Besuch in Tanne
Harzort mit Herz, Geschichte und Höhenvieh
Montag, 04. August 2025, 09:31 Uhr
Ein sanftes Glöckchenläuten, das von grasenden Rindern auf einer Harzwiese kommt, begleitet uns bei unserer Ankunft in Tanne, einem Ortsteil der Stadt Oberharz am Brocken. Im Rahmen des Besuchs beim diesjährigen Harzfest gab es einen Abstecher auch nach Tanne...
In der Nähe von Tanne befindet sich der "blaue See", der bei unserem Besuch eher grün aussah. (Foto: nnz)
Umgeben von dichten Fichtenwäldern, blühenden Bergwiesen und gut ausgeschilderten Wanderwegen liegt das 400-Seelen-Dorf auf etwa 500 Metern Höhe – idyllisch, ursprünglich und überraschend lebendig. Tanne mag klein sein, doch der Ort hat Charakter – und eine klare touristische Handschrift.
50.000 Übernachtungen im Jahr – kein Zufall
Was auf den ersten Blick wie ein ruhiger Rückzugsort für Naturfreunde wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein Ort mit erstaunlich stabiler touristischer Bedeutung. Mit rund 50.000 Übernachtungen jährlich zählt Tanne zu den aktiveren Erholungsorten im Harz – trotz seiner Abgelegenheit und überschaubaren Größe.
Bereits 1938 kamen über 7.500 Gäste in den Ort, damals mit fast 800 Gästebetten ausgestattet – eine bemerkenswerte Zahl für die damalige Zeit. Heute sorgen mehrere Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen – darunter das familienfreundliche Hotel Tannenpark – für komfortable Unterkünfte. Wer lieber unabhängig urlaubt, findet zahlreiche Ferienhäuser am Waldrand.
Harzer Höhenvieh und echter Dorfcharme
Besonders beeindruckend ist die Nähe zur Natur. Bei einer Wanderung auf dem Harzer Höhenvieh-Pfad, einem etwa 7,5 Kilometer langen Rundwanderweg, begegnen wir der gleichnamigen Rinderrasse, die hier seit Jahrhunderten gehalten wird. Die Tiere stehen stellvertretend für die nachhaltige Landwirtschaft, die in Tanne noch aktiv betrieben wird.
Auf dem Schaubauernhof bekommen Besucher Einblicke in die Haltung, Zucht und Geschichte der Tiere. Kinder können die Tiere füttern oder streicheln – und Eltern erleben gleichzeitig regionale Landwirtschaft hautnah. Auch die Harzer Käsemolkerei in der Nähe von Tanne profitiert vom gestiegenen Interesse an lokalen Produkten.
Waldweihnacht, Kuhball und Skifasching: gelebte Traditionen
Tanne pflegt seine Bräuche liebevoll. Der Kuhball im Mai – bei dem das Harzer Höhenvieh festlich geschmückt aus dem Stall auf die Weide getrieben wird – ist mehr als ein folkloristisches Event. Es ist Dorfgemeinschaft pur. Genauso wie die Waldweihnacht am 24. Dezember, bei der Einheimische und Gäste sich mit Fackeln zur Waldlichtung oberhalb des Dorfes aufmachen.
Im Winter zieht der Ort vor allem Skilangläufer an. Auch wenn größere Skigebiete wie Braunlage oder Schierke dominieren, hat sich Tanne mit dem Skifasching und seinen Loipen rund um den Kapitelsberg einen festen Platz bei Wintersportfreunden erarbeitet.
Kulturelle Kleinode am Wegesrand
Wer sich für Geschichte interessiert, sollte die barocke Dorfkirche (erbaut zwischen 1693 und 1698) besuchen. In der Heimatstube im Bürgerhaus erzählen alte Werkzeuge, Fotografien und Exponate vom Leben der Tanner Bergleute und Waldarbeiter. Eine entspannte Rast bietet der Kurpark, in dem auch der historische Gießerstein und die alte Herzoglinde zu finden sind – Zeugen vergangener Zeiten.
Ein Ort mit Potenzial und Herausforderungen
Tanne zeigt, wie ländlicher Tourismus im Harz funktionieren kann: naturverbunden, traditionell und gastfreundlich. Doch die Region kämpft auch mit bekannten Herausforderungen: Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und die Abhängigkeit vom Wetter – insbesondere im Winter – erschweren die wirtschaftliche Planung.
Umso wichtiger ist es, auf nachhaltigen Ganzjahrestourismus zu setzen. Mit seiner Mischung aus Natur, Kultur und echter Herzlichkeit hat Tanne dafür beste Voraussetzungen.
Tanne ist kein Hotspot im klassischen Sinne – und will es wohl auch gar nicht sein. Wer jedoch den Harz fernab von Trubel erleben möchte, wer das Ursprüngliche sucht, regionale Küche liebt und sich für Natur- und Kulturgeschichte interessiert, wird diesen Ort schnell ins Herz schließen. Tanne ist ein kleines Dorf mit großer Seele – und ein echtes Juwel im Harz.
Ch. G.
Hinweis des Autors: Die im Text genannten Zahlen beruhen auf Angaben des Harzer Tourismusverbands sowie der Gemeindechronik von Tanne.
Autor: red
In der Nähe von Tanne befindet sich der "blaue See", der bei unserem Besuch eher grün aussah. (Foto: nnz)
Umgeben von dichten Fichtenwäldern, blühenden Bergwiesen und gut ausgeschilderten Wanderwegen liegt das 400-Seelen-Dorf auf etwa 500 Metern Höhe – idyllisch, ursprünglich und überraschend lebendig. Tanne mag klein sein, doch der Ort hat Charakter – und eine klare touristische Handschrift.
50.000 Übernachtungen im Jahr – kein Zufall
Was auf den ersten Blick wie ein ruhiger Rückzugsort für Naturfreunde wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein Ort mit erstaunlich stabiler touristischer Bedeutung. Mit rund 50.000 Übernachtungen jährlich zählt Tanne zu den aktiveren Erholungsorten im Harz – trotz seiner Abgelegenheit und überschaubaren Größe.
Bereits 1938 kamen über 7.500 Gäste in den Ort, damals mit fast 800 Gästebetten ausgestattet – eine bemerkenswerte Zahl für die damalige Zeit. Heute sorgen mehrere Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen – darunter das familienfreundliche Hotel Tannenpark – für komfortable Unterkünfte. Wer lieber unabhängig urlaubt, findet zahlreiche Ferienhäuser am Waldrand.
Harzer Höhenvieh und echter Dorfcharme
Besonders beeindruckend ist die Nähe zur Natur. Bei einer Wanderung auf dem Harzer Höhenvieh-Pfad, einem etwa 7,5 Kilometer langen Rundwanderweg, begegnen wir der gleichnamigen Rinderrasse, die hier seit Jahrhunderten gehalten wird. Die Tiere stehen stellvertretend für die nachhaltige Landwirtschaft, die in Tanne noch aktiv betrieben wird.
Auf dem Schaubauernhof bekommen Besucher Einblicke in die Haltung, Zucht und Geschichte der Tiere. Kinder können die Tiere füttern oder streicheln – und Eltern erleben gleichzeitig regionale Landwirtschaft hautnah. Auch die Harzer Käsemolkerei in der Nähe von Tanne profitiert vom gestiegenen Interesse an lokalen Produkten.
Waldweihnacht, Kuhball und Skifasching: gelebte Traditionen
Tanne pflegt seine Bräuche liebevoll. Der Kuhball im Mai – bei dem das Harzer Höhenvieh festlich geschmückt aus dem Stall auf die Weide getrieben wird – ist mehr als ein folkloristisches Event. Es ist Dorfgemeinschaft pur. Genauso wie die Waldweihnacht am 24. Dezember, bei der Einheimische und Gäste sich mit Fackeln zur Waldlichtung oberhalb des Dorfes aufmachen.
Im Winter zieht der Ort vor allem Skilangläufer an. Auch wenn größere Skigebiete wie Braunlage oder Schierke dominieren, hat sich Tanne mit dem Skifasching und seinen Loipen rund um den Kapitelsberg einen festen Platz bei Wintersportfreunden erarbeitet.
Kulturelle Kleinode am Wegesrand
Wer sich für Geschichte interessiert, sollte die barocke Dorfkirche (erbaut zwischen 1693 und 1698) besuchen. In der Heimatstube im Bürgerhaus erzählen alte Werkzeuge, Fotografien und Exponate vom Leben der Tanner Bergleute und Waldarbeiter. Eine entspannte Rast bietet der Kurpark, in dem auch der historische Gießerstein und die alte Herzoglinde zu finden sind – Zeugen vergangener Zeiten.
Ein Ort mit Potenzial und Herausforderungen
Tanne zeigt, wie ländlicher Tourismus im Harz funktionieren kann: naturverbunden, traditionell und gastfreundlich. Doch die Region kämpft auch mit bekannten Herausforderungen: Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und die Abhängigkeit vom Wetter – insbesondere im Winter – erschweren die wirtschaftliche Planung.
Umso wichtiger ist es, auf nachhaltigen Ganzjahrestourismus zu setzen. Mit seiner Mischung aus Natur, Kultur und echter Herzlichkeit hat Tanne dafür beste Voraussetzungen.
Tanne ist kein Hotspot im klassischen Sinne – und will es wohl auch gar nicht sein. Wer jedoch den Harz fernab von Trubel erleben möchte, wer das Ursprüngliche sucht, regionale Küche liebt und sich für Natur- und Kulturgeschichte interessiert, wird diesen Ort schnell ins Herz schließen. Tanne ist ein kleines Dorf mit großer Seele – und ein echtes Juwel im Harz.
Ch. G.
Hinweis des Autors: Die im Text genannten Zahlen beruhen auf Angaben des Harzer Tourismusverbands sowie der Gemeindechronik von Tanne.
