Kommentar zum WLAN-Kennwort
Kot auf dem Markt
Freitag, 03. Juni 2016, 18:19 Uhr
Die Zeit eilt, gleich beginnt das Stadtfest auf dem Eisleber Markt. Dort lässt sich ja bei einem Feierabendbier gut das seit heute geöffnete, von jedem Menschen kostenfrei nutzbare WLAN-Netz testen (siehe Beitrag "Frei surfen auf dem Markt"). Jeder, der ein internetfähiges Telefon oder tragbare Computertechnik hat, kann nun auch auf dem Markt im Internet nach Informationen suchen. Alles wäre so schön, hätte das Ganze nicht einen kleinen Schönheitsfehler.
Dazu ein paar Gedanken, die noch schnell festgehalten werden wollen:
1. Eine großartige Idee, die Besucher der Lutherstadt und die Lutherstädter selbst mittels WLAN an der Restaurierung des Lutherdenkmals teilhaben zu lassen.
2. "Luther ging, das WLAN kam" (siehe "Frei surfen auf dem Markt") heißt nicht, dass Luther wegbleibt. Das wunderschöne Denkmal unseres Reformators wird bald wiederkommen und vermutlich länger bleiben, als es das WLAN geben wird. Denn wer weiß schon, welche technische Innovation das WLAN bald wieder ablösen wird.
3. Wer immer den Namen für das Eisleber Luther-WLAN festgelegt hat, er hat folgendes Klischee bedient: 'Die Jugend von heute tippt zwar ständig auf ihren Computern und Smartphones herum, ist aber aufgrund mangelnder Bildung nicht mehr in der Lage, richtig deutsch zu schreiben.' Um den Anlass dieses Kommentars endlich beim Namen zu nennen: In der Stadt Martin Luthers, des Mannes, dem eine ganze Nation eine einheitliche und schöne Sprache zu verdanken hat, in dieser Lutherstadt wird ein WLAN mit den Worten "Luther Denkmal" beworben, statt mit einem korrekt geschriebenen "Lutherdenkmal" oder "Luther-Denkmal". Das Schöne an der deutschen Sprache - im Übrigen wie auch in der Politik - ist, dass sie Alternativen bereit hält. Diese müssen nur ergriffen werden.
Die Initiatoren des freien Eisleber WLAN-Netzes haben das Kunststück fertiggebracht, die richtigen Schreibvarianten zu ignorieren und stattdessen eine falsche als Kennwort zu verwenden. Schon seltsam: Während es für immer mehr Menschen in Deutschland in der Politik nur noch eine Alternative gibt, hält die deutsche Sprache sogar mehrere Alternativen zum falschen "Luther Denkmal" bereit, doch sie werden ausgeblendet.
Knut Berner, Bochumer Theologieprofessor und Deutschlandradio Kultur-Autor, erklärte mal in einem Politischen Feuilleton: "Luther zielte auf den in weltlichen und geistlichen Angelegenheiten mündigen Einzelnen - eine Revolution im Spätmittelalter. Bildung ist die Schwester des Glaubens. So wurden im Reformationszeitalter Schulen gegründet und die Bibel übersetzt, damit jeder sich mit komplexen Thematiken vertraut machen kann."
Mit Luther kam einst die Bildung. Und mit ihm geht sie heute offenbar auch wieder. Doch das muss nicht sein. Deshalb: Bringt unseren protestantischen Heiligen bloß bald zurück! Und nehmt das Code-Wort "Luther Denkmal" wieder mit!
Weshalb hört sich im Deutschen das Wort Code eigentlich wie Kot an?
Jochen Miche
Autor: jmDazu ein paar Gedanken, die noch schnell festgehalten werden wollen:
1. Eine großartige Idee, die Besucher der Lutherstadt und die Lutherstädter selbst mittels WLAN an der Restaurierung des Lutherdenkmals teilhaben zu lassen.
2. "Luther ging, das WLAN kam" (siehe "Frei surfen auf dem Markt") heißt nicht, dass Luther wegbleibt. Das wunderschöne Denkmal unseres Reformators wird bald wiederkommen und vermutlich länger bleiben, als es das WLAN geben wird. Denn wer weiß schon, welche technische Innovation das WLAN bald wieder ablösen wird.
3. Wer immer den Namen für das Eisleber Luther-WLAN festgelegt hat, er hat folgendes Klischee bedient: 'Die Jugend von heute tippt zwar ständig auf ihren Computern und Smartphones herum, ist aber aufgrund mangelnder Bildung nicht mehr in der Lage, richtig deutsch zu schreiben.' Um den Anlass dieses Kommentars endlich beim Namen zu nennen: In der Stadt Martin Luthers, des Mannes, dem eine ganze Nation eine einheitliche und schöne Sprache zu verdanken hat, in dieser Lutherstadt wird ein WLAN mit den Worten "Luther Denkmal" beworben, statt mit einem korrekt geschriebenen "Lutherdenkmal" oder "Luther-Denkmal". Das Schöne an der deutschen Sprache - im Übrigen wie auch in der Politik - ist, dass sie Alternativen bereit hält. Diese müssen nur ergriffen werden.
Die Initiatoren des freien Eisleber WLAN-Netzes haben das Kunststück fertiggebracht, die richtigen Schreibvarianten zu ignorieren und stattdessen eine falsche als Kennwort zu verwenden. Schon seltsam: Während es für immer mehr Menschen in Deutschland in der Politik nur noch eine Alternative gibt, hält die deutsche Sprache sogar mehrere Alternativen zum falschen "Luther Denkmal" bereit, doch sie werden ausgeblendet.
Knut Berner, Bochumer Theologieprofessor und Deutschlandradio Kultur-Autor, erklärte mal in einem Politischen Feuilleton: "Luther zielte auf den in weltlichen und geistlichen Angelegenheiten mündigen Einzelnen - eine Revolution im Spätmittelalter. Bildung ist die Schwester des Glaubens. So wurden im Reformationszeitalter Schulen gegründet und die Bibel übersetzt, damit jeder sich mit komplexen Thematiken vertraut machen kann."
Mit Luther kam einst die Bildung. Und mit ihm geht sie heute offenbar auch wieder. Doch das muss nicht sein. Deshalb: Bringt unseren protestantischen Heiligen bloß bald zurück! Und nehmt das Code-Wort "Luther Denkmal" wieder mit!
Weshalb hört sich im Deutschen das Wort Code eigentlich wie Kot an?
Jochen Miche
