Teil 1 - Als das Hochwasser kam
Jahresrückblick mit der Landrätin
Samstag, 14. Dezember 2024, 07:00 Uhr
Auch in diesem Jahr geben wir für unsere Leserinnen und Leser aus dem Kyffhäuserkreis einen Jahresrückblick. Dazu hat unsere Redakteurin Eva Maria Wiegand die Landrätin des Kyffhäuserkreises, Antje Hochwind-Schneider, in ihrem Amtssitz in Sondershausen besucht…
Kyffhäuser Nachrichten: Frau Hochwind-Schneider, was hat Sie in diesem Jahr besonders bewegt?
Landrätin Antje Hochwind-Schneider: Um diese Frage zu beantworten, muss ich in das Jahr 2023 zurückgehen. Durch die große Hochwasserkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 und die daraus entstandenen Folgen wurde auch den Verantwortlichen des Katastrophenschutzes im Kyffhäuserkreis klar, dass es zum Schutz der Bevölkerung Handlungsbedarf gab. Um rechtzeitig im Falle eines Hochwassers reagieren zu können, wurde 2023 eine Koordinationsgruppe gebildet und Netzwerke weiter ausgebaut. Es konnte niemand damit rechnen, dass aus der Übung so schnell Ernst werden würde.
Im Dezember 2023 zeichnete sich eine Hochwasserlage im Kreis ab. Ein täglicher Krisenstab verfolgte die stetig steigenden Pegel der Helme. Um vor Ort agieren zu können wurde nach kurzer Zeit die Einsatzzentrale nach Artern verlegt und der Landkreis übernahm am 26. Dezember den bis dahin von der Kommune und der Verwaltung geleiteten Einsatz. Die Kameraden der Feuerwehr, unter der Leitung des Kreisbrandinspektors Jonas Weller, hatten in ihrem tagelangen Kampf gegen die Wassermassen hunderte Sandsäcke gestapelt und die prekäre Lage Tag und Nacht überwacht.
Wann wurde die Lage gefährlich und wie schwierig war es für Sie, die richtige Entscheidung zu treffen?
Der nicht sinkende Pegelstand der Helme erforderte weitere Maßnahmen, um die Ortschaften und die Bevölkerung von Mönchpfiffel-Nikolausrieth sowie Heygendorf zu schützen. Hochwassersimulationen, die die Situation der umliegenden Ortschaften nach einem unkontrollierten Deichbruch zeigten, erforderten eine schnelle Entscheidung des Krisenstabes und letztendlich meiner Person. Um einen gesteuerten Deichdurchbruch vornehmen können brauchte es eine Zusammenarbeit und Zustimmung mit den Verantwortlichen in Sachsen-Anhalt. Am 28. Dezember stand die Entscheidung fest, den Deich nördlich von Mönchpfiffel-Nikolausrieth stückweise mit schwerem Gerät zu öffnen. Die durchgeführte Deichöffnung wurde jeweils am 29. und 30. Dezember in der Breite erweitert.
Aufgrund dieser Maßnahme konnte Wasser in die landwirtschaftliche Nutzfläche westlich und südwestlich der Ortschaft, dem sogenannten Rieth, ablaufen. Mönchpfiffel-Nikolausrieth wurde dadurch vor einer Überschwemmung bewahrt. Der Landkreis beschloss nach Beratung mit Fachpersonal des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz, die Öffnung weiter zu vertiefen, womit der Wasserablauf in das Rieth erhöht werden konnte. Die Vertiefung der Öffnung erfolgte am 31.Dezember 2023.
Wie sieht es heute nach fast einen Jahr mit der Wiederherstellung des Deiches und den Entschädigungszahlungen für durch den Deichbruch verursachten Ernteschäden aus?
Die Schließung des Deiches westlich und südwestlich von Mönchpfiffel-Nikolausrieth wurde ab dem 11. Januar 2024 stückweise vorgenommen und ist nun abgeschlossen. Die entstandenen Kosten für die vernichtete Ernte der Bauern, für die Wiederherstellung landwirtschaftlicher Wege und für die Deichöffnung wurden in diesem Jahr beglichen.
Was wünschen Sie sich für das Jahr 2025?
Die Menschen im Hochwassergebiet mussten um ihre Existenz bangen und in einer dunklen, kalten Jahreszeit tagelang Ängste ausstehen. Ich wünsche mir, dass sie so etwas nicht wieder erleben müssen.
