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Mo, 20:22 Uhr
14.03.2016
Lesung in der Hettstedter „Bücherfee“

ISKA hält die Spannung

Für ein Debüt war das eine reife Leistung: Autorin Isolde Kakoschky baute in ihrer Lesung Spannung auf und hielt diese bis zur letzten Seite. Und das, obwohl sie gleich aus drei (!) Büchern vorlas. Kurz: Das Publikum erlebte einen großartigen Leseabend in der Hettstedter Buchhandlung „Die Bücherfee“.

Die Autorin Isolde Kakoschky bei ihrer Buchlesung in der Hettstedter "Bücherfee". (Foto: Jochen Miche) Die Autorin Isolde Kakoschky bei ihrer Buchlesung in der Hettstedter "Bücherfee". (Foto: Jochen Miche)
Eingeladen zu dieser wie immer eintrittsfreien Kulturveranstaltung hatte „Die Bücherfee“, Sylvia Geilert. Sie wurde in bewährter Weise von ihrem Mann Steffen unterstützt, der nicht nur für volle Sekt- oder Seltersgläser sorgte, sondern zuvor auch schon das Geschäft in eine Lesestube verwandelt hatte. Hier, auf Stühlen und Couch, fanden zahlreiche Bücherfreunde Platz, unter ihnen auch Autorinnen wie Dagmar Helene Schlanstedt (u. a. „Weltenspur“-Reihe) oder Ezo Hein (u. a. „Die fünf Türme“ und bezaubernde Gedichte).

Da die Veranstaltung wie üblich keinen Eintritt kostete, lud Sylvia Geilert die Besucher ein, wenn sie es gern wollten, im Anschluss ihr Gewissen mit einer kleinen Spende für die „Hettstedter Weihnachtspäckchen“-Aktion zu erleichtern. Die Spendendose kam nach Leerung Ende vergangenen Jahres und erneuter Verplombung wieder auf den Tresen, denn „nach Weihnachten ist vor Weihnachten“, erklärte die Buchhändlerin lächelnd. Dank dieser Initiative konnten im vergangenen Jahr 143 Päckchen für überwiegend sozial benachteiligte Hettstedter Kinder gepackt und verschenkt werden. Und die Besucher erfuhren eine bewegende, vor allem wahre Geschichte von einem Jungen, der auf Umwegen und noch Monate nach Abschluss der Weihnachtspäckchen-Aktion 2015 ein Päckchen geschenkt bekommen konnte.

Frau Geilert stellte Isolde Kakoschky vor, die ihre Bücher unter dem Pseudonym ISKA veröffentlicht. Die Romane der 1957 geborenen und in Gerbstedt lebenden Autorin sind in der „Bücherfee“ zu haben. Überhaupt: Diese Buchhandlung am Markt pflegt von Beginn ihrer Existenz an im vergangenen Jahr die Beziehungen zu einheimischen Autoren und ist zudem der größte Anbieter regionaler Literatur in der Region.

Bevor sie sich ihren Büchern zuwandte, erklärte ISKA, dass es ihre erste Lesung sei. Und da sie bereits vier Bücher geschrieben hat, von denen immerhin drei noch im Handel zu bekommen sind, las sie gleich mal aus allen dreien. Der Reihe ihres Erscheinens nach waren dies „Papakind“, „Zweitsommer“ und „Eisblumenblüte“. Dabei handle es sich nicht um eine Trilogie, dennoch „wandert immer eine Figur von einem Buch in das nächste“. „Das ist wie ein Fortsetzungsroman, aber jedes Buch ist trotzdem vollkommen in sich abgeschlossen“, erklärte sie den Zuhörern, von denen mancher bereits eines ihrer Bücher besaß und sich an diesem Abend darauf freute, einmal die Autorin persönlich kennenzulernen.

Das „Papakind“ führte die Zuhörer tief in die DDR-Zeit zurück. Sie lernen Alex und Franziska kennen und hören eine wunderschöne, tröstliche Geschichte, die sich vor den Schulferien der beiden Protagonisten zugetragen hat. Ihre anschließenden Ferien verbringen sie in Halle/Saale bei dem Großvater. Dort geschieht etwas Ungewöhnliches, das sich auf das weitere Leben von Franziska in dramatischer Weise auswirken wird.

