Mi, 00:00 Uhr
09.03.2016
Polizeiliche Kriminalstratistik 2015
Erstmals Ausländer extra gelistet
Im Jahr 2015 hat es im Landkreis Mansfeld-Südharz 9.855 Straftaten gegeben. Das sind 132 (also 1,3 Prozent) mehr als im Jahr davor. Aufgeklärt wurden davon 57 Prozent, das sei deutlich mehr als im Landesdurchschnitt, der bei 54,8 Prozent liege, wie der Leiter des Polizeirevieres Mansfeld-Südharz, Polizeidirektor Thomas Aust, in einer Pressekonferenz mitteilte...
Heiko Prull, Knut Schramm und Thomas Aust (hinten von links) erläutern Medienvertretern die Kriminalitätsstatistik des Polizeirevieres Mansfeld-Südharz für das Jahr 2015. (Foto: Jochen Miche)
Die alljährlich im ersten Quartal eines Jahres gezogene Kriminalitätsbilanz hielt erstmals etwas Besonderes bereit: eine Statistik der Straftaten unter der Beteiligung von Asylbewerbern und Flüchtlingen 2015…
Zur Pressekonferenz in das Polizeirevier in der Eisleber Friedensallee hatte neben Aust auch der Sachgebietsleiter III (Eigentumsdelikte) und amtierende Kripo-Chef, Kriminalrat Knut Schramm, eingeladen. Ferner wurden die Medienvertreter vom Leiter Zentrale Aufgaben, Heiko Prull, und seiner Mitarbeiterin im Bereich Zentrale Aufgaben, Steffi Schwan, über Erkenntnisse aus dem Polizeialltag informiert. Die Kriminalstatistik 2015 konnte indessen nur schlaglichthaft die Schwerpunkte der Polizeiarbeit im zurückliegenden Jahr beleuchten, unterstrich eingangs Kriminalrat Knut Schramm.
Revierleiter Aust unterstrich zunächst, dass sowohl die Gesellschaft als auch die Polizei im vergangenen Jahr aufgrund des Flüchtlingszustroms vor besonderen Herausforderungen gestanden habe. Der Schutz von Flüchtlingsunterkünften und die Absicherung von Demonstrationen seien einige der Aufgaben gewesen, die zusätzlich bewältigt werden mussten. Er betonte: Ich bin stolz darauf, was die Kolleginnen und Kollegen unter diesen Bedingungen geleistet haben.
Nach seinen Worten hatte der prägende Fakt Flüchtlings- und Asylbewerberzustrom zu keinen signifikanten Veränderungen der Kriminalitätsentwicklung im Landkreis geführt. Er unterstrich die Bedeutung des gesellschaftlichen Engagements vieler Menschen: Es kommt auf eine gelingende Integration an - oder es entstehen Parallelgesellschaften. Diese gibt es hierzulande nicht, und folglich auch nicht die Nebenerscheinung möglicher erhöhter Kriminalität. Aust: Ich gehe davon aus, dass das Leben in unserem Landkreis zu dem sichersten im Lande gehört. Steffi Schwan, die die Technik zur Präsentation der Kriminalstatistik bediente, ergänzte mit einem Augenzwinkern: Wie sind mit Sicherheit für Sie da.
Wie sicher leben die Menschen im Landkreis Mansfeld-Südharz tatsächlich? Einige Zahlen aus der Kriminalitätsstatistik: Der Anstieg der Diebstahlskriminalität liegt bei 10,8 Prozent, was 336 Fälle betrifft. Insgesamt wurden 3.460 Diebstahlsdelikte angezeigt, was 35,1 Prozent Anteil an der Gesamtkriminalität ausmacht. Inklusive der Vermögens- und Fälschungsdelikte (1.610 Fälle, gleich 16,3 Prozent) machen, so Thomas Aust, die Eigentumsdelikte mit 51,4 Prozent an der Gesamtstatistik den Hauptanteil aus. Weitere Deliktsfelder sind Rohheit und persönliche Freiheit (darunter fallen Schlägereien bis Tötungsdelikte) mit 1.558 Fällen (15,8 Prozent Anteil) und Sexuelle Selbstbestimmung (sexuelles Bedrängen, Vergewaltigung), wo im Jahr 2015 insgesamt 86 Fälle (gleich 0,9 Prozent) angezeigt worden sind.
