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Keine Sicherheitstechnik für Kindergarten von Freien Wählern

Stadt Arnstein ignoriert Spendenangebot

Dienstag, 25. August 2020, 14:50 Uhr
Die Kindertagesstätte „Kunterbunt“ in Sandersleben bekommt keine Alarmanlage. Der Landtagsabgeordnete Jens Diederichs und der Inhaber einer Firma für Sicherheitstechnik, Eckhard Schröder (beide Freie Wähler), bedauern dies sehr...

Fototermin an der Villa „Kunterbunt“ in Sandersleben. Zuvor hatten sich Firmenchef Eckhardt Schröder, Jens Diederichs und Peter Frobel (alle drei Freie Wähler) in der Einrichtung die Bedingungen zum Einbau einer Sicherheitsanlage angesehen. Noch in diesem Jahr sollte sie kommen. Die Stadt Arnstein verzichtet jedoch darauf. (Foto: J. Miche) Fototermin an der Villa „Kunterbunt“ in Sandersleben. Zuvor hatten sich Firmenchef Eckhardt Schröder, Jens Diederichs und Peter Frobel (alle drei Freie Wähler) in der Einrichtung die Bedingungen zum Einbau einer Sicherheitsanlage angesehen. Noch in diesem Jahr sollte sie kommen. Die Stadt Arnstein verzichtet jedoch darauf. (Foto: J. Miche)


Nachdem die Kita in Sandersleben in der jüngeren Vergangenheit mehrfach von Einbrechern heimgesucht worden war, hatten Diederichs und Schröder Anfang dieses Jahres der Kita angeboten, dort eine Alarmanlage modernster Bauart zu installieren. Die Kosten wollten sich beide teilen: Schröder stellte die gebrauchte, aber komplett überholte, auf dem Markt immer noch gut 3000 Euro teure Anlage zur Verfügung und Diederichs bezahlte den Installationsaufwand in Höhe von etwa 500 Euro.

Am 2. März war es zu einem Vor-Ort-Termin in Sandersleben gekommen. Die Leitung der Kita und die Bauamtschefin der Einheitsgemeinde Stadt Arnstein hatten sich für das Projekt sehr offen und angetan gezeigt. Eckhard Schröder: „Die Erfahrung zeigt, dass die Schäden bei dieser Art Einbrüchen sieben- bis zwölfmal so hoch sind wie der Wert des Geklauten. Meist plündern diese Leute nur den Kühlschrank und die Kaffeekasse.“ Der Profi für Sicherheitstechnik, der vor seiner Pensionierung Polizist war, sagt weiter: „In rund 90 Prozent der Fälle sehen sich die Täter ihr bevorzugtes Objekt vor dem geplanten Einbruch an. Entdecken sie dabei eine Alarmanlage, gehen die meist nicht dort rein.“

Das Problem: Solche Technik ist mit hohen Kosten verbunden, die nicht jeder tragen kann. Aus dem Grund bietet Schröder Parteifreunden in diesem Punkt Unterstützung an. Und Jens Diederichs, der aus seiner Berufserfahrung als Justizvollzugsbeamter jahrelang mit einer Klientel zu tun hatte, die gern unerlaubte Dinge tut, nahm das Angebot von Schröder in der Hoffnung an, in Sandersleben langfristig für Sicherheit sorgen zu können. Er war zuversichtlich, dass die Technik in Kürze eingebaut werden könnte.

Auf einen Anruf vom Verwaltungssitz in Quenstedt oder aus der Kita wartete er trotz monatlicher Nachfragen lange. Am 14. Juli bekamen er, Schröder und zwei Begleiter einen Gesprächstermin beim Bürgermeister der Stadt Arnstein.

Frank Sehnert kam gleich zur Sache: „Für mich ist eine Alarmanlage in einem Kindergarten sinnlos. Dort gibt es schließlich keine Werte.“ Das sah Jens Diederichs anders: „Das Gefühl von Sicherheit ist ein großer Wert, denke ich. Wenn eine Erzieherin morgens die Einrichtung betritt und erschreckt sich zu Tode, weil nachts Unbekannte dort gehaust haben, dann möchte niemand in ihrer Haut stecken. Ich denke, Geborgenheit und Sicherheit sind auch Werte, die es zu schützen gilt.“

Die Besucher antworteten dem Bürgermeister auf Bemerkungen, die er gar nicht als Fragen gestellt, sondern in den Raum geworfen hatte, etwa zu dem Hinweis auf den Datenschutz: „Nein, niemand wird abgehört, nur weil da Mikrofone drin sind. Das System wird schließlich erst zum Feierabend scharf gestellt“, erklärte Eckhard Schröder. Anderseits seien die hochsensiblen Aufnahmegeräte nötig, damit zum Beispiel der Mensch, auf dessen Handy die Anlage geschaltet sei, bei Bedarf jeden Schritt der Einbrecher mitverfolgen und eventuell gleich den alarmierten Sicherheitskräften Informationen geben könne. Auf Sehnerts Einwand, die Fehlalarmquote solcher Technik sei zu hoch, entgegnete Schröder: „Bei anderen Systemen kann es tatsächlich bis zu 40 Prozent Fehlalarme geben. Hier gab es in mehreren tausend Einsätzen noch nicht einen Fehlalarm. Unser System erkennt sogar bis zu 38 Kilo schwere Haustiere und natürlich Kinder. Diese Sectra-Technik arbeitet mit einem hochmodernen und sehr effizienten Infraschallsystem, das außer einen seltenen Batteriewechsel und gelegentlichen Service nicht einmal beängstigende Folgekosten verursacht.“

Mit der Zusage, sich die Sache zu überlegen und zeitnah ein „Ja“ oder „Nein“ zu der Alarmanlage mitzuteilen, verabschiedete Frank Sehnert seine Besucher.

Danach trat dasselbe ein wie nach dem Vor-Ort-Termin am 2. März: Ruhe – was die Beteiligten so deuten: Die Alarmanlage im Kindergarten ist scheinbar doch sinnlos. „Sechs Wochen – seit unserem ersten Termin sogar über ein halbes Jahr – braucht doch niemand, um sich zu überlegen, ob er ein sinnvolles Geschenk annimmt“, glaubt Jens Diederichs. Er weiß, dass nicht nur er und Eckhard Schröder auf eine klare Antwort aus Quenstedt warten, sondern sogar Erzieherinnen in der Kindertagesstätte „Kunterbunt“ in Sandersleben. Deshalb ergänzt er: „Vielleicht jubelt der Bürgermeister, weil er seinen Willen durchgesetzt hat. Stolz sollte er auf diese Nummer aber nicht sein. Sondern sich beim nächsten Einbruch in der Kita bei jeder einzelnen Mitarbeiterin und bei jedem Kind und dessen Eltern persönlich entschuldigen.“

Diederichs und sein Parteifreund Schröder suchen nun ein neues soziales Objekt, das eine solche Alarmanlage gebrauchen kann. Interessenten können sich melden
per E-Mail an: freiewaehler-msh@web.de
Jochen Miche



Autor: red

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