Danke für das Gespräch
Eva M.Wiegand
In der nächsten Woche veröffentlichen wir den "Jahresrückblick Teil 2 - Was geschah noch in diesem Jahr?" Mit Landrätin Antje Hochwind-Schneider im Gespräch.
Autor: emwKyffhäuser Nachrichten: Frau Hochwind-Schneider, was hat Sie in diesem Jahr besonders bewegt?
Landrätin Antje Hochwind-Schneider: Um diese Frage zu beantworten, muss ich in das Jahr 2023 zurückgehen. Durch die große Hochwasserkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 und die daraus entstandenen Folgen wurde auch den Verantwortlichen des Katastrophenschutzes im Kyffhäuserkreis klar, dass es zum Schutz der Bevölkerung Handlungsbedarf gab. Um rechtzeitig im Falle eines Hochwassers reagieren zu können, wurde 2023 eine Koordinationsgruppe gebildet und Netzwerke weiter ausgebaut. Es konnte niemand damit rechnen, dass aus der Übung so schnell Ernst werden würde.
Im Dezember 2023 zeichnete sich eine Hochwasserlage im Kreis ab. Ein täglicher Krisenstab verfolgte die stetig steigenden Pegel der Helme. Um vor Ort agieren zu können wurde nach kurzer Zeit die Einsatzzentrale nach Artern verlegt und der Landkreis übernahm am 26. Dezember den bis dahin von der Kommune und der Verwaltung geleiteten Einsatz. Die Kameraden der Feuerwehr, unter der Leitung des Kreisbrandinspektors Jonas Weller, hatten in ihrem tagelangen Kampf gegen die Wassermassen hunderte Sandsäcke gestapelt und die prekäre Lage Tag und Nacht überwacht.
Wann wurde die Lage gefährlich und wie schwierig war es für Sie, die richtige Entscheidung zu treffen?
Der nicht sinkende Pegelstand der Helme erforderte weitere Maßnahmen, um die Ortschaften und die Bevölkerung von Mönchpfiffel-Nikolausrieth sowie Heygendorf zu schützen. Hochwassersimulationen, die die Situation der umliegenden Ortschaften nach einem unkontrollierten Deichbruch zeigten, erforderten eine schnelle Entscheidung des Krisenstabes und letztendlich meiner Person. Um einen gesteuerten Deichdurchbruch vornehmen können brauchte es eine Zusammenarbeit und Zustimmung mit den Verantwortlichen in Sachsen-Anhalt. Am 28. Dezember stand die Entscheidung fest, den Deich nördlich von Mönchpfiffel-Nikolausrieth stückweise mit schwerem Gerät zu öffnen. Die durchgeführte Deichöffnung wurde jeweils am 29. und 30. Dezember in der Breite erweitert.
Aufgrund dieser Maßnahme konnte Wasser in die landwirtschaftliche Nutzfläche westlich und südwestlich der Ortschaft, dem sogenannten Rieth, ablaufen. Mönchpfiffel-Nikolausrieth wurde dadurch vor einer Überschwemmung bewahrt. Der Landkreis beschloss nach Beratung mit Fachpersonal des Thüringer Landesamtes für Umwelt, Bergbau und Naturschutz, die Öffnung weiter zu vertiefen, womit der Wasserablauf in das Rieth erhöht werden konnte. Die Vertiefung der Öffnung erfolgte am 31.Dezember 2023.
Wie sieht es heute nach fast einen Jahr mit der Wiederherstellung des Deiches und den Entschädigungszahlungen für durch den Deichbruch verursachten Ernteschäden aus?
Die Schließung des Deiches westlich und südwestlich von Mönchpfiffel-Nikolausrieth wurde ab dem 11. Januar 2024 stückweise vorgenommen und ist nun abgeschlossen. Die entstandenen Kosten für die vernichtete Ernte der Bauern, für die Wiederherstellung landwirtschaftlicher Wege und für die Deichöffnung wurden in diesem Jahr beglichen.
Was wünschen Sie sich für das Jahr 2025?
Die Menschen im Hochwassergebiet mussten um ihre Existenz bangen und in einer dunklen, kalten Jahreszeit tagelang Ängste ausstehen. Ich wünsche mir, dass sie so etwas nicht wieder erleben müssen.
Danke für das Gespräch
Eva M.Wiegand
In der nächsten Woche veröffentlichen wir den "Jahresrückblick Teil 2 - Was geschah noch in diesem Jahr?" Mit Landrätin Antje Hochwind-Schneider im Gespräch.

