Do, 18:43 Uhr
10.12.2015
Vorlesewettbewerb in Stadtbibliothek Hettstedt
Kein Problem mit dem Echolotsystem
Was gefällt dir am Vorlesen hier in der Bibliothek am meisten? Kein Mathe. Wie bitte?! Sophie blickt verschmitzt lächelnd in die Runde. Was wohl ihre Mitschüler(innen) von der Hettstedter Ganztagsschule Anne Frank dazu sagen werden.
Die Teilnehmer am heutigen Vorlesewettbewerb in der Hettstedter Stadtbibliothek "Gottfried August Bürger". (Foto: Jochen Miche)
Selbst der Autor dieser Zeilen, der leichtsinnigerweise die obige Frage gestellt hatte, stimmt Sophie mit einem unauffälligen Kopfnicken und dem geflüsterten Satz Ich habe Mathe auch nicht gemocht zu. Solches jedoch unter Sechstklässlern zuzugeben, ist, pädagogisch gesehen, ja nun völlig daneben. Zum Glück haben es die Lehrerinnen Antje Eimler und Sigrid Fuchs, die mit der Buchhändlerin Sylvia Geilert (Die Bücherfee) und Bibliothekarin Susanne Besser in der Jury sitzen, nicht gehört.
Was gefiel den sechs Mädchen und zwei Jungen der Hettstedter Ganztagsschule Anne Frank heute Vormittag noch so am Vorlesewettbewerb in der Stadtbibliothek Gottfried August Bürger? Zwei von ihnen freuten sich, dass ihnen der Physikunterricht erspart blieb, zwei andere jedoch bedauerten, dass ihnen das Freizeitzentrum Tiegel entging. Besonders Cassidy liebt die dortigen Spiele. Ihre Klassenkameradin dagegen hätte sich auf das Backen im Tiegel gefreut, was aber sofort zu einem kleinen Streit führte: Das kann man doch nicht essen, was da gebacken wird! Worauf die Antwort kam: Das schmeckt doch gut!
Ziehen wir uns einfach aus dem Wortgefecht zurück zwischen die mit hunderten Büchern gefüllten Regale und erinnern uns der Momente, als sich alle acht Kinder noch in derselben Gefühlslage befanden: im Zustand großer Aufregung. Nacheinander mussten sie ihr Lieblingsbuch und dessen Autor(in) in einem kurzen Vortrag vorstellen und eine Seite vorlesen. Die Angespanntheit hielt auch nach diesem ersten Teil an. Deutschlehrerin Antje Eimler sprach ihnen Mut zu: Ihr seid alle schon Sieger. Ihr seid doch die Besten eurer Klasse.
In der Tat war dem heutigen Lesen ein Wettbewerb in den sechsten Klassen der Ganztagsschule vorausgegangen. Wie in jedem Jahr lädt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Vorlesewettbewerb in die Stadtbibliothek ein. Laut Bibliothekarin Susanne Besser nutzen zahlreiche Schulen dieses Angebot. Für Susanne Besser ist das Interesse gerade der Elf-, Zwölfjährigen ein Hoffnungszeichen dafür, dass Kinder dieser Altersgruppe die Literatur für sich als etwas Wichtiges entdeckt haben und dem Lesen weiterhin treu bleiben.
Gestern zum Beispiel trugen die lesefreudigsten Sechstklässler des Hettstedter Wilhelm und Alexander von Humboldt Gymnasiums in der Stadtbibliothek ihren Lesewettstreit aus. Zur Siegerin gekürt wurde von ihnen Hannah Rückebeil. Mit Spitzenleistungen folgten ihr dichtauf Laura Wolf, Wiland Grunewald und Emily Baier.
Gestern wie heute zeigte sich eine breite Themenvielfalt. Von der Liebesgeschichte über Abenteuer und Fantasy zog sich der Bogen bis hin zur Dokumentation. Gelesen wurde von allen sehr diszipliniert und weitgehend fließend. Mancher nahm den Zeigefinger dazu, um nicht aus der Zeile zu rutschen. Falsch gelesen wurden nur wenige Worte, und das fast nur beim Fremden Text. Nach dem Wunschtext aus einem mitgebrachten Buch gab es eine zweite Runde, in der aus einem den Kindern nicht bekannten Buch vorgelesen werden musste. Auch hier zeigten sich die Mädchen und Jungen souverän und gab es kaum Versprecher.
Professionell überspielt wurden die meisten Stolperer. In manchen Fällen wären aber vielleicht auch lesegeübte Erwachsene hängen geblieben. Wie die Schülerin Lucy Bröder aus Heiligenthal beim Wort Echolotsystem im fremden Text. Sie hatte, nach einem ersten kleinen Stolpern, kein Problem mehr mit diesem Wort, sondern las laut, fließend, gut artikulierend, die Stimme je nach Aussage hebend oder senkend, ihren Text zu Ende. Da stand für manchen Zuhörer fest: Das könnte die heutige Siegerin werden. – Und sie wurde es. Die Jurorinnen einigten sich außerdem darauf, die sieben ebenfalls sehr guten anderen Schüler als Zweitplatzierte mit Urkunden und Büchern auszuzeichnen.
