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Benefizgala erbrachte 3.800 Euro für sechs Selbsthilfegruppen

Aufmerksamkeit und Spenden für leidende Menschen

Sonntag, 29. Mai 2016, 23:52 Uhr
Ein Gewinn für viele war die inzwischen zehnte Benefizgala im Ludowingersaal der Kreismusikschule „Carl Christian Agthe“ in Sangerhausen. Und das im konkreten Sinn für sechs Selbsthilfegruppen, auf die der aktuelle Spendenerlös in Höhe von 3.800 Euro aufgeteilt werden wird. Hinzu kommt das Geld, das in den nächsten vier Wochen auf dem noch offenen Spendenkonto eingehen wird (Konto-Nr. siehe Ende dieses Beitrages).

Sie sind ein Teil derer, die eine wunderbare Benefizgala in Sangerhausen gestalteten. (Foto: Jochen Miche) Sie sind ein Teil derer, die eine wunderbare Benefizgala in Sangerhausen gestalteten. (Foto: Jochen Miche)
Ein Gewinn war der Abend aber auch für die Künstler insbesondere aus dem Behindertenbereich, die kraftvoll und ambitioniert spielten, sangen und tanzten. Und ein Gewinn für das Publikum, dem ein insgesamt großartiges Bühnenprogramm geboten wurde.

Die Benefizgala, die aller zwei Jahre stattfindet, sucht Unterstützung für Menschen mit Behinderungen. Veranstalter auch in diesem Jahr wieder waren der Landkreis Mansfeld-Südharz, die gastgebende Kreisstadt Sangerhausen, die Lutherstadt Eisleben, die Sparkasse Mansfeld-Südharz und Götz Schneegaß mit der Kammerphilharmonie „Miriquidi“. Sie sammelten im Vorfeld Spenden und nahmen zur Veranstaltung zehn Euro für eine Eintrittskarte. Geboten wurde den Besuchern dafür nicht nur das Gefühl, Gutes getan zu haben, sondern insbesondere ein wunderbar ausgewogenes Kulturprogramm.

Die Sparkasse zeigte sich den Selbsthilfegruppen gegenüber gewohnt großzügig: Sie spendete zur Benefizgala 1.599 Euro. (Foto: Jochen Miche) Die Sparkasse zeigte sich den Selbsthilfegruppen gegenüber gewohnt großzügig: Sie spendete zur Benefizgala 1.599 Euro. (Foto: Jochen Miche)

Die Spenden kommen laut Auskunft der Kreisverwaltung den Selbsthilfegruppen „Multiple Sklerose“ Sangerhausen, „Aphasie“ im Mansfelder Land, „Restless-Legs-Syndrom“ aus Mansfeld, „Diabetiker“ aus Eisleben, der Tanzgruppe „Das tanzende Mosaik“ des Klubs der Behinderten Hettstedt und der Wohngruppe des Wohnheims der Lebenshilfe Mansfelder Land in Hergisdorf zugute.

Vertreter aller Selbsthilfegruppen waren anwesend – als Künstler wie als Zuschauer. Im Vorfeld hatten sich um eine Berücksichtigung beim Verteilen des Benefizgala-Erlöses 20 Selbsthilfegruppen beworben – umso glücklicher sind jene sechs, die nun in die Auswahl gekommen waren, denn, so Angelika Rokohl, Leiterin der „Restless-Legs-Syndrom“ (RLS) Selbsthilfegruppe aus Mansfeld: „Wir bekommen kaum Unterstützung. Deshalb sind wir sehr froh nicht nur über das Geld. Vor allem freut uns, dass dank dieser Benefizgala die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auch auf unsere Gruppe und das Leiden seiner Mitglieder gelenkt wird.“

Das Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt, Jens Diederichs (AfD), ist Mitglied der Lebenshilfe Mansfelder Land. Er traf bei der Benefizgala gute Bekannte - Bewohner des Wohnheims Hergisdorf der Lebenshilfe - und führte mit ihnen fröhliche Gespräche. (Foto: Jochen Miche) Das Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt, Jens Diederichs (AfD), ist Mitglied der Lebenshilfe Mansfelder Land. Er traf bei der Benefizgala gute Bekannte - Bewohner des Wohnheims Hergisdorf der Lebenshilfe - und führte mit ihnen fröhliche Gespräche. (Foto: Jochen Miche)

Genau das ist auch Anliegen der Veranstaltung: „Es geht darum, etwas zu tun“, wie Landrätin Dr. Angelika Klein unterstrich, die zunächst die elfjährige Musikschülerin Henriette Kotzur und ihren Klavierlehrer Dimitre Andronov vorstellte und um beider Spiel an den Flügeln auf der Bühne bat. Andronov, der seit 1997 an der Musikschule lehrt, und seine Schülerin begeisterten mit ihrem Spiel; einziger Wermutstropfen für das Publikum war, dass die Interpreten aufgrund der Instrumentenstandorte hinter den Philharmonikern nicht gut gesehen werden konnten.

