Polizei: Verkehrsunfallstatistik
Motorradfahrerin rast frontal in Ackergerät - tot
Donnerstag, 07. April 2016, 07:00 Uhr
Die Forderung von Polizeidirektor Thomas Aust "Wir werden in diesem Jahr verstärkt das verkehrsgerechte Verhalten von Motorradfahrern kontrollieren" hätte keines deutlicheren Beweises bedurft als den Unfall, der sich Minuten vor der Pressekonferenz zur Auswertung der Verkehrunfallstatistik 2015 bei Kelbra ereignet hat.
Auswertung der Verkehrsunfallstatistik 2015. Im Bild 2. v. l. Heiko Prull, Pressesprecher des Polizeireviers Mansfeld-Südharz, in der Mitte der Leiter des Polizeirevieres, Polizeidirektor Thomas Aust. (Foto: Jochen Miche)
Dort prallte eine Motorradfahrerin während eines Überholmanövers frontal in die Arbeitsmaschine, die ein ihr entgegenkommender Traktor zog. Die Frau starb sofort, hieß es von Seiten der Polizei...
Was war geschehen? Um 11.36 Uhr wurde die Polizei über den Notruf informiert, dass es zwischen Berga und Kelbra zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen sei. Das vorderste von zwei Motorrädern, das eine 56-jährige Frau steuerte, hätte einen vor ihm fahrenden Rettungswagen überholt und dabei nicht beachtet, dass ihm auf der linken Spur ein Traktor mit angehängten Ackergerät entgegenkam.
Das Motorrad steuerte laut Augenzeugen direkt auf den Traktor zu. Die Kradfahrerin habe offenbar die Situation falsch eingeschätzt und es nicht mehr geschafft, rüber auf die rechte Fahrbahnseite zu lenken. Beim Wechsel auf ihre Seite fuhr sie frontal in das Ackergerät hinein. Sie starb noch an der Unfallstelle. Ihr Ehemann (55) stürzte und kam mit leichten Verletzungen davon. Der Traktorfahrer erlitt einen Schock, heißt es.
Überholen als Unfallursache hat im vergangenen Jahr kaum eine große Rolle in der Statistik gespielt, wie die Zahlen zeigen. Laut Polizeihauptkommissar Olaf Venohr wurden 2015 genauso viele Unfälle durch falsch eingeschätzte Überholmanöver verursacht, wie ein Jahr zuvor: 106.
Zu enge Parkboxen
Hauptunfallursache jedoch war im vorigen Jahr das Rückwärtsfahren. Von den insgesamt 4.507 Verkehrsunfällen war im Jahr 2015 fast jeder vierte - genau 1005 - Unfall durch falsches Rückwärtsfahren passiert (2014: 1020). 80 Prozent dieser Unfälle, die durch Nichtbeachten des Verkehrs oder falschen Abstand zu benachbart parkenden Autos geschehen, sind Parkplatzunfälle. Insbesondere die Fahrzeuglücken auf Supermärkten sind oft alles andere als super. Doch das hat schlicht und einfach etwas mit den Kosten zu tun: Da Supermärkte je nach ihrer Größe eine bestimmte Anzahl Parkplätze vorhalten müssen, die Flächen aber Geld kosten (Erwerb, Erschließung, Grundsteuer, Pflege), werden oft nur die Mindestgrößen der Boxen auf den Asphalt gemalt. Der Dumme ist am Ende der, der diese Parkplätze nutzt, ohne fahrtechnisch dieser Situation wirklich gewachsen zu sein.
Das Medieninteresse an den Unfallzahlen des vergangenen Jahres war groß. Im Bild: Ralf Haiasch, Chef des regionalen Fernsehsenders PunktUm, schaut Polizeihauptkommissar Olaf Venohr bei der Erläuterung der Unfallstatistik über die Schulter. (Foto: Jochen Miche)
Zweithäufigste Unfallursache war Wild: 964 Unfälle stehen zu Buche (2014: 749). Olaf Venohr, der die Statistik vorstellte und erläuterte, machte zwei Hauptursachen für das unrühmliche Plus von immerhin 215 Wildunfällen im Vorjahr aus: ein milder Winter von 2014 zu 2015 und die zunehmende Monokultur auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen (Raps, Mais etc.). Letzteres führte dazu, dass Wildunfälle nicht mehr nur im Wald passieren, sondern zunehmend auch auf Straßen, die ausschließlich an Äckern entlang führen, so Polizeihauptkommissar Venohr.
In diesem Zusammenhang mahnte der Leiter des Polizeireviers, Thomas Aust: "Wir leben in einem ländlichen Bereich. Mit Wild ist hier immer zu rechnen, vor allem in der Dämmerung. Dies sollte bei der Zeitplanung unbedingt berücksichtigt werden." An Stellen, die sich als besonders kritisch herausgestellt haben, sollen Wildwarnschilder aufgestellt werden. Ein Aspekt im Zusammenhang mit Wildunfällen sorgte für eine gewisse Erleichterung am Tisch: Es sind bei den nahezu eintausend Wildunfällen im Verhältnis glücklicherweise nur 14 Menschen leicht und einer schwer verletzt worden.
Thema Unfallflucht
Unfallverursacher Wild: Tiere, die leicht angefahren wurden oder denen ein Fahrzeug spontan ausgewichen ist, verlassen den Unfallort, wenn es ihnen möglich ist, sofort. Das ist naturgemäß nicht strafbar. Anders bei Fahrzeugführern. Unfallflucht nennt der Gesetzgeber "Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort". Das kam im Jahr 2015 in 770 Fällen vor (2014: 746). Aufgeklärt werden konnten 350 Fälle (2014: 372). Das entspricht einer Quote von 45,45 Prozent (2014: 49,86 Prozent).
Nahezu die Hälfte aller Menschen, die den Unfallort verlassen haben, ohne auf die Polizei zu warten oder wenigstens Namen und Anschrift zu hinterlassen, wurden ermittelt. Das ist eine gute Quote. Klingelt bei denen irgendwann die Polizei, gibt es meistens Ausreden. Sehr beliebt ist: "Wir hätten uns ja noch gemeldet."
Weshalb sie das nicht schon in den Stunden oder Tagen nach ihrer Unfallflucht getan haben, können diese Leute meist nicht erklären. Die Polizei jedoch hat es oft sehr schwer, die Unfallverursacher zu ermitteln. Deshalb, so Thomas Aust: "Es ist schwierig, aus dem Nichts heraus einen Treffer zu landen. Deshalb möchten wir noch einmal an alle appellieren, