Autor Reinhardt O. Hahn war Gast in Sangerhausen
Episoden aus dem Unrechtsstaat
Samstag, 15. Februar 2020, 10:09 Uhr
Wie wählt man aus 1.700 Seiten Literatur, verteilt auf vier Bücher, etwas aus, das repräsentativ für das vorgestellte Werk und seinen Autor ist? Reinhardt O. Hahn meisterte die Aufgabe, indem er in Kurzform die Bücher vorstellte, sich bei der Lesung aber auf etwas beschränkte, bei dessen Thema sein Publikum mitreden konnte. Der in Halle lebende Schriftsteller las über Erlebnisse in der DDR...
In diesem Punkt war sein Publikum kompetent, denn es saßen am Donnerstagabend im Herrenkrug in Sangerhausen nur gelernte, vor allem aber politisch interessierte DDR-Bürger. Das Interesse an Politik war kein Zufall, hatte doch die am 25. Januar 2020 gegründete Kreisvereinigung Mansfeld-Südharz der Partei FREIE WÄHLER eingeladen.
So begrüßte denn als Gastgeber der Landtagsabgeordnete Jens Diederichs (Freie Wähler) das Publikum. Er zeichnete in Kurzform den Werdegang der noch recht jungen Partei FREIE WÄHLER nach, die in Sachsen-Anhalt gerade mal auf zehn Jahre zurückblickt. In Mansfeld-Südharz, so der Kreisvorsitzende, sei die Zeit inzwischen reif gewesen für eine neue politische Kraft der Mitte, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, eine konservative, aber möglichst ideologiefreie Politik zu machen. Wir wollen vor Ort etwas bewirken, deshalb stehen nicht die großen Parteiinteressen, sondern die Bürger im Mittelpunkt, so der Parlamentarier.
Angesichts seines umfangreichen schriftstellerischen Werkes und eines reichen Lebens voller Brüche und Freuden beschränkte sich Reinhardt O. Hahn auf Skizzen aus dem Unrechtsstaat, die sich wesentlich mit dem Einfluss der Staatssicherheit auf Arbeiter in einem DDR-Kombinat (Buna) befassten. Seine Texte, die an anderer Stelle, wie der Autor versicherte, auch viel Humor enthalten, wirkten sehr ernüchternd, beinahe desillusioniert. Doch er traf mit seiner Auswahl den Nerv des Publikums, das anschließend lebhaft diskutierte.
Bemerkenswert war die Ambivalenz, die sich in der Debatte zeigte: unterschiedlicher als hier vertreten konnten die Biografien einer Zuhörerrunde nicht sein. Die Biografien der Anwesenden reichten von Menschen, die in der DDR eine behütete Kindheit hatten, später, als selbstbewusste Bürger aber unter politischer Verfolgung gelitten haben, bis zu jenen, deren Ausbildung erst mit der Promotion endete oder Menschen, deren Kindheit völlig ambivalent war: aufwachsen unter kleinkapitalistischen Verhältnissen mit Eltern, die das DDR-System ablehnten, aber eine gute berufliche Entwicklung und Wohlfühlen in diesem Staat genossen. In Summe wurde in der Diskussion jedoch kein nostalgisches Bild der DDR gezeichnet.
Am Ende des Abends gab der Autor Autogramme und bemerkte mit einem Augenzwinkern, dass sich mancher Gast, der sich besonders gern seiner DDR-Vergangenheit erinnerte, für Titel aus dem Angebot Reinhardt O. Hahns entschied, die streckenweise ein eher düsteres Bild des 1989 abgewickelten sozialistischen Staates zeichneten.
Jochen Miche
Autor: redIn diesem Punkt war sein Publikum kompetent, denn es saßen am Donnerstagabend im Herrenkrug in Sangerhausen nur gelernte, vor allem aber politisch interessierte DDR-Bürger. Das Interesse an Politik war kein Zufall, hatte doch die am 25. Januar 2020 gegründete Kreisvereinigung Mansfeld-Südharz der Partei FREIE WÄHLER eingeladen.
So begrüßte denn als Gastgeber der Landtagsabgeordnete Jens Diederichs (Freie Wähler) das Publikum. Er zeichnete in Kurzform den Werdegang der noch recht jungen Partei FREIE WÄHLER nach, die in Sachsen-Anhalt gerade mal auf zehn Jahre zurückblickt. In Mansfeld-Südharz, so der Kreisvorsitzende, sei die Zeit inzwischen reif gewesen für eine neue politische Kraft der Mitte, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, eine konservative, aber möglichst ideologiefreie Politik zu machen. Wir wollen vor Ort etwas bewirken, deshalb stehen nicht die großen Parteiinteressen, sondern die Bürger im Mittelpunkt, so der Parlamentarier.
Angesichts seines umfangreichen schriftstellerischen Werkes und eines reichen Lebens voller Brüche und Freuden beschränkte sich Reinhardt O. Hahn auf Skizzen aus dem Unrechtsstaat, die sich wesentlich mit dem Einfluss der Staatssicherheit auf Arbeiter in einem DDR-Kombinat (Buna) befassten. Seine Texte, die an anderer Stelle, wie der Autor versicherte, auch viel Humor enthalten, wirkten sehr ernüchternd, beinahe desillusioniert. Doch er traf mit seiner Auswahl den Nerv des Publikums, das anschließend lebhaft diskutierte.
Bemerkenswert war die Ambivalenz, die sich in der Debatte zeigte: unterschiedlicher als hier vertreten konnten die Biografien einer Zuhörerrunde nicht sein. Die Biografien der Anwesenden reichten von Menschen, die in der DDR eine behütete Kindheit hatten, später, als selbstbewusste Bürger aber unter politischer Verfolgung gelitten haben, bis zu jenen, deren Ausbildung erst mit der Promotion endete oder Menschen, deren Kindheit völlig ambivalent war: aufwachsen unter kleinkapitalistischen Verhältnissen mit Eltern, die das DDR-System ablehnten, aber eine gute berufliche Entwicklung und Wohlfühlen in diesem Staat genossen. In Summe wurde in der Diskussion jedoch kein nostalgisches Bild der DDR gezeichnet.
Am Ende des Abends gab der Autor Autogramme und bemerkte mit einem Augenzwinkern, dass sich mancher Gast, der sich besonders gern seiner DDR-Vergangenheit erinnerte, für Titel aus dem Angebot Reinhardt O. Hahns entschied, die streckenweise ein eher düsteres Bild des 1989 abgewickelten sozialistischen Staates zeichneten.
Jochen Miche
