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Fussball zwischen Tradition und Erfolg

Leipzig: Eine Stadt, drei Vereine und zwei Welten

Sonntag, 22. Dezember 2019, 16:43 Uhr
Im Rahmen seiner Berichterstattung der Auswärtsspiele des FSV Wacker 90 Nordhausen hat er schon einige Städte, einige Stadien, Fans und Atmosphären erleben dürfen. Insbesondere die Fußballstadt Leipzig hat er dieses Jahr bei Auswärtsspielen von Wacker mehrfach besucht. Dazu Beobachtungen von Christian Greiner...

Blick auf die RB-Arena (Foto: Autor) Blick auf die RB-Arena (Foto: Autor)
Sowohl Lok als auch Chemie Leipzig mit ihrer Tradition, mit ihrem nostalgischen Charme, ihren morbid wirkenden Stadien und der möglicherweise hartgesottenen Fanszene haben mich beeindruckt. Hier wird Fußballtradition gelebt und versucht zu erhalten. Der letzte Hinrundenspieltag der Fußballbundesliga in diesem Jahr hat mich in die Red Bull Arena geführt.

Die Fahrt nach Leipzig unverändert – wie immer. Doch dann trennten sich die Gemeinsamkeiten. P+R Angebote, zusätzliche Straßenbahnen, unzählige Menschen jeglichen Alters und Familien als RB-Fans erkennbar, waren auf dem Weg ins Stadion. In den Gesichtern Vorfreude, Entspanntheit und Stolz. Das Stadion selber, modern einladend, extrem professionalisiert und auf Fußballunterhaltung getrimmt. Die Mannschaft trägt auf Grund ihren Erfolges zu der positiven Atmosphäre bei.

Das Offensichtliche und Unaufhaltsame wurde an diesem Tag deutlich. Auf der einen Seite 40.000 Zuschauer, Erfolg, Spitzenfußball und entspannte Atmosphäre, auf der anderen Seite zusammen 4.000 Zuschauer, Tradition, Amateurfußball und vereinzelte Fanrivalität.

Die Anziehungskraft von Erfolg, von Modernem und von Entertainment wird auf lange Sicht Charme, Tradition und dem Leben von vergangenen Erfolgen unweigerlich an den bedeutungsarmen Rand drängen. Kaum eine deutsche Stadt hat Platz für mehrere erfolgreiche Vereine. Beste Beispiele hierfür sind München, Stuttgart und Frankfurt.

Wie in allen Bereichen hängt Erfolg auch mit finanziellen Möglichkeiten ab. Zugegebener Maßen sind die Anfangsinvestitionen bei RB nicht unerheblich gewesen, sonst wäre dieser Weg nicht möglich. Aber ebenso wichtig sind sportlicher und wirtschaftlicher Verstand um aus dem finanziellen Fundament mehr als nur eine Ruine werden zu lassen. Die Fans von Wacker Nordhausen werden dies nachvollziehen können.

Insofern kann man die fehlende Tradition, die bemerkenswerte Kommerzialisierung und die finanziellen Möglichkeiten von RB Leipzig im Vergleich zu Lok und Chemie Leipzig kritisieren.
Doch am Ende ist es jeder Einzelne, der seine Sympathie und Unterstützung für einen der drei Vereine vergibt.

Um keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen, Tradition ist wichtig, Fanverbundenheit sehr hoch zu bewerten und Unterstützung auch in weniger erfolgreichen Zeiten bemerkenswert und notwendig. Aber Erfolg, Entertainment und Modernes sprechen auch in Leipzig eine eindeutige Sprache. Auf der einen Seite guter Amateurfußball in all seinen Ausprägungen und auf der anderen Seite erfolgreicher Spitzenfußball mit all dem, was man heute von ihm erwartet.

Sollten sich die Gegebenheiten in Fußballleipzig auch in der Zukunft nicht signifikant verändern, wird es eine Stadt mit drei Vereinen in zwei verschiedenen Welten bleiben.
Christian Greiner
Autor: psg

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