Sa, 08:41 Uhr
27.02.2016
Verkehrsunfall beim Bilden einer Rettungsgasse
Guter Wille wird mit Crash bestraft
Wenige Minuten nach dem Unfall in der Ascherslebener Straße kamen die ersten Feuerwehrfahrzeuge von einem Einsatz zurück und reihten sich an der Unfallstelle ein. (Foto: Jochen Miche)
Eine ungewöhnliche Kettenreaktion hat in Hettstedt zu einem Verkehrsunfall geführt: Ein Autofahrer wollte eine Rettungsgasse schaffen, damit die mit Sirene und Blaulicht entgegenkommende Feuerwehr diesen Straßenabschnitt zügig passieren kann und es zu keinem Unfall kommt. Doch plötzlich quietschte und krachte es…Im Einzelnen: Bei der Hettstedter Feuerwehr ging ein Alarm ein. Dicke Rauchwolken dringen durch sämtliche Fenster- und Türritzen einer Wohnung auf dem Schild, in der eine ältere Frau im Betreuten Wohnen lebt. Löschfahrzeuge und Mannschaftswagen machten sich umgehend in Richtung Wohngebiet Schild auf den Weg.
Unterwegs erlebten die Kameraden immer wieder, wie rücksichtslose Autofahrer vor ihnen her schlichen und gar nicht daran dachten, zur Seite zu fahren und anzuhalten, um eine Rettungsgasse zu schaffen. Das kann wertvolle Sekunden kosten, in denen das Leben der Rentnerin in der verrauchten Wohnung am seidenen Faden hängen kann.
Die Situation kennen Rettungskräfte zur Genüge: Viele Pkw-Fahrer sind absolut aufmerksam und rücksichtsvoll, einige wenige dagegen rücken nur unwillig an den Straßenrand und halten an. Auf der linken, gegenläufigen Straßenseite oft dasselbe. Solche Situationen haben etwas Bedrückendes an sich: Die Feuerwehrmänner des Mansfelder Landes sind immer da, wenn sie gerufen werden, bei Tag und bei Nacht, werk- und feiertags. Sie lassen zu Hause alles stehen und liegen, wenn die Bevölkerung sie braucht. Sie kommen sofort, um zu helfen – wenn man sie lässt. Denn aufgrund rücksichtslos zugeparkter Einfahrten oder fehlender Rettungsgassen im Straßenverkehr kommt es immer wieder vor, dass wertvolle Zeit für die Rettung von Menschenleben oder auch einfach nur für das Verhindern größerer Schäden an Gebäuden verloren geht.
Auf der Ascherslebener Straße in Höhe Augenzentrum/Ärztehaus Hettstedt (Kreuzung Schillerstraße) hat sich gestern gegen 16 Uhr eine solche Situation ergeben. Die Feuerwehrfahrzeuge, die zu der Wohnung fuhren, aus der dicke Qualmschwaden drückten, hatten die Stelle Höhe Ärztehaus längst passiert und waren am Brandort im Einsatz, als für ein weiteres, mit Martinshorn und Blaulicht einzeln den Berg hochkommendes Mannschaftsfahrzeug von den vor ihm fahrenden Pkw kein Platz für eine Rettungsgasse gemacht wird.
Diese Situation bemerkten verantwortungsbewusstere Autofahrer auf der Gegenfahrbahn. Sie fuhren nach rechts und hielten dort an. Genau das tat auch ein junger Fordfahrer. Das entgegenkommende Feuerwehrfahrzeug konnte die Stelle problemlos passieren. Seine Hilfsbereitschaft wurde dem Fahrer des Ford nun aber zum Verhängnis. Ich hörte es plötzlich hinter mir nur noch quietschen, und dann krachte es auch schon, sagte er wenige Minuten später, noch an der Unfallstelle, msh-online. Als die Fahrerin des nachfolgenden Citroëns das Halten des vorausfahrenden Fahrzeugs bemerkte, war es für ein sicheres Bremsen bereits zu spät.
Bei diesem Crash gab es nur Blechschäden – so bitter für die Betroffenen auch dies ist. Die Insassen der am Unfall beteiligten Fahrzeuge kamen mit dem Schrecken davon, verletzt wurde niemand. Die Feuerwehrleute indessen, die den Unfall noch mitbekamen, taten das genau Richtige: Sie setzten sich sofort mit ihren Kameraden am Brandort in Verbindung, informierten sie, dass sie hier gebraucht würden, wendeten ihr Fahrzeug, sicherten die Unfallstelle und sorgten für einen ruhigen und ungefährlichen Verkehrsfluss an diesem Engpass.
Als Ursache des Qualmens aus der Wohnung, zu der sie ursprünglich gerufen worden waren, erwies sich ein Topf voller Essen, das die ältere Bewohnerin auf dem eingeschalteten Herd vergessen hatte, während sie einen Einkauf erledigte. Auch hier wurde niemand verletzt.
Jochen Miche
Der Landesfeuerwehrverband Bayern (http://www.lfv-bayern.de) gibt auf seiner Homepage folgende Verhaltenstipps für das Schaffen einer Rettungsgasse:
Auf einspurigen Fahrbahnen fahren alle Fahrzeuge nach rechts an den jeweiligen Straßenrand!
Fährt ein Einsatzfahrzeug auf gleicher Höhe, Geschwindigkeit verringern und Einsatzfahrzeug einscheren lassen.
Bei entgegenkommenden Einsatzfahrzeugen nach rechts ausweichen, Tempo verringern und notfalls anhalten.
Vor einer roten Ampel nach rechts ausweichen und ggf. über die Haltelinie in die Kreuzung einfahren, wenn dies der Verkehr zulässt. Schon ein Meter kann nachfolgenden Fahrzeugen das Rangieren ermöglichen und dem Einsatzfahrzeug so freie Fahrt bieten.
Auch Fußgänger und Radfahrer müssen Einsatzfahrzeuge passieren lassen und dabei auf eigene Vorrechte verzichten.
Immer den Blinker setzen um den Einsatzfahrzeugen anzuzeigen, in welche Richtung man Platz schaffen will, dabei auf andere Verkehrsteilnehmer achten.
Starten sie vor Unfallstellen keine wilden Wendemanöver, den anfahrenden Einsatzfahrzeugen könnte hierdurch die Anfahrt zur Einsatzstelle blockiert werden.
