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Gewerkschaft hofft auf Entgegenkommen der Großbäckerei

Tarifverhandlungen bei Aryzta

Montag, 26. Januar 2026, 10:33 Uhr
Im Vorfeld der für Dienstag anstehenden zweiten Lohntarifverhandlung beim Backwarenhersteller Aryzta in Nordhausen und Eisleben erwartet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vom Unternehmen ein verhandlungsfähiges Angebot...

In der ersten Verhandlung am 16. Dezember war das Unternehmen zu keiner Lohnerhöhung bereit. „Eine Nullrunde geht gar nicht! Das ist das klare Signal aus der Belegschaft. Und das ist richtig! Die Preise steigen und wir haben noch deutliche Lohnunterschiede zu anderen Backwarenherstellen. Aryzta muss ein ernstzunehmendes Angebot auf den Tisch legen“, sagt NGG-Verhandlungsführer Olaf Klenke in einer Pressemitteilung.

Der Gewerkschafter weiter: „Kommt keine Lohnerhöhung werden viele Beschäftigte – vor allem Frauen - für den Mindestlohn arbeiten. Wir reden hier nicht von einer kleinen Bäckerei, sondern einem der größten Backwarenhersteller und Marktführer in Deutschland und Europa mit über eintausend Beschäftigten!“

Über 400 Beschäftigte der ca. 1.400 starken Belegschaft an den Standorten Eisleben und Nordhausen sind in der untersten Tarifgruppe eingruppiert. Trotz der Lohnerhöhung im letzten Jahr drohen diese ohne erneute Lohnerhöhung vom Mindestlohn eingeholt zu werden. Dieser steigt von derzeit 13,90 Euro auf 14,60 Euro zum 1. Januar 2027. Der Einstiegslohn bei Aryzta liegt derzeit bei 14,50 Euro, nach einer gewissen Zeit erhöht sich der Lohn in dieser Gruppe auf 14,75 Euro.

Die Gewerkschaft bezeichnet es als beschämend, dass das Unternehmen bisher mit so wenig Wertschätzung und Respekt den Beschäftigten gegenübertritt. Schließlich sind sie es, die in Schichtarbeit rund um die Uhr das Unternehmen am Laufen halten. Dabei geht es nicht nur um die angestrebte Nullrunde, sondern auch um die öffentliche Drohung andernfalls Stellen abzubauen oder Standorte zu schließen. Das sei der Versuch „einer billigen Erpressung und Angstmacherei“, so die NGG.

Auch die Behauptung, die NGG fordere 40 Prozent Lohnerhöhung sei falsch, sie diene nur dazu, die Beschäftigten klein zu halten. Die Unternehmensgruppe verkündete erst letzte Woche positive Zahlen mit einem Gewinn von über 300 Millionen Euro im Jahr 2025 und stellt für das Jahr 2026 weiteres Wachstum in Aussicht.

"Wenn sich der Markt verändert und der Konzern reagieren und Strategien verändern muss, dürfen Fehlentscheidungen nicht auf den Rücken der Beschäftigten abgewälzt werden. Um Investoren ruhig zu stellen, mit der Angst der Beschäftigten zu spielen, das ist schäbig", heißt es in der Presseinformation der Gewerkschaft weiter.

Aryzta ist nach eigenen Aussagen europäischer Marktführer für Tiefkühlbackwaren und produziert in Deutschland mehr als 500 Backartikel für den Lebensmitteleinzelhandel und die Gastronomie. In Nordhausen und Eisleben produziert das Unternehmen seit mehr als 20 Jahren.
Autor: red

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