Mi, 15:45 Uhr
27.01.2016
Leimbach hält durch: Bis zum letzten Tag
Letzter Hettstedter CDU-Info-Stand in drei Wochen
Keine Angst vor eisigen Zeiten: Mit CDU-Eiskratzer unterm Schirm an der Hettstedter Linde kamen heute Vormittag Thomas Leimbach, Waltraud Hornickel, Rainer vor der Straße und Antje Pazak (v. l.) miteinander ins Gespräch. (Foto: Jochen Miche)
Seit sechs Jahren leuchtete aller vier Wochen schon von weitem der weiß-orange Sonnenschirm der CDU. Am Tisch standen abwechselnde Gruppen, zwei Personen aber sah man fast immer: Thomas Leimbach, Abgeordneter der CDU im Landtag von Sachsen-Anhalt, und seine Hettstedter Mitarbeiterin, Antje Pazak. Hinzu gesellten sich oft Parteifreunde, wie heute der Chef der Volksküche, Rainer vor der Straße, und Bürger aus Hettstedt und Umgebung, wie vorhin neben etlichen anderen die Vorsitzende des Fördervereins Gangolfkirche, Waltraud Hornickel.
Der Schirm hatte viele Funktionen. Zunächst war er immer eine Art Leuchtturm auf dem Weg zum Strand oder, anders gesagt, ein Wegweiser zum Stand. Er schützte die Gesprächspartner vor Sonne, Regen und Schnee. Nur mit dem Wind kam er nicht zurecht – auch heute musste er die meiste Zeit windschlüpfrig und geschlossen bleiben.
Was unter diesem Schirm besprochen wurde, hatte selten harten Verhandlungscharakter, aber das war auch nicht die Absicht. Es wurde hier auch kein Wahlkampf im klassischen Sinn betrieben, meinte Thomas Leimbach heute Vormittag. Hier wurde informiert und ausgetauscht. Meist stellten die Bürger Fragen an den Landtagsabgeordneten, manchmal war es auch umgekehrt, wie im vergangenen Juli, als er sie fragte, was sie von der Entscheidung der Bundesregierung zu den Ereignissen in Griechenland halten. Damals fand ein Viertel der Befragten die Politik von Angela Merkel gut, und es gab nur wenige Kritiker. Wie eine Befragung heute ausgehen würde, beispielsweise zur Asylpolitik, kann niemand sagen – aber es gab auch heute Vormittag am Info-Stand Zustimmung zu Frau Merkels Ringen um ein menschliches Antlitz der Bundesrepublik.
Seit Monaten weiß Thomas Leimbach, dass er in der kommenden Legislaturperiode nicht mehr in den Landtag einziehen wird. Aufgrund der Verkleinerung des Landtages mussten die Wahlkreise vergrößert und die Region Mansfeld-Südharz neu aufgeteilt werden. Dabei fiel der Raum Hettstedt, dessen Wahlkreis er 2011 gewonnen hatte, an Eisleben und damit an den Landtagsabgeordneten Eduard Jantos, der nun auch im Hettstedter Bereich um Stimmen werben wird. Ein kleiner Teil des früheren Wahlbezirks (Einheitsgemeinde Stadt Arnstein) fiel an Aschersleben. Leimbach ist umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Bevor er in den Landtag in Magdeburg einzog, war er Leiter des Landesverwaltungsamtes in Halle.
Leimbach ist vorläufig noch in seinem Abgeordnetenbüro in der Unteren Bahnhofstraße 2 in Hettstedt anzutreffen. Und, erneut zwischen 9 und 12 Uhr, am 17. Februar auf dem Markt. Auf die Frage, warum er sich jeden Monat erneut auf den Markt stelle, obwohl er wisse, dass seine Landtagstätigkeit zu Ende gehe, antwortete er heute: Das ist eine Frage des Anstands. Ich bin von den Menschen hier gewählt worden, und ich stehe eben zu meinem Wort – bis zum letzten Tag. Das Ende seiner Abgeordnetentätigkeit bedeutet einen Neuanfang in seinem alten Beruf als Anwalt; er wird in der Kanzlei Degen-Leimbach-Scholz in Magdeburg und Leipzig arbeiten.
Wer Thomas Leimbach Worte wie Endlich gehen Sie oder Danke für die Treue, die Sie Hettstedt gehalten haben, für die Dinge, die Sie in Magdeburg angestoßen, ins Rollen und zu Ende gebracht haben, zum Abschied sagen will, sollte sich den 17. Februar 2016, 9 bis 12 Uhr vormerken. Ganz sicher ist Leimbach dann wieder unter dem weiß-orangen Schirm anzutreffen. Unsicher ist lediglich, ob der Schirm aufgespannt ist.
Jochen Miche