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So, 22:00 Uhr
17.01.2016
Gemeinsamer Neujahrsempfang

Geschichte soll Geld bringen

Klein, Weiss und Born standen Spalier, hunderte Menschen im Eingangsbereich und vor der Mammuthalle in Sangerhausen standen Schlange. Es war zum Neujahrsempfang eingeladen worden. Da war das Schlangestehen vorhersehbar gewesen, nicht aber manche Neuigkeit.

Blick in den Saal zum Neujahrsempfang in der Sangerhäuser Mammuthalle. Mehr als 600 Menschen waren gekommen. (Foto: Jochen Miche) Blick in den Saal zum Neujahrsempfang in der Sangerhäuser Mammuthalle. Mehr als 600 Menschen waren gekommen. (Foto: Jochen Miche)

Neu war beispielsweise die Zahl der angekündigten Gäste: mehr als 600. Dennoch hatte die Landrätin, Dr. Angelika Klein (Die Linke), vor, jeden Gast persönlich zu begrüßen. Assistiert wurde sie, wie bereits im vorigen Jahr, vom Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Mansfeld-Südharz, Hans Ulrich Weiss, und dem Vorsitzenden des Kreistages und Abgeordneten des Landtages von Sachsen-Anhalt, Norbert Born (SPD).

Sie drückten eine Stunde lang den Ankommenden die Hand, und sie hätten wohl statt knapp 500 alle 600 Eingeladenen persönlich begrüßt, wären die Zeiger der Uhr nicht inzwischen auf 17 Uhr gerückt und sie genötigt gewesen, zu ihren Plätzen zu gehen: Beginn des gemeinsamen Neujahrsempfangs des Landkreises Mansfeld-Südharz, der Sparkasse Mansfeld-Südharz und der Standortmarketing Mansfeld-Südharz GmbH (SMG). Auch dies neu: Gemeinsamkeit – eines der Ziele der mit ins Boot genommenen und kräftig nach vorn strebenden Standortmarketinggesellschaft, die immer wieder gebetsmühlenartig die Gemeinsamkeiten, gemeinsamen Interessen und die in den Unternehmen und Menschen der Region schlummernden gemeinsamen Kräfte heraufbeschwört. Und die zunehmend Gehör zu finden scheint, wie viele erfolgreiche Aktionen inzwischen zeigen.

Aus vielen Orten waren Vertreter der Feuerwehren der Einladung zum Neujahrsempfang gefolgt. Hier eine Gruppe aus Hornburg. (Foto: Jochen Miche) Aus vielen Orten waren Vertreter der Feuerwehren der Einladung zum Neujahrsempfang gefolgt. Hier eine Gruppe aus Hornburg. (Foto: Jochen Miche)
Erstmals bei einem Neujahrsempfang wurden verdienstvolle Bürger mit einer Ehrenmedaille des Landkreises ausgezeichnet. Diese Ehrungen erfuhren die Frauenrechtlerin Eva-Maria Kotzur (Laudatio: Dr. Angelika Klein) und der Mitbegründer und langjährige Vorsitzende des Kreisseniorenrates Hans-Georg Schmitt (Laudatio: Hans Ulrich Weiss) - msh-online stellt die Geehrten in separaten Beiträgen „Ehrenmedaille für…“ vor.

Musikalisch umrahmt wurde auch dieser Neujahrsempfang wieder durch das Jugendblasorchester der Kreismusikschule Mansfeld-Südharz „Carl Christian Agthe“ unter Leitung von Maik Menzel – eine gute Entscheidung – genau wie die, die Organisation des anschließenden Imbisses in die Hände von Deckert´s Hotel und Restaurant zu legen.

Musik, Essen, Gespräche – das waren die Kür, der die Pflicht voraus ging. Und zu der gehörten Grußworte, zum Beispiel des Hauptgastes des Abends, des Ministers für Arbeit und Soziales des Landes Sachsen-Anhalt, Norbert Bischoff (SPD), und eine Rede des Sparkassenchefs, Hans Ulrich Weiss.

Zunächst aber arbeitete die Gastgeberin, Landrätin Dr. Angelika Klein, eine lange Gästeliste ab, begrüßte Honoratioren aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft und Amtskollegen aus Nachbarkreisen. Ganz besonders hieß sie die vielen Vertreter des Ehrenamtes willkommen: „Ob Ortsbürgermeister, Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren, des THW, der vielen Vereine und Verbände – Sie alle engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich für das Wohl der Bürgerinnen und Bürger unseres Landkreises. Das verdient Respekt und Anerkennung – und deshalb freue ich mich ganz besonders, dass Sie heute hier sind.“ Ein Blick in die zum Festsaal umfunktionierte Mammuthalle gab ihren Worten Recht: Es waren besonders viele Feuerwehrleute anwesend – Frauen und Männer, die viel Freizeit mit Übungen verbringen, um im Ernstfall unter Einsatz ihres Lebens Menschen aus verunglückten Fahrzeugen oder brennenden Häusern retten und Schäden an Leib und Gut eingrenzen zu können.

