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Ost Klassiker Klub Wolkramshausen hat Werkstattzeit

Leidenschaft in Jahreshälften

Sonntag, 22. Dezember 2024, 10:40 Uhr
Für die Ost Klassiker in Nordthüringen gliedert sich, im übertragenen Sinne bezogen auf ihre Leidenschaft gesehen, das Kalenderjahr statt in vier nur noch in zwei Jahreszeiten. Es sind die Zeiten des Rollens und die besinnliche Werkstattzeit...

Restaurierung des legendären Formel 2 Rennwagen von Kurt Baum (Foto: H.Rein) Restaurierung des legendären Formel 2 Rennwagen von Kurt Baum (Foto: H.Rein)


Im Frühjahr und im Sommer wird alles was fahrtüchtig ist bewegt. In den nachfolgenden Herbst - und Wintermonaten wird repariert, recherchiert, restauriert und auch dokumentiert. Ausschau aber nach seltenen historischen Fahrzeugen die noch im Bestand fehlen, also Exemplare die zur Mobilitätsgeschichte besonders des Ostens gehören, wird das gesamte Jahr über gehalten. Dies sind Fahrzeuge wie EMW, Sachsenring, Wartburg oder Trabant usw. die einst von namhaften Firmen der ehemaligen DDR entwickelt und hergestellt wurden. Es sind aber auch Rennfahrzeuge die auf verschiedenen Rennstrecken im Einsatz waren, welche von sehr kreativen Menschen wie z. B. von den Thüringern Paul Greifzu (* 1902 - +1952), Kurt Baum (*1910 - * 1983) oder den Sachsen Karl Heinz Melkus (*1928 - +2005), Hartmut Thaßler (*1941 - + 2019) um nur einige zu benennen, geschaffen und gefahren wurden.

Sich der Erhaltung historischer Fahrzeuge zu widmen ist eine Leidenschaft mit unterschiedlichen Motivationen. Dies sind u.a. Erlebnisse und Erfahrungen aber auch Fähigkeiten. Daraus entstehen auch, in quantitativer Hinsicht Unterschiede in dieser Leidenschaft. Eine Person ist schon glücklich mit dem ererbten „Hackenwärmer oder auch Hühnerschreck“, ein anderer entwickelte oft im Laufe auch von Jahren eine Sammelleidenschaft von ein – und/ oder - mehrspurigen Klassikern.

In unserem Personenkreis sind auch Menschen vertreten, die noch über Gene der einstigen Jäger und Sammler verfügen. Einer dieser Personen ist der heute 62-jährige Dipl. Ing Marcel Impens, ein Unternehmer und ein Allwetter - Langstreckenfahrer auf dem Motorrad. Seit früher Jugendzeit bestimmen Motorräder mit sein Leben und über viele Jahre entstand eine beachtliche Sammlung an Kleinkrafträdern, Motorrollern und höher motorisierten Krädern die in einer ständigen Ausstellung im angrenzenden Stadtzentrum seiner Heimatstadt Nordhausen zu sehen ist.

Marcel Impens auf einem seiner liebevoll gepflegten Sammlerstücke (Foto: H.Rein) Marcel Impens auf einem seiner liebevoll gepflegten Sammlerstücke (Foto: H.Rein)


Aber auch Geländewagen wie der Sachsenring IFA P 2M und der P 3 sind in seine Sammlung eingegangen Die einstige freie Reichsstadt Nordhausen, mit ihrer Geschichte auch im Nutzfahrzeugbereich, besitzt heute drei städtische Museen zur Kunst- und Stadtgeschichte und mit der Fahrzeugsammlung von Marcel Impens nun auch drei private museale Einrichtungen wie die Traditionsbrennerei und das sehr bekannte IFA Museum, welches den Nutzfahrzeugbau und den Bau von Feld – und Grubenloks der Stadt Nordhausen im 20. Jahrhundert dokumentiert.

Zum Abschluss des Jahres 2024 sieht die Bilanz des Klubs recht ordentlich aus. So wurde nach 5 Jahren zeit – und kostenintensiver Arbeit ein Rennsportwagen der Marke Fiat 501, Bj. 1924 welcher einst aus importierten Teilen in Berlin u.a. für Rennen auf der AVUS gebaut wurde, fertiggestellt und während der diesjährigen August Horch Klassik am 21.7.2024 auf der 125 km langen Strecke problemlos gefahren. Fortgeführt wurden die Arbeiten an dem legendären Rennsportwagen der Kategorie Formel 2 bis 2 Liter Hubraum des ehemaligen Thüringer Konstrukteurs und Rennfahrers Kurt Baum. Dies betrifft das gesamte Fahrwerk und das Antriebsaggregat. Reparaturarbeiten erfolgten an einem Skoda Rapid 135 Coupe, der nun wieder sicher gefahren werden kann. Geforscht wurde weiter in sächsischen Museen zum Ursprung des historischen Motor Dreirades. Recherchen ergaben dazu, dass einige technische Details wie die Radgrößen, die Vorderradfederung, der Kettenantrieb und die Radbremse Erfindungen des Gründers der Zittauer Phänomen Werke, Karl Gustav Hiller(*1863 - +1913) sind. Ob dieses historische Dreirad ggf. von Hiller als Prototyp oder in seinem Dunstkreis um 1900 gebaut wurde ist noch nicht abschließend geklärt. Geklärt scheint aber der Ursprung des verbauten Motors welcher in den von Moriz Hille 1884 gegründeten Hille Werke AG in Dresden hergestellt wurde.

Das historische Motor-Dreirad darf bedingt durch sein Alter nur konserviert und nicht restauriert werden (Foto: H.Rein) Das historische Motor-Dreirad darf bedingt durch sein Alter nur konserviert und nicht restauriert werden (Foto: H.Rein)


Aber auch mehrere Neuzugänge konnten bei den einspurigen Fahrzeugen verzeichnet werden. Dies betrifft eine wunderschöne dänische Nimbus, eine MZ BK 350, eine seltene DKW RT 125 und einen Elektroroller mit der Bezeichnung Charly des erzgebirgischen Herstellers MuZ GmbH.

Hubert Rein, Ost Klassiker Klub Wolkramshausen


Autor: red

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