Mi, 15:37 Uhr
02.12.2015
Rührende Beweise der Hilfsbereitschaft nach Zerstörung der Hettstedter Weihnachtsbaumbeleuchtung
Wer kommt bloß auf solch eine Idee?
Dieser Weihnachtsbaum könnte Geschichten erzählen: Am 24. November wurde er in Sylda gefällt, Stunden später in Hettstedt aufgebaut, am 26. November elektrifiziert und geschmückt, am 28. November für msh-online fotografiert, am Tag darauf eines Teils seiner Beleuchtung beraubt. (Foto: Jochen Miche)
Karsten Franke, Technischer Leiter der Stadtwerke Hettstedt, ist fassungslos: Wer kommt bloß auf eine solche Idee, harmlose Dinge zu zerstören, die im Grunde allen Bürgern gehören und vor allem allen Bürgern Freude bereiten? Die Rede ist vom Diebstahl zahlreicher Leuchtmittel am Hettstedter Weihnachtsbaum.Der Diebstahl von etwa 20 so genannten Leuchtmitteln (besser bekannt als Glühbirnen) am Wochenende hat für großen Verdruss bei vielen Menschen in Hettstedt gesorgt. Zum Beispiel bei Bürgern, die seit vorigem Donnerstag, als die Beleuchtung erstmals erstrahlte, ganz bewusst Abendspaziergänge zum Hettstedter Markt unternehmen. Wenn da plötzlich alles andere, nur der Weihnachtsbaum nicht mehr leuchtet, sorgt das für Kummer.
Verdruss auch bei denen, die die Mühe auf sich genommen hatten, den Weihachtsbaum zu errichten und zu schmücken, also beim Bauhof der Stadt, der Freiwilligen Feuerwehr mit ihrer modernen Technik und den Mitarbeitern der Stadtwerke, die sich um Installation, Reparatur und Stromversorgung kümmern. Ein eingespieltes Team ist da am Werk, um zwischen Ende November und 6. Januar Hettstedts Innenstadt in jene Weihnachtsatmosphäre zu tauchen, für die die Stadt vor allem von Besuchern immer wieder gelobt wird.
An diesen schönen Dingen haben in den zurückliegenden Tagen einige Gewissenlose ihren Unmut ausgelassen. So wurden am Saigertor in etwa 3,50 Meter Höhe zwei Weihnachtsschweife zerstört, deren Überreste Netzmonteure der Stadtwerke abmontieren und sichern mussten, damit niemand von eventuell herunter fallenden Teilen getroffen wird. Nächstes Ziel der Gewissen- und Gedankenlosen war der Weihnachtsbaum. Dort stahlen die unbekannten Täter 20 Leuchtmittel. Eine Tat, die manchen Hettstedter auf die Palme brachte. Aber auch zu rührenden, inzwischen offenkundig ganz hettstedttypisch gewordenen Beweisen der Hilfsbereitschaft geführt hat: Menschen kamen ins Bürgerbüro und boten der Stadt Glühlampenspenden an.
Diese wundervolle Geste erinnert Karsten Franke von den Stadtwerken an die zerstörten Fotoleinwände am Freimarkt. Damals durchzog Hettstedt eine Welle der Empörung und gleichermaßen der Hilfsbereitschaft. Dank vieler Spenden und bürgerschaftlichem Engagements konnten die Wände alsbald wieder repariert werden. Die beleuchteten Bilder erfreuen bis heute die Bewohner und Besucher der Stadt Hettstedt und informieren zugleich darüber, welche Attraktionen in dieser Stadt der Besichtigung harren.
Erfreut hat auch der seit Dienstag voriger Woche auf dem Markt stehende und ein paar Tage später bereits leuchtende Weihnachtsbaum. Er war zwar ein wenig kleiner als seine Vorgänger aus früheren Jahren, doch er ließ manches Herz höher schlagen beim Gedanken an die begonnene Adventszeit und an das Fest des Friedens und der Familie. Und dann das: der Diebstahl eines Teils der Beleuchtung. Karsten Franke, der verantwortlich ist für die Energienetze und Wärmeerzeugung in Hettstedt und Umgebung, ergänzt in dem Gespräch, das er heute Nachmittag msh-online gab: Eigentlich haben wir als Stadtwerke ganz andere Probleme. Auch das Kapitel Energiewende geht nicht reibungslos an uns vorüber. Aber wenn Dinge, die allen Menschen Freude bereiten sollen – und es auch tun -, zerstört werden, dann trifft das auch uns ganz tief.
Sicher: Die fehlenden Leuchtmittel sind schnell ersetzt. Allerdings werden für den unteren Bereich keine stromsparenden LED mehr genommen, sondern die herkömmlichen Glühbirnen, erfahren wir.
Karsten Franke, der Mann, der auch nachts für Durchblick und Wärme in Hettstedt sorgt, möchte sein Gespräch mit einem hoffnungsfrohen Gedanken schließen: Wer Hettstedts Innenstadt in seiner ganzen weihnachtlichen Schönheit erleben möchte, der ist am Freitag, dem 18. Dezember, eingeladen, das Stadtzentrum zu besuchen. Dann wird um 17 Uhr ein kleiner, aber feiner Weihnachtsmarkt und zum dritten Mal der Advent in den Kupferhöfen eröffnet. Und selbstverständlich werden bis dahin jeden Abend auf dem Markt der Weihnachtsbaum und die hübschen Lichterketten in weihnachtlicher Pracht erstrahlen, verspricht er.
Jochen Miche