Von stets großem Interesse bei der Veröffentlichung der aktuellen Kriminalstatistik ist die Aufklärungsrate. Beispiel einfacher Diebstahl, der dann gegeben ist, wenn der Dieb ohne Anwendung von Gewalt oder ohne sich unerlaubt Zutritt zu einem Objekt verschafft zu haben, etwas mitnimmt (etwa Ladendiebstahl). Hier wurden 2015 von den angezeigten 1.697 Fällen 44,4 Prozent aufgeklärt. Beim besonders schweren Diebstahl, der zutrifft, wenn eingestiegen, aufgebrochen, überstiegen oder anderweitig mit besonderem Aufwand Zutritt verschafft oder etwas angeeignet wurde, konnten 2015 lediglich 17,3 Prozent aller Fälle aufgeklärt werden. Zu Letzterem gehören Wohnungs-, Keller und Gartenlaubeneinbrüche. Die Ermittlungen gestalten sich recht kompliziert. Nicht zuletzt dank der verkehrstechnisch guten Anbindung sei nicht ausgeschlossen, dass aus Richtung Autobahn auf solche Delikte spezialisierte Kriminelle kurzfristig auftauchen, sich Keller und Wohnungen vornehmen und sofort wieder das Weite suchen. So kommt es, dass sich im Gesamtdurchschnitt bei allen Diebstahlsdelikten eine Aufklärungsquote von recht wenig anmutenden 30, 6 Prozent ergibt.
Steffi Schwan zeigt, welche Wirkung der Versuch haben kann, mit einem stabilen Schraubenzieher ein Fenster zu öffnen. Zuweilen können schon kleine Sicherheitsmaßnahmen Einbrecher von ihrem Vorhaben abbringen (Licht geht mittels Bewegungsmelder an) oder zur Aufgabe zwingen (stabile Schlösser). (Foto: Jochen Miche)
Thomas Aust erklärte: Ein relativ geringes Mehr an Sicherheitsausstattung bringt bereits ein relativ großes Mehr an Sicherheit. Dies ergänzte Heiko Prull mit der Empfehlung an alle potentiellen Diebstahls- und Einbruchsopfer, sich mit Präventionsmaßnahmen zu beschäftigen und die technische Beratung der Polizei zu nutzen. Im Übrigen aber machte Heiko Prull vielen Dieben wenig Hoffnung, auf Dauer unentdeckt zu bleiben: Die zeitaufwändige Sisyphusarbeit führt manchmal erst nach längerer Zeit zum Ermittlungserfolg. Das unterstrich auch Kripo-Chef Knut Schramm, der Kriminaltechnikern und Ermittlern gleichermaßen höchsten Respekt für eine ausgesprochen gute Qualitätsarbeit zollte.
In den sozialen Netzwerken wie Facebook verbreiten sich oft mit hoher Geschwindigkeit Horrormeldungen von massenhaft stehlenden oder Frauen bedrängenden Asylbewerbern. Was ist tatsächlich an dem Gerücht, dass mit der Zahl der zu uns kommenden Ausländer auch die Kriminalität steigt? Die Polizei des Revieres Mansfeld-Südharz hat dieses Problem genauer unter die Lupe genommen und aus diesem Grunde auch eine separate Statistik der Straftaten unter der Beteiligung von Asylbewerbern und Flüchtlingen 2015 erstellt. Ereignisse wie jene in der Silvesternacht in Köln, bei denen viele Frauen bestohlen oder gar sexuell bedrängt und genötigt wurden, sind weithin bekannt geworden – kommen solche Straftaten auch hierzulande verstärkt vor? Bislang: nein.
Da spricht die Statistik eine ganz klare Sprache. Insgesamt verübten Menschen dieser Gruppe 247 Straftaten im zurückliegenden Jahr (also 2,5 Prozent aller Straftaten). Am häufigsten kamen Eigentumsdelikte vor: 108 Diebstähle und 32 Fälle von Vermögens- und Fälschungsdelikten. Ferner wurden 57 Rohheitsdelikte registriert (Schlägereien), 17 ausländerrechtliche Verstöße und 32 sonstige Verstöße gegen Gesetze. Es wurden keine Straftaten gegen das Leben und eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung begangen. Insgesamt registrierten die Polizeibeamten hier keinen massiven Anstieg gegenüber den Straftaten der deutschen Mitbürger, bemerkte Polizeidirektor Aust. Auch diesbezüglich lebt es sich im Mansfelder Land immer noch relativ ruhig und sicher. Damit das so bleibt, gibt es unter anderem Regionalbereichsbeamte in allen elf Einheitsgemeinden des Landkreises, welche die Situation vor Ort kennen und vieles klären und aufklären können, was fremden Beamten zuweilen nur schwer gelingen würde.
