nnz-online
Landtagskandidaten ziehen Kandidatur zurück

Bei den Freien Wählern rumort es heftig

Dienstag, 20. April 2021, 17:41 Uhr
Bei den Freien Wählern in Sachsen-Anhalt rumort es. Die Kritik der Basis an der Arbeit des Landesvorstandes wächst zunehmend. Selbstherrlichkeit und Anmaßung werden diesem vorgeworfen. Die Folge: Immer mehr gewählte Direktkandidaten zur Landtagswahl ziehen ihre Kandidatur zurück...

Einer der gewählten Direktkandidaten der Freien Wähler, die dem Landesvorstand inzwischen schriftlich ihren Rückzug erklärt haben, ist Jens Diederichs. Der Kreisvorsitzende der Freien Wähler in Mansfeld-Südharz sagt: „Der Landesvorstand boykottiert unter anderem durch Verschweigen von Terminen ganz bewusst die Arbeit einiger Kreisvorstände. Er schließt dadurch mehrere Kreisvereinigungen von Informationen aus. Unter anderem warten die Mitglieder bis zum heutigen Tag auf das Protokoll des Landesparteitages im Januar 2021. Außerdem spielt der Landesvorstand neuerdings bei der Mitgliederwerbung ein fragwürdiges Spiel.“

Diederichs spielt auf dubiose Mitgliederaufnahmen an den Kreisvorständen vorbei an. So geschehen auch im Saalekreis. Kurios, dass ein neu aufgenommenes Mitglied sofort als Direktkandidat nominiert wurde - ein Ex-CDU-Mitglied wie viele im Umfeld der Landesvorsitzenden und ihres Mannes, Andrea und Johannes Menke, die selbst einst in der CDU Karriere machen wollten und inzwischen mitgeholfen haben, die aussichtsreichsten Listenplätze zur Landtagswahl fast ausschließlich mit Ex-CDUlern zu besetzen.

Für viel Kritik an der Parteibasis sorgt der Umgang des Landesvorstandes mit dem Wittenberger Kreisverband. Dieser möchte zur diesjährigen Landratswahl einen eigenen Kandidaten aufstellen. Die dafür notwendige Wahlkreisveranstaltung und die Aufnahme des Kandidaten wird vom Landesvorstand und dem Kreis-Notvorstand, der zufällig auch noch Mitglied des Landesvorstandes ist, aus unerklärlichen Gründen blockiert. Es wird gemunkelt, der Landesvorstand gebe für diese Nominierungsveranstaltung erst grünes Licht, wenn der Wittenberger Kreisverband die Unterschriften zurückgezogen habe, die unlängst den Rücktritt des Landesvorstandes gefordert hatten.

Seltsame Methoden wurden auch aus Magdeburg bekannt. Dort war das Mitglied Jost Riecke als Direktkandidat für die Landtagswahl gewählt worden. Der Landesvorstand, der mit Riecke im Dauerclinch liegt, hat über die sogenannten Vertrauenspersonen, welche zufällig auch Mitglieder im Landesvorstand sind, diesen gewählten Kandidaten zurückgezogen.

Von diesem Umgang des Landesvorstandes mit der Parteibasis haben inzwischen viele die Nase voll. Aus dem Grund ziehen immer mehr gewählte Direktkandidaten zur Landtagswahl ihre Kandidatur zurück.

Neben dem Mansfeld-Südharzer Kreisvorsitzenden taten dies auch zwei Direktkandidaten im Saalekreis und einer in Dessau-Roßlau. Inzwischen erreichte den Landesvorstand auch eine Absage zur Kandidatur aus dem Burgenlandkreis. Der dortige Kreisvorsitzende begründete seinen Rückzug unter anderem mit der fehlenden „Unterstützung durch den zuständigen stellvertretenden Landesvorsitzenden Strehlow im Wahlkampf“. Der Landesvorstand der Freien Wähler hatte offenbar alle Hände voll mit dem Rekrutieren neuer Mitglieder zu tun, die anschließend neue Direktkandidaten wählen sollten.
Jochen Miche
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 msh-online.de