Digitalforum der Wirtschaft am 1. Juli 2026 in Magdeburg
Preisverleihung im Wettbewerb Digitale Erfolgsgeschichten aus Sachsen-Anhalt
Donnerstag, 02. Juli 2026, 15:05 Uhr
Die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs Digitale Erfolgsgeschichten aus Sachsen-Anhalt wurden am 1. Juli 2026 in der Handwerkskammer Magdeburg feierlich ausgezeichnet. Den ersten Platz belegte die Hallog GmbH aus der Lutherstadt Eisleben. Auf den zweiten Platz schaffte es Mein BioRind Inh. Kevin Schulze aus Groß Garz, während sich die Wohnungsgenossenschaft Seehausen/Altmark eG aus Seehausen über den dritten Platz freuen durfte...
Mit dem Wettbewerb würdigen die vier gewerblichen Kammern – Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau, Industrie- und Handelskammer Magdeburg, Handwerkskammer Halle (Saale) sowie Handwerkskammer Magdeburg – herausragende digitale und innovative Projekte aus Unternehmen der Region. Das Preisgeld beträgt insgesamt 9.000 Euro. Als Jurymitglied freue ich mich besonders darauf, die Digitalen Erfolgsgeschichten aus Sachsen-Anhalt sichtbar zu machen. Die Bewerbungen zeigen, dass viele Unternehmen den digitalen Wandel nicht nur diskutieren, sondern aktiv gestalten. Genau solche Beispiele brauchen wir, um weitere Betriebe zu ermutigen und den Austausch im Land zu stärken, sagte Prof. Dr. Stefan Voigt, Mitglied der Expertenjury und Leiter des Mittelstand-Digital Zentrums Magdeburg.
Die Preisverleihung war Teil des Digitalforums der Wirtschaft Sachsen-Anhalts, das in diesem Jahr in der Handwerkskammer Magdeburg stattfand. Die Veranstaltung machte deutlich: Die digitale Transformation ist in der regionalen Wirtschaft längst fest verankert. Doch neben den Chancen digitaler Zukunftstechnologien rückten auch zentrale Herausforderungen in den Fokus – insbesondere die Themen digitale Souveränität und IT-Sicherheit. Wie unabhängig sind Unternehmen von globalen Plattformen? Wie lassen sich Daten, Prozesse und Know-how wirksam schützen? Die Diskussionen zeigten klar: Unternehmen sind zunehmend gefordert, technologische Entwicklungen aktiv zu gestalten, Abhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig die Sicherheit ihrer digitalen Infrastrukturen zu gewährleisten.
Auf dem Foto v.l.n.r. :André Rummel (Hauptgeschäftsführer IHK Magdeburg), Kevin Schulze (2.Platz, Mein BioRind), Uwe Ritzmann (1.Platz, Hallog GmbH), Till Eric Ritzmann (1. Platz, Hallog GmbH), Lena Bieschewski (3.Platz, Wohnungsgenossenschaft Seehausen/Altmark eG), Andreas Dieckmann (Präsident, Handwerkskammer Magdeburg) (Foto: Bildquelle: Thomas Ertmer/ Handwerkskammer Magdeburg)
Über die Gewinner
Der erste Platzgeht an die Hallog GmbH aus der Lutherstadt Eisleben. Ziel des Projektes war es, mithilfe von Künstlicher Intelligenz mehr Effizienz in die eigenen Prozesse zu bringen. Die Digitalisierung von Frachtpapieren und Dokumentenabläufen zeigt eindrucksvoll, wie sich durch kontinuierliche Optimierung und den Einsatz intelligenter Systeme Fehler reduzieren und Abläufe stabilisieren lassen – ein praxisnaher Beitrag zu mehr Resilienz in der Logistik.
Die Umsetzung erwies sich zunächst als anspruchsvoll, da die Abläufe präzise an die bestehenden und nachgelagerten Prozesse angepasst werden mussten. Über mehr als ein Jahr hinweg wurden Schnittstellen optimiert, Prozesse mehrfach überarbeitet und interne Strukturen neu gedacht. Heute zahlt sich diese intensive Entwicklungsphase aus: Mit einer Fehlerquote von nur noch rund 0,8 Prozent arbeitet das System äußerst zuverlässig und effizient.
Das Unternehmen versteht Digitalisierung als kontinuierlichen Entwicklungsprozess. Durch stetige Optimierung und den gezielten Einsatz von KI werden Prozesse verbessert und die Stabilität auch bei personellen Engpässen gesichert.
Der zweite Platz geht an Mein BioRind von Inhaber Kevin Schulze aus Groß Garz. Aus Gesprächen über Fleisch, Tierhaltung und Transparenz entstand die Idee, den Weg vom Tier bis zum Kunden wieder sichtbar zu machen. Ziel war es, Fleisch nicht anonym über Zwischenhändler zu vertreiben, sondern direkt vom Hof aus zu vermarkten.
Von Beginn an setzte das Konzept auf digitale Lösungen. Inspiriert von Onlineplattformen entstand ein Modell, bei dem Rindfleisch online angeboten wird und ein Tier erst dann geschlachtet wird, wenn es vollständig verkauft ist. Mit Kamera, Laptop und Internet ging das erste BioRind online. Durch Mundpropaganda entwickelte sich daraus schrittweise ein tragfähiges Geschäftsmodell. Heute steht Mein BioRind für die Verbindung von Transparenz, Regionalität und digitalen Prozessen – direkt vom Hof zum Kunden.
Den dritten Platz belegt das Team der Wohnungsgenossenschaft Seehausen/Altmark eG. Ausgangspunkt war der Wunsch der Mitarbeitenden, Prozesse rund um Wohnungsübergaben effizienter, einheitlicher und übersichtlicher zu gestalten – und gleichzeitig den Papierverbrauch deutlich zu reduzieren.
Eine zentrale Herausforderung bestand in der Auswahl der geeigneten technischen Lösung. Die digitalen Protokolle und Datensätze sollten automatisiert erstellt werden, zugleich aber flexibel anpassbar bleiben – je nach Art, Größe, Ausstattung und Zusatzmerkmalen der jeweiligen Wohnung. Dafür mussten zunächst einheitliche Standards definiert sowie eine klare Datenstruktur für Wohnungen, Mieterinnen und Mieter und Protokolle aufgebaut und in das bestehende EDV-System integriert werden.
Besonders herausfordernd gestaltete sich der Veränderungsprozess: Mitarbeitende, die Wohnungsübergaben über Jahrzehnte mit Papier und Stift durchgeführt hatten, mussten sich auf neue digitale Arbeitsweisen einlassen. Der erfolgreiche Wandel zeigt, dass Digitalisierung nicht nur eine technische, sondern vor allem auch eine organisatorische und kulturelle Aufgabe ist.