Jochen Miche
Autor: jm
Heiko Prull, Knut Schramm und Thomas Aust (hinten von links) erläutern Medienvertretern die Kriminalitätsstatistik des Polizeirevieres Mansfeld-Südharz für das Jahr 2015. (Foto: Jochen Miche)
Die alljährlich im ersten Quartal eines Jahres gezogene Kriminalitätsbilanz hielt erstmals etwas Besonderes bereit: eine Statistik der Straftaten unter der Beteiligung von Asylbewerbern und Flüchtlingen 2015…
Zur Pressekonferenz in das Polizeirevier in der Eisleber Friedensallee hatte neben Aust auch der Sachgebietsleiter III (Eigentumsdelikte) und amtierende Kripo-Chef, Kriminalrat Knut Schramm, eingeladen. Ferner wurden die Medienvertreter vom Leiter Zentrale Aufgaben, Heiko Prull, und seiner Mitarbeiterin im Bereich Zentrale Aufgaben, Steffi Schwan, über Erkenntnisse aus dem Polizeialltag informiert. Die Kriminalstatistik 2015 konnte indessen nur schlaglichthaft die Schwerpunkte der Polizeiarbeit im zurückliegenden Jahr beleuchten, unterstrich eingangs Kriminalrat Knut Schramm.
Revierleiter Aust unterstrich zunächst, dass sowohl die Gesellschaft als auch die Polizei im vergangenen Jahr aufgrund des Flüchtlingszustroms vor besonderen Herausforderungen gestanden habe. Der Schutz von Flüchtlingsunterkünften und die Absicherung von Demonstrationen seien einige der Aufgaben gewesen, die zusätzlich bewältigt werden mussten. Er betonte: Ich bin stolz darauf, was die Kolleginnen und Kollegen unter diesen Bedingungen geleistet haben.
Nach seinen Worten hatte der prägende Fakt Flüchtlings- und Asylbewerberzustrom zu keinen signifikanten Veränderungen der Kriminalitätsentwicklung im Landkreis geführt. Er unterstrich die Bedeutung des gesellschaftlichen Engagements vieler Menschen: Es kommt auf eine gelingende Integration an - oder es entstehen Parallelgesellschaften. Diese gibt es hierzulande nicht, und folglich auch nicht die Nebenerscheinung möglicher erhöhter Kriminalität. Aust: Ich gehe davon aus, dass das Leben in unserem Landkreis zu dem sichersten im Lande gehört. Steffi Schwan, die die Technik zur Präsentation der Kriminalstatistik bediente, ergänzte mit einem Augenzwinkern: Wie sind mit Sicherheit für Sie da.
Wie sicher leben die Menschen im Landkreis Mansfeld-Südharz tatsächlich? Einige Zahlen aus der Kriminalitätsstatistik: Der Anstieg der Diebstahlskriminalität liegt bei 10,8 Prozent, was 336 Fälle betrifft. Insgesamt wurden 3.460 Diebstahlsdelikte angezeigt, was 35,1 Prozent Anteil an der Gesamtkriminalität ausmacht. Inklusive der Vermögens- und Fälschungsdelikte (1.610 Fälle, gleich 16,3 Prozent) machen, so Thomas Aust, die Eigentumsdelikte mit 51,4 Prozent an der Gesamtstatistik den Hauptanteil aus. Weitere Deliktsfelder sind Rohheit und persönliche Freiheit (darunter fallen Schlägereien bis Tötungsdelikte) mit 1.558 Fällen (15,8 Prozent Anteil) und Sexuelle Selbstbestimmung (sexuelles Bedrängen, Vergewaltigung), wo im Jahr 2015 insgesamt 86 Fälle (gleich 0,9 Prozent) angezeigt worden sind.