Wenn es, so Landrätin Dr. Angelika Klein, um den Gedanken des Helfens gehe, sei nicht die Spitzenleistung an sich das Entscheidende, sondern die Tat selbst. Dr. Klein stellte den Anwesenden im leider nicht voll besetzten Saal – von der politischen Prominenz des Landkreises waren gar nur die Bundestagsabgeordnete Uda Heller (CDU) und der Landtagsabgeordnete Jens Diederichs (AfD) anwesend – die elfjährige Akkordeonsolistin Andrea von Wolf vor. Die Schülerin, die im Wippraer Heilpädagogischen Pflegenest „Gänseblümchen“ lebt, spielte mehrere Stücke auf ihrem Akkordeon, unter anderem „Pippi Langstrumpf“, mit dem sie als erste Akteurin des Abends rhythmischen Dauerapplaus einheimste.

Köstlich: die Dresdner Operettensängerin Jeanette Oswald und der frühere Sangerhäuser Oberbürgermeister Fritz-Dieter Kupfernagel. (Foto: Jochen Miche) Köstlich: die Dresdner Operettensängerin Jeanette Oswald und der frühere Sangerhäuser Oberbürgermeister Fritz-Dieter Kupfernagel. (Foto: Jochen Miche)

Andrea von Wolf hatte eine Stellvertreterfunktion eingenommen: für die Landrätin. Dr. Klein bekannte, weder singen noch ein Instrument spielen oder tanzen zu können, deshalb hatte sie die Wippraerin um ihre Mitwirkung gebeten. Mehr als eine großartige Geste: Menschen in die Gestaltung des Abends einzubeziehen, die ihr Leben trotz einer Einschränkung meistern und zudem zu Leistungen wie die elfjährige Andrea fähig sind.

So bekamen auch die Mitglieder der Gruppe „Das tanzende Mosaik“ des Klubs der Behinderten Hettstedt ihr Podium und das Publikum einen Beweis geliefert für eine ambitionierte Freizeitgestaltung, die stets zwei Gewinner hat: die Tänzerinnen selbst und ihr Publikum. Riesenapplaus – nicht zuletzt des Hettstedter Bürgermeisters Danny Kavalier, der zu den Spendern des Abends gehörte – war denn auch den Tänzerinnen sicher.

Überzeugte durch ihr souveränes Spiel auf dem Akkordeon: Andrea von Wolf aus Wippra.  (Foto: Jochen Miche) Überzeugte durch ihr souveränes Spiel auf dem Akkordeon: Andrea von Wolf aus Wippra. (Foto: Jochen Miche)

Überhaupt: die Bürgermeister. Sie brachten sich ebenfalls ein mit eigenen Beiträgen. Sensationell: Eislebens Oberbürgermeisterin Jutta Fischer, die sich mit langen frech-fröhlichen Texten mit Martin Luther alias Torsten Lange-Klemmstein von der Agentur für Kunst und Kulturreisen im „Graf von Mansfeld“ über die Beschwernisse austauschte, welche Luthers Ehefrau „Herr Käthe“ einst an der Seite eines in Geldfragen völlig überforderten Genius durchmachen musste.

Ein weiterer Oberbürgermeister, Ralf Poschmann, bekannte gleich der Landrätin, nicht gerade der geborene Künstler zu sein. Mit Hilfe seines befreundeten Pianisten Manfred Kieling jedoch habe er ein Lied einstudiert: „Mein liebes Sangerhausen“. Das Publikum war begeistert! Fröhlicher Zwischenapplaus, rhythmisches Mitklatschen und teilweises Mitsingen des Refrains brachten den Saal erstmals zum Kochen, und das weniger wegen der künstlerischen Klasse des Vortrags als aufgrund der Authentizität und Ausstrahlung des bescheiden auftretenden und mit einem Augenzwinkern sich in sein Schicksal als Sänger dreinfindenden Oberbürgermeisters.


Das Programm dieser 10. Benefizgala zeichnete sich durch eine kluge Mischung aus. So bereicherten Profis wie der Sprecher Andreas Mann, die Kammerphilharmonie „Miriquidi“, der Bariton Götz Schneegaß und die Sopranistin Jeanette Oswald von der Staatsoperette Dresden mit ebenso bekannten wie begeisternden Stücken das Programm. Und wie war Fritz-Dieter Kupfernagel in diesem Programm einzuordnen?

Der ausgebildete Lehrer war von 1996 bis 2010 Sangerhäuser Oberbürgermeister, ist unter anderem Vorsitzender der Einar-Schleef-Arbeitskreises, Buchautor, Rezitator und – Sänger. Solistisch und im Duett oder Trio mit Oswald und Schneegaß riss er das Publikum mit seiner sängerischen Leistung ebenso wie mit seinem schauspielerischen Talent und Humor mit. Als gegen Ende der Veranstaltung Götz Schneegaß „In Sangerhausen blüh’n wieder die Rosen“ sang und schließlich nach der Melodie eines Paul-Lincke-Lieds von 1904 „Das ist die Sangerhäuser Luft, Luft, Luft“ gesungen wurde und die Menschen im Saal mit einstimmten und applaudierten, erreichte der Abend jenen Moment, von dem es heißt: „Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören“. So geschah es, und Götz Schneegaß kündigte unter stürmischem Applaus für das Jahr 2018 die nächste Benefizgala an.

Jochen Miche

Noch bis Ende Juni 2016 können weitere Spenden zur Unterstützung von Selbsthilfegruppen und gemeinnützigen Vereinen auf folgendes Konto des Landkreises Mansfeld-Südharz eingezahlt werden:
Sparkasse Mansfeld-Südharz
IBAN DE49 8005 5008 0160 0012 00
Verwendungszweck 999 99.00029
Autor: jm

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