Sparpolitik des Kreises hinterlässt erste Spuren – Interview mit Vereinsvertreter
Novalis-Kuratorium soll Schloss verlassen
Sonntag, 01. März 2020, 09:17 Uhr
Vereinen und sozialen Projekten im Landkreis Mansfeld-Südharz droht Ungemach. Der Grund: Im kommenden Haushaltsjahr müssen fast sieben Millionen Euro eingespart werden. Doch woher nehmen? Der Landkreis muss bei den freiwilligen Aufgaben sparen…
Taufkirche, Geburtshaus und künftiger Sitz des Kuratoriums (Foto: J. Miche)
Alles beisammen: Links die Taufkirche von Novalis, in der Mitte sein Geburtshaus, das Schloss, und rechts der künftige Sitz des Novaliskuratoriums – falls sich die Kreisverwaltung Mansfeld-Südharz durchsetzt. Foto: J. Miche
msh-online sprach mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der Kreisvereinigung Mansfeld-Südharz der Partei FREIE WÄHLER, Peter Hans-Jürgen Frobel, über das Thema.
msh-online: Herr Frobel, der Landkreis befindet sich in der vorläufigen Haushaltsführung. Es fehlen fast sieben Millionen Euro. Der Landkreis muss sparen, und das bei den freiwilligen Aufgaben, zum Beispiel bei Vereinen und sozialen Projekten. – Sie protestieren?
Frobel: Ich protestiere und kritisiere. Denn was da passiert, ist nicht neu. Die Sparpolitik trifft schon seit längerer Zeit auch Vereine.
msh-online: Zum Beispiel?
Frobel: Als Gründungs- und inzwischen Vorstandmitglied des Kuratoriums Novalis-Geburtshaus Schloss Oberwiederstedt e.V. weiß ich, wie sich die Geldknappheit der öffentlichen Hand Fall auswirken kann. Das Kuratorium musste eine ganze Menge öffentlichkeitswirksamer Aktivitäten im und um das Schloss Oberwiederstedt in den vergangenen Jahren stark einschränken.
msh-online: Ist das nicht Jammern auf hohem Niveau? Immerhin hat das Kuratorium sein Quartier im Schloss Oberwiederstedt.
Frobel: Hatte. Denn die Kreisverwaltung will, dass der Verein auszieht.
msh-oline: Nach 30 Jahren? Ein seltsames Geburtstagsgeschenk. Und wohin gehen Sie?
Frobel: Dem Verein wurden Räume im Dorfgemeinschaftshaus angeboten. Ich habe sie mir angesehen und weiß: Sie sind vollkommen inakzeptabel.
msh-online: Das Schloss ist riesig, weshalb ist dort kein Platz mehr für das Kuratorium? Oder verursachen Sie zu hohe Nebenkosten, welche der Landkreis so auf elegante Weise auf die Kommune abwälzen kann?
Frobel: Das ist mir nicht bekannt. Angeblich müssen wir aus Sicherheitsgründen gehen. Menschen, die mit dem direkten Museumsbetrieb nichts zu tun haben, dürfen das Schloss außerhalb der Öffnungszeiten nicht mehr betreten.
msh-online: Das Kuratorium gehört bekanntermaßen zu den Rettern des Novalis-Geburtshauses und der dazugehörigen Gebäude. Hat nicht Hettstedts früherer Landrat Hans-Peter Sommer mal davon gesprochen, dass sich das Kuratorium lebenslanges Bleiberecht im Schloss erworben habe?
Frobel: In den 80-er Jahren arbeiteten Kinder und Jugendliche Hand in Hand mit einem Architekten und Denkmalpfleger, einem Bauingenieur und zahlreichen erfahrenen Novalisfreunden am Schloss. Der gemeinsame Wille der Menschen, das Geburtshaus des berühmten Dichters zu erhalten, half tatsächlich, es zu retten. Motiviert wurden die jungen Leute damals unter anderem mit der Aussicht auf einen Jugendklub im Schloss. Nach der Wende war dies schnell vergessen. Statt Jugendklub große Enttäuschung. Wir als Kuratorium wurden zwar hineingelassen, nun aber doch noch hinauskomplimentiert.
msh-online: Es gibt ja noch eine zweite Interessensgruppe im Schloss, die Internationale Novalisgesellschaft. Muss die auch ausziehen?
Frobel: Die Gesellschaft, 1992 gegründet, ist ein Kind des Kuratoriums, das bereits 1990 gegründet wurde. Die Novalisgesellschaft arbeitet auch ehrenamtlich, genau wie wir vom Kuratorium. Aber es sieht nicht so aus, dass dort gespart wird. Die Gesellschaft darf bleiben.
Für msh-online fragte Jochen Miche
Autor: red
Taufkirche, Geburtshaus und künftiger Sitz des Kuratoriums (Foto: J. Miche)
Alles beisammen: Links die Taufkirche von Novalis, in der Mitte sein Geburtshaus, das Schloss, und rechts der künftige Sitz des Novaliskuratoriums – falls sich die Kreisverwaltung Mansfeld-Südharz durchsetzt. Foto: J. Michemsh-online sprach mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der Kreisvereinigung Mansfeld-Südharz der Partei FREIE WÄHLER, Peter Hans-Jürgen Frobel, über das Thema.
msh-online: Herr Frobel, der Landkreis befindet sich in der vorläufigen Haushaltsführung. Es fehlen fast sieben Millionen Euro. Der Landkreis muss sparen, und das bei den freiwilligen Aufgaben, zum Beispiel bei Vereinen und sozialen Projekten. – Sie protestieren?
Frobel: Ich protestiere und kritisiere. Denn was da passiert, ist nicht neu. Die Sparpolitik trifft schon seit längerer Zeit auch Vereine.
msh-online: Zum Beispiel?
Frobel: Als Gründungs- und inzwischen Vorstandmitglied des Kuratoriums Novalis-Geburtshaus Schloss Oberwiederstedt e.V. weiß ich, wie sich die Geldknappheit der öffentlichen Hand Fall auswirken kann. Das Kuratorium musste eine ganze Menge öffentlichkeitswirksamer Aktivitäten im und um das Schloss Oberwiederstedt in den vergangenen Jahren stark einschränken.
msh-online: Ist das nicht Jammern auf hohem Niveau? Immerhin hat das Kuratorium sein Quartier im Schloss Oberwiederstedt.
Frobel: Hatte. Denn die Kreisverwaltung will, dass der Verein auszieht.
msh-oline: Nach 30 Jahren? Ein seltsames Geburtstagsgeschenk. Und wohin gehen Sie?
Frobel: Dem Verein wurden Räume im Dorfgemeinschaftshaus angeboten. Ich habe sie mir angesehen und weiß: Sie sind vollkommen inakzeptabel.
msh-online: Das Schloss ist riesig, weshalb ist dort kein Platz mehr für das Kuratorium? Oder verursachen Sie zu hohe Nebenkosten, welche der Landkreis so auf elegante Weise auf die Kommune abwälzen kann?
Frobel: Das ist mir nicht bekannt. Angeblich müssen wir aus Sicherheitsgründen gehen. Menschen, die mit dem direkten Museumsbetrieb nichts zu tun haben, dürfen das Schloss außerhalb der Öffnungszeiten nicht mehr betreten.
msh-online: Das Kuratorium gehört bekanntermaßen zu den Rettern des Novalis-Geburtshauses und der dazugehörigen Gebäude. Hat nicht Hettstedts früherer Landrat Hans-Peter Sommer mal davon gesprochen, dass sich das Kuratorium lebenslanges Bleiberecht im Schloss erworben habe?
Frobel: In den 80-er Jahren arbeiteten Kinder und Jugendliche Hand in Hand mit einem Architekten und Denkmalpfleger, einem Bauingenieur und zahlreichen erfahrenen Novalisfreunden am Schloss. Der gemeinsame Wille der Menschen, das Geburtshaus des berühmten Dichters zu erhalten, half tatsächlich, es zu retten. Motiviert wurden die jungen Leute damals unter anderem mit der Aussicht auf einen Jugendklub im Schloss. Nach der Wende war dies schnell vergessen. Statt Jugendklub große Enttäuschung. Wir als Kuratorium wurden zwar hineingelassen, nun aber doch noch hinauskomplimentiert.
msh-online: Es gibt ja noch eine zweite Interessensgruppe im Schloss, die Internationale Novalisgesellschaft. Muss die auch ausziehen?
Frobel: Die Gesellschaft, 1992 gegründet, ist ein Kind des Kuratoriums, das bereits 1990 gegründet wurde. Die Novalisgesellschaft arbeitet auch ehrenamtlich, genau wie wir vom Kuratorium. Aber es sieht nicht so aus, dass dort gespart wird. Die Gesellschaft darf bleiben.
Für msh-online fragte Jochen Miche