Im „Zweitsommer“ entdeckt Berit, eine erwachsene Frau, zufällig im Haus ihrer Mutter, der sie frische Wäsche ins Krankenhaus bringen will, Briefe, die ihren eigenen Mädchennamen tragen. Ein erschütterndes Geheimnis wird hier offenbar: Ihre Mutter hat ihr einst Briefe unterschlagen und sich somit in die wichtigste Entscheidung ihres Lebens eingemischt. Dieser Verrat am eigenen Kind ist unverzeihlich, Berit am Boden zerstört. Und Laszlo? Dessen Träume erstickten im Kleiderschrank ihrer Mutter! Die späten Gedanken der Protagonistin: „Hätte es nur einer der Briefe an der Mutter vorbei geschafft!“ Berit weiß, dass nichts zurückgeholt werden kann, dennoch begibt sie sich auf Erkundung…

Menschliches und Zwischenmenschliches, Dramatisches und Erlösendes prägen auch den dritten Roman, „Eisblumenblüte“, der die Leser ins Mansfelder Land führt. Dort wuchs Kristina auf, und dort wird sie erstmals tiefer schürfen auf der Suche nach ihren Wurzeln und dabei Erschreckendes feststellen.
"Die Bücherfee" Sylvia Geilert (links) und Autorin Isolde Kakoschky. (Foto: Jochen Miche)
Isolde Kakoschky alias ISKA mit ihren drei aktuellen Romanen, aus denen sie gelesen hat. (Foto: Jochen Miche)
Begeisterte Besucher der Lesung, die ISKA um ein Autogramm gebeten haben. (Foto: Jochen Miche)
Die „Eisblumenblüte“ erhält vielleicht noch in diesem Jahr Anschluss, wie die Besucher der Lesung erfuhren. Auch in diesem Roman wird es um Suche nach etwas gehen – doch ob nach Verwandten, der eigenen Identität oder etwas ganz anderem, das verriet die Autorin nicht.

ISKA meisterte ihre erste Lesung mit Bravour. Das Publikum war hingerissen und stellte einige Fragen. Darunter nach so Praktischem wie den Schreibgewohnheiten der Autorin, die ja auch noch einem Beruf nachgeht. „Ich schreibe abends, und zwar direkt in den Computer“, erklärte sie, und auf die Frage, wo sie ihre Ideen herbekäme: „Aus dem Leben. Mir fehlt die Phantasie, etwas zu erfinden.“ Auch deshalb gebe es – zum Beispiel – Streckenbeschreibungen in einem ihrer Bücher, denen man unbesorgt folgen könne und die einen zum angegebenen Ziel bringen. Haben sich schon mal Bekannte in den Figuren ihrer Bücher wiedererkannt? „O ja, sogar Kollegen. Aber die haben sehr positiv reagiert – sie sind ja auch gut weggekommen.“ Und ihr Chef, wie findet er, dass sie Bücher schreibt? „Sehr gut, worüber ich richtig froh bin.“ – Fragen zum Inhalt ihrer Bücher wurden auch gestellt, vor allem waren die Zuhörer neugierig, wie denn die einzelnen Handlungen weitergingen, besonders jene bezaubernde Liebesgeschichte im „Zweitsommer“, welche bei manchem Zuhörer die Erinnerung weckte an jenes Kribbeln im Bauch bei der ersten eigenen, zärtlichen, tiefen und reinen Liebe. Aber hier hielt sich ISKA zurück – auch Liebe kann nicht übernommen, übertragen werden, und so mussten sich die Gäste dieser kleinen, feinen Hettstedter Kulturveranstaltung mit dem Gedanken anfreunden, sich das Buch ihres Begehrens zu holen. Am Ende blieb nur eine Frage: Welches Buch kaufe ich mir zuerst.
Jochen Miche
Autor: jm

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