Von stets großem Interesse bei der Veröffentlichung der aktuellen Kriminalstatistik ist die Aufklärungsrate. Beispiel einfacher Diebstahl, der dann gegeben ist, wenn der Dieb ohne Anwendung von Gewalt oder ohne sich unerlaubt Zutritt zu einem Objekt verschafft zu haben, etwas mitnimmt (etwa Ladendiebstahl). Hier wurden 2015 von den angezeigten 1.697 Fällen 44,4 Prozent aufgeklärt. Beim besonders schweren Diebstahl, der zutrifft, wenn eingestiegen, aufgebrochen, überstiegen oder anderweitig mit besonderem Aufwand Zutritt verschafft oder etwas angeeignet wurde, konnten 2015 lediglich 17,3 Prozent aller Fälle aufgeklärt werden. Zu Letzterem gehören Wohnungs-, Keller und Gartenlaubeneinbrüche. Die Ermittlungen gestalten sich recht kompliziert. Nicht zuletzt dank der verkehrstechnisch guten Anbindung sei nicht ausgeschlossen, dass aus Richtung Autobahn auf solche Delikte spezialisierte Kriminelle kurzfristig auftauchen, sich Keller und Wohnungen vornehmen und sofort wieder das Weite suchen. So kommt es, dass sich im Gesamtdurchschnitt bei allen Diebstahlsdelikten eine Aufklärungsquote von recht wenig anmutenden 30, 6 Prozent ergibt.
Steffi Schwan zeigt, welche Wirkung der Versuch haben kann, mit einem stabilen Schraubenzieher ein Fenster zu öffnen. Zuweilen können schon kleine Sicherheitsmaßnahmen Einbrecher von ihrem Vorhaben abbringen (Licht geht mittels Bewegungsmelder an) oder zur Aufgabe zwingen (stabile Schlösser). (Foto: Jochen Miche)
Thomas Aust erklärte: Ein relativ geringes Mehr an Sicherheitsausstattung bringt bereits ein relativ großes Mehr an Sicherheit. Dies ergänzte Heiko Prull mit der Empfehlung an alle potentiellen Diebstahls- und Einbruchsopfer, sich mit Präventionsmaßnahmen zu beschäftigen und die technische Beratung der Polizei zu nutzen. Im Übrigen aber machte Heiko Prull vielen Dieben wenig Hoffnung, auf Dauer unentdeckt zu bleiben: Die zeitaufwändige Sisyphusarbeit führt manchmal erst nach längerer Zeit zum Ermittlungserfolg. Das unterstrich auch Kripo-Chef Knut Schramm, der Kriminaltechnikern und Ermittlern gleichermaßen höchsten Respekt für eine ausgesprochen gute Qualitätsarbeit zollte.
In den sozialen Netzwerken wie Facebook verbreiten sich oft mit hoher Geschwindigkeit Horrormeldungen von massenhaft stehlenden oder Frauen bedrängenden Asylbewerbern. Was ist tatsächlich an dem Gerücht, dass mit der Zahl der zu uns kommenden Ausländer auch die Kriminalität steigt? Die Polizei des Revieres Mansfeld-Südharz hat dieses Problem genauer unter die Lupe genommen und aus diesem Grunde auch eine separate Statistik der Straftaten unter der Beteiligung von Asylbewerbern und Flüchtlingen 2015 erstellt. Ereignisse wie jene in der Silvesternacht in Köln, bei denen viele Frauen bestohlen oder gar sexuell bedrängt und genötigt wurden, sind weithin bekannt geworden – kommen solche Straftaten auch hierzulande verstärkt vor? Bislang: nein.
Da spricht die Statistik eine ganz klare Sprache. Insgesamt verübten Menschen dieser Gruppe 247 Straftaten im zurückliegenden Jahr (also 2,5 Prozent aller Straftaten). Am häufigsten kamen Eigentumsdelikte vor: 108 Diebstähle und 32 Fälle von Vermögens- und Fälschungsdelikten. Ferner wurden 57 Rohheitsdelikte registriert (Schlägereien), 17 ausländerrechtliche Verstöße und 32 sonstige Verstöße gegen Gesetze. Es wurden keine Straftaten gegen das Leben und eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung begangen. Insgesamt registrierten die Polizeibeamten hier keinen massiven Anstieg gegenüber den Straftaten der deutschen Mitbürger, bemerkte Polizeidirektor Aust. Auch diesbezüglich lebt es sich im Mansfelder Land immer noch relativ ruhig und sicher. Damit das so bleibt, gibt es unter anderem Regionalbereichsbeamte in allen elf Einheitsgemeinden des Landkreises, welche die Situation vor Ort kennen und vieles klären und aufklären können, was fremden Beamten zuweilen nur schwer gelingen würde.
Jochen Miche