Fr, 07:21 Uhr
01.01.2016
Fünf Feuerwehren im Einsatz in Sittichenbach - Brandursache noch ungeklärt
Großbrand: Altersvorsorge ist vernichtet
Eine 60 mal 25 Meter große Scheune ist am heutigen Neujahrsmorgen in Sittichenbach abgebrannt. Fast 60 Feuerwehrleute löschten seit kurz nach ein Uhr das Feuer. Stehen blieb nur ein massiv errichteter Restteil (links im Bild). (Foto: Jochen Miche)
Einem Großbrand ist in dieser Nacht in Sittichenbach eine Feldscheune zum Opfer gefallen. Ersten Schätzungen zufolge beläuft sich der Schaden auf mehr als 100.000 Euro. 59 Frauen und Männer aus fünf Feuerwehren bekämpften etwa seit halb zwei den Brand, der in ungewöhnlich kurzer Zeit die ganze Scheune zum Lodern gebracht hatte.Ein Anwohner, der seinen Namen nicht nennen wollte, äußerte sich verwundert über die Tatsache, dass die Scheune innerhalb nur einer halben Stunde auf der gesamten Länge von fast 60 Metern lichterloh gebrannt habe. Eine Silvesterrakete könne aus seiner Sicht dieses verhältnismäßig große Gebäude nicht in so kurzer Zeit derart heftig in Brand gesetzt haben, wurde noch während der Löschmaßnahmen auch von anderen Schaulustigen diskutiert. Tatsächlich ist die Brandursache jedoch noch unklar.
Die Feuerwehrleute, die laut Ramon Friedling kurz nach ein Uhr heute Morgen alarmiert worden waren, hatten keine Zeit für Spekulationen. Sie, die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehren Osterhausen, Rothenschirmbach und Eisleben/Helfta, fanden nach ihrem Eintreffen in Sittichenbach eine lichterloh brennende Scheune vor und mussten den Brand schnellstens unter Kontrolle bringen. Es galt, Schlimmeres zu verhindern: das Übergreifen des Feuers auf Wohnhäuser in der unmittelbaren Nachbarschaft.
Dies gelang den Feuerwehrleuten unter Führung des Einsatzleiters Uwe Gänsler. Gänsler, der stellvertretende Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Osterhausen, musste allerdings für diese Aufgabe weitere Feuerwehren hinzuziehen. So wurden zusätzlich die Wehren Wolferode und Schmalzerode alarmiert. Schließlich waren fast 60 Feuerwehrleute mit insgesamt zehn Lösch- und anderen Fahrzeugen bis in die heutigen Morgenstunden im Einsatz.
Ramon Friedling, der Stadtwehrleiter der Lutherstadt Eisleben, der den Einsatzleiter vor Ort unterstützte, erklärte unserer Zeitung, was die Arbeit so zeitaufwändig macht: Der Wind verursachte starken Funkenflug. Zunächst musste das Wohnhaus auf der Nordseite geschützt werden – das ist gelungen. Zudem hatten sich auf der gesamten Länge der Scheune – sie ist 60 mal 25 Meter groß – Brandabschnitte gebildet, die bekämpft werden mussten.
Dies war ebenfalls gelungen – im Übrigen auch, weil dank eines Löschteiches im Ort ausreichend Wasser zur Verfügung stand. So konnte der Brand schnell unter Kontrolle gebracht werden. Allerdings werden auch heute im Laufe des gesamten Tages noch mehrere Feuerwehrleute im Einsatz sein. Friedling: Mindestens bis Mittag, vermutlich aber länger, muss eine Restablöschung erfolgen.
Unter denen, die den Brand und die Löscharbeiten aus sicherer Entfernung, jedoch vollkommen ungläubig den Kopf schüttelnd beobachteten, war der frühere Sittichenbacher Bürgermeister, Rüdiger Folta. Ihm hatte diese Scheune, die vor wenigen Jahren noch eine Pkw-Verwertung beherbergte, bis vor anderthalb Monaten gehört. Erst im November 2015 war das Objekt seiner Schwiegertochter, Maren Folta, notariell überschrieben worden, erklärte er in dieser Nacht im Gespräch. Unter dem Dach des großen Gebäudes befindet sich bis heute eine Metallrecyclingfirma, ein Transportunternehmen und ein Hausmeisterservice.
Mit dieser Scheune ist meine Altersversorgung vernichtet worden, beklagte Rüdiger Folta. Immerhin seien dort große Mengen Fahrzeugersatzteile gelagert worden, standen Pkw-Anhänger, Container und viele weitere Dinge, mit denen er als Rentner gearbeitet und was ihm einen kleinen Zuverdienst gesichert hätte. Mit einem bitteren Unterton in der Stimme erinnerte Folta an ein Ereignis, das diese Scheune schon einmal heimgesucht hatte: eine Windhose im Jahr 1994. Der Südflügel der Scheune habe sich damals alles andere als ein Fels in der Brandung erwiesen – genau wie die Versicherung, die überhaupt nicht daran dachte, für den Schaden aufzukommen, so Folta. Ein 300 Quadratmeter großer Anbau sei für insgesamt 70.000 Mark seinerzeit ohne Unterstützung durch die Versicherung errichtet worden.
Die Mauern dieses Seitenflügels blieben beim Brand in dieser Nacht stehen. Andere, instabil gewordene Mauern hingegen mussten von den Feuerwehrleuten umgekippt werden, um Gefahren auszuschließen. Am Ende blieb ein Schutthaufen, den in einer solchen Größe offenkundig die wenigsten eingesetzten Feuerwehrleute schon einmal je gesehen hatten, wie Einsatzleiter Uwe Gänsler bestätigte.
Jochen Miche




