshochschule Sangerhausen)
Fortgeschrittene: Dienstag 17:30 bis 21 Uhr;
Anfänger: Donnerstag 17:30 bis 19 Uhr.
Bandprobe: einmal monatlich sonntags, 10 bis 16 Uhr.
Homepage: www.barbarossa-pipes.de
Dem aufmerksamen Publikum wird ein schöner Abend geboten. (Foto: Jochen Miche)
Standing ovations für ein begeisterndes Ensemble. (Foto: Jochen Miche)
Roland Raulf an der Basstrommel mit Marko Altenburg und seiner Pipe im Duett. (Foto: Jochen Miche)
Frank Klessaschek sorgte mit Bild und Ton für ein unterhaltsames Drumherum. (Foto: Jochen Miche)
Dank Beamer lernte das Publikum die Mitglieder des Ensembles, den Kyffhäuser von oben und schottische Landschaften besser kennen. (Foto: Jochen Miche)
Das Ambiente der Kulturscheune ist angenehm. Alte Möbel wirken hier nicht wie abgestellt, sondern wie platziert. Das schafft Heimeligkeit, in der sich auch diese Sangerhäuser Besucher fast schon geborgen fühlten. (Foto: Jochen Miche)
Autor: jm

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)