Begegnungen am Rande: Die Stimme von MDR Radio Sachsen-Anhalt, Theo M. Lies (links), im Gespräch mit der Stimme der Nordthüringer evangelischen Christen, Superintendent Kristóf Bálint. (Foto: Jochen Miche) Begegnungen am Rande: Die Stimme von MDR Radio Sachsen-Anhalt, Theo M. Lies (links), im Gespräch mit der Stimme der Nordthüringer evangelischen Christen, Superintendent Kristóf Bálint. (Foto: Jochen Miche)
Nur mit viel ehrenamtlichem Engagement wird auch ein Problem zu lösen sein, das den Landkreis im vergangenen Jahr mit großer Wucht getroffen hat: die Flüchtlingswelle. Eine nie erwartete Anzahl von Flüchtlingen aus Kriegs- und Krisengebieten musste aufgenommen und untergebracht werden. „Die enormen Anstrengungen zu bewältigen wäre nicht möglich gewesen, wenn wir nicht so viele freiwillige Helfer an unserer Seite gehabt hätten“, erklärte die Landrätin und dankte den Beteiligten vor Ort.

„Derzeit leben knapp 2.000 Flüchtlinge in unserem Landkreis – das entspricht 1,5 Prozent unserer Gesamtbevölkerung. Unser Ziel in diesem Jahr muss es nun sein, die anerkannten Asylbewerber so schnell wie möglich und erfolgreich zu integrieren.“ Dazu gehöre zu allererst das Erlernen der deutschen Sprache. In vielen Unterkünften haben sofort nach Bezug die ersten Sprachkurse begonnen – meist organisiert von Freiwilligen. Gut voran gekommen sei die Integration im Sport, wie beim FC Hettstedt (Fußball) und dem Kampfsport-Athletik-Verein Mansfelder Land (Ringen), dem im Übrigen das Ergebnis der traditionellen Spendenaktion zum Neujahrsempfang zugedacht wurde.

Mit ebenso besinnlichen wir temperamentvollen Melodien bereicherte das Jugendblasorchester der Kreismusikschule "Carl CHristian Agthe" den Neujahrsempfang. (Foto: Jochen Miche) Mit ebenso besinnlichen wir temperamentvollen Melodien bereicherte das Jugendblasorchester der Kreismusikschule "Carl CHristian Agthe" den Neujahrsempfang. (Foto: Jochen Miche)
Auf die Wirtschaft bezogen und mit Blick auf das neue Jahr meinte die Landrätin erleichtert: „Ein wichtiger Grundstein für einen Neuanfang ist noch im alten Jahr gelegt worden: Die Ansiedlung der MIFA Bike GmbH am neuen Standort in Sangerhausen ist gesichert – der Neubau kann bald starten. Das ist ein starkes Signal für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MIFA und es ist wichtig für den Arbeitsmarkt in unserem Landkreis.“

Als problematisch für die zwar stabile, wenn auch kleinteilige Wirtschaftsstruktur im Landkreis mit ihrem hohen Exportanteil sieht Dr. Klein das Exportverbot nach Russland bzw. das nun erlassene Einfuhrverbot von Seiten Russlands. Dieses trifft die Wirtschaft wie auch die Landwirtschaft. „Insofern“, bemerkte sie, „freue ich mich, dass der Landkreis erstmals seit Jahren auf der Grünen Woche in Berlin vertreten ist. Sechs Unternehmen und auch der Landkreis stellen sich in den kommenden Tagen dort vor. Unsere Standortmarketinggesellschaft spielt hierbei eine große Rolle. Auch wenn wir nicht wöchentlich große Unternehmensansiedlungen verkünden können, so sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SMG stets im Kontakt mit potentiellen Investoren, um für unsere Region zu werben und die Rahmenbedingungen für Ansiedlungen zu schaffen – was (wie wir alle wissen) nicht immer einfach ist. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir hier in diesem Jahr auch Erfolgsmeldungen verkünden können.“

Wollen eine gute Zukunft für das Mansfeld-Museum Hettstedt absichern: Kurator Ralf Würth und Veronika Mayer aus München, hier im Gespräch mit Hettstedts Bauamtsleiterin Susanne Löbus (links). (Foto: Jochen Miche) Wollen eine gute Zukunft für das Mansfeld-Museum Hettstedt absichern: Kurator Ralf Würth und Veronika Mayer aus München, hier im Gespräch mit Hettstedts Bauamtsleiterin Susanne Löbus (links). (Foto: Jochen Miche)
Dieses Unternehmen nahm weiteren Raum in den Ausführungen der Landrätin ein. Sie sprach nicht nur Heimatfreunden und Historikern aus dem Herzen, als sie ein jahrzehntelang eher stiefmütterlich behandeltes Thema anschnitt: „In diesem Jahr wollen wir stärker als bisher mit unserer einzigartigen Geschichte wuchern. Auch hier ist die SMG ein ganz wichtiger Partner. Ausgehend vom Reformationsjubiläum im kommenden Jahr wird seit Monaten die Werbetrommel für unsere Region gerührt. Gemeinsam mit der Reformationsbeauftragten des Landkreises, Frau Dr. Stolze, ihrem Kompagnon, Herrn Dr. Koch, haben die Touristiker der SMG schon viele Ideen entwickelt und setzen diese um.“