Erst nach einigem Zögern, hoffend, dass sie nicht sagen würde endlich mal kein Unterricht, wurde Lucy die obligatorische Frage gestellt: Was hat dir am Vorlesewettbewerb am besten gefallen? Und da kam sie noch, die Antwort, über die sich jeder Bücherfreund so freut: Das Lesen. Ich liebe es. Lese jeden Tag eine Stunde.
Jochen Miche
Autor: jm
Die Teilnehmer am heutigen Vorlesewettbewerb in der Hettstedter Stadtbibliothek "Gottfried August Bürger". (Foto: Jochen Miche)
Selbst der Autor dieser Zeilen, der leichtsinnigerweise die obige Frage gestellt hatte, stimmt Sophie mit einem unauffälligen Kopfnicken und dem geflüsterten Satz Ich habe Mathe auch nicht gemocht zu. Solches jedoch unter Sechstklässlern zuzugeben, ist, pädagogisch gesehen, ja nun völlig daneben. Zum Glück haben es die Lehrerinnen Antje Eimler und Sigrid Fuchs, die mit der Buchhändlerin Sylvia Geilert (Die Bücherfee) und Bibliothekarin Susanne Besser in der Jury sitzen, nicht gehört.
Was gefiel den sechs Mädchen und zwei Jungen der Hettstedter Ganztagsschule Anne Frank heute Vormittag noch so am Vorlesewettbewerb in der Stadtbibliothek Gottfried August Bürger? Zwei von ihnen freuten sich, dass ihnen der Physikunterricht erspart blieb, zwei andere jedoch bedauerten, dass ihnen das Freizeitzentrum Tiegel entging. Besonders Cassidy liebt die dortigen Spiele. Ihre Klassenkameradin dagegen hätte sich auf das Backen im Tiegel gefreut, was aber sofort zu einem kleinen Streit führte: Das kann man doch nicht essen, was da gebacken wird! Worauf die Antwort kam: Das schmeckt doch gut!
Ziehen wir uns einfach aus dem Wortgefecht zurück zwischen die mit hunderten Büchern gefüllten Regale und erinnern uns der Momente, als sich alle acht Kinder noch in derselben Gefühlslage befanden: im Zustand großer Aufregung. Nacheinander mussten sie ihr Lieblingsbuch und dessen Autor(in) in einem kurzen Vortrag vorstellen und eine Seite vorlesen. Die Angespanntheit hielt auch nach diesem ersten Teil an. Deutschlehrerin Antje Eimler sprach ihnen Mut zu: Ihr seid alle schon Sieger. Ihr seid doch die Besten eurer Klasse.
In der Tat war dem heutigen Lesen ein Wettbewerb in den sechsten Klassen der Ganztagsschule vorausgegangen. Wie in jedem Jahr lädt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum Vorlesewettbewerb in die Stadtbibliothek ein. Laut Bibliothekarin Susanne Besser nutzen zahlreiche Schulen dieses Angebot. Für Susanne Besser ist das Interesse gerade der Elf-, Zwölfjährigen ein Hoffnungszeichen dafür, dass Kinder dieser Altersgruppe die Literatur für sich als etwas Wichtiges entdeckt haben und dem Lesen weiterhin treu bleiben.
Gestern zum Beispiel trugen die lesefreudigsten Sechstklässler des Hettstedter Wilhelm und Alexander von Humboldt Gymnasiums in der Stadtbibliothek ihren Lesewettstreit aus. Zur Siegerin gekürt wurde von ihnen Hannah Rückebeil. Mit Spitzenleistungen folgten ihr dichtauf Laura Wolf, Wiland Grunewald und Emily Baier.
Gestern wie heute zeigte sich eine breite Themenvielfalt. Von der Liebesgeschichte über Abenteuer und Fantasy zog sich der Bogen bis hin zur Dokumentation. Gelesen wurde von allen sehr diszipliniert und weitgehend fließend. Mancher nahm den Zeigefinger dazu, um nicht aus der Zeile zu rutschen. Falsch gelesen wurden nur wenige Worte, und das fast nur beim Fremden Text. Nach dem Wunschtext aus einem mitgebrachten Buch gab es eine zweite Runde, in der aus einem den Kindern nicht bekannten Buch vorgelesen werden musste. Auch hier zeigten sich die Mädchen und Jungen souverän und gab es kaum Versprecher.
Professionell überspielt wurden die meisten Stolperer. In manchen Fällen wären aber vielleicht auch lesegeübte Erwachsene hängen geblieben. Wie die Schülerin Lucy Bröder aus Heiligenthal beim Wort Echolotsystem im fremden Text. Sie hatte, nach einem ersten kleinen Stolpern, kein Problem mehr mit diesem Wort, sondern las laut, fließend, gut artikulierend, die Stimme je nach Aussage hebend oder senkend, ihren Text zu Ende. Da stand für manchen Zuhörer fest: Das könnte die heutige Siegerin werden. – Und sie wurde es. Die Jurorinnen einigten sich außerdem darauf, die sieben ebenfalls sehr guten anderen Schüler als Zweitplatzierte mit Urkunden und Büchern auszuzeichnen.
Erst nach einigem Zögern, hoffend, dass sie nicht sagen würde endlich mal kein Unterricht, wurde Lucy die obligatorische Frage gestellt: Was hat dir am Vorlesewettbewerb am besten gefallen? Und da kam sie noch, die Antwort, über die sich jeder Bücherfreund so freut: Das Lesen. Ich liebe es. Lese jeden Tag eine Stunde.
Jochen Miche