Im Arbeitskreis „Reformation“ haben sich viele verschiedene Akteure der Region zusammengefunden, die mithelfen, die entwickelten Ideen umzusetzen. In punkto Reformationsjubiläum habe inzwischen eine noch vor einem Jahr nicht spürbare Dynamik eingesetzt. Die Vermarktung des Jubiläums sei ebenso wichtig wie die Nachhaltigkeit. Dr. Klein: „Luther, Müntzer und viele andere Persönlichkeiten haben hier ihre Spuren hinterlassen und Weltgeschichte geschrieben. Das gilt es zu vermarkten – und das wird uns gemeinsam auch gelingen.“

Wieder das Wort „gemeinsam“. Die Landrätin schwor die Anwesenden auf diesen Punkt ein. „Gelegenheit zu zeigen, woher wir kommen, was wir haben und wer wir sind, dazu bekommen wir in diesem und auch im nächsten Jahr die Gelegenheit, und zwar, wenn zweimal hintereinander das Landesfest – der Sachsen-Anhalt-Tag – in unserem Landkreis stattfindet.“

Hans Ulrich Weiss, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mansfeld-Südharz, fesselte seine Zuhörer mit einem spannenden Wirtschaftsbericht. Er sprach vielen Anwesenden aus dem Herzen, als er das Internet als „Segen und Fluch zugleich“ bezeichnete. Er wünsche sich eine regionale Antwort auf Amazon & Co.; aus diesem Grunde unterstützt sein öffentlich-rechtliches Geldinstitut auch die Verbesserung der Attraktivität von Innenstädten unter anderem durch Finanzierung von Objektsanierungen und Existenzgründungen.


Nach einem Exkurs zu der Lage an den Finanzmärkten und den bedenklichen Auswirkungen der Niedrigzinsen auch für die Altersvorsorge jedes einzelnen Menschen gab Weiss einen Einblick in die Geschäftsentwicklung 2015 der Sparkasse Mansfeld-Südharz. Es sei ein gutes Geschäftsjahr gewesen, erklärte der Vorstandschef. Eine Zahl ließ aufhorchen: Die Sparkasse verwaltet mehr als 1,4 Milliarden Euro an Geldern ihrer Kunden – als Einlagen, Wertpapier-, Bauspar- und Versicherungsvermögen. Eine deutliche Entwicklung verzeichnet die Sparkasse bei den Darlehenszusagen. Unternehmen und Selbständige erhielten Zusagen über 48 Millionen Euro (2014: 26 Millionen Euro) und Privatpersonen für 45 Millionen Euro (2014: 38 Millionen Euro). Außerdem konnten 2015 insgesamt 37 Existenzgründungen gefördert werden, mit denen 58 Arbeitsplätze geschaffen wurden, so Hans Ulrich Weiss.

Eine besonders erfreuliche Zahl hob sich Weiss für den Schluss seiner Rede auf: „Durch besonnenes Wirtschaften war es uns auch im vergangenen Jahr möglich, gemeinnützige Vorhaben und Projekte in unserem Landkreis zu fördern. Insgesamt wurden rund 400.000 Euro an Spenden und Sponsoring vergeben.“


Das war Musik in den Ohren mancher Gäste im Saal; auch in diesem Jahr fördert das Geldinstitut wieder zahlreiche gemeinnützige Projekte im Landkreis.

Am Ende des offiziellen Teils beschworen die Anwesenden mit dem Steigerlied wieder alte Zeiten und gruben voller Wehmut „das Silber und das Gold bei der Nacht aus Felsgestein“. Doch die Wehmut verflog mit dem letzten Takt des Liedes und die Anwesenden ließen den Abend bei einem Imbiss mit fröhlichen Gesprächen ausklingen.
Jochen Miche
Der Vorsitzende des Vorstandes der Sparkasse Mansfeld-Südharz, Hans Ulrich Weiss, während seiner Ansprache. (Foto: Jochen Miche)
Etwa die Hälfte der Gäste des Neujahrsempfanges fand einen Sitzplatz, das war bequem. Interessanter jedoch fand mancher die Möglichkeit, sich an einem Stehtisch zu platzieren - der leichteren Möglichkeit eines Gesprächspartnerwechsels wegen. (Foto: Jochen Miche)
Autor: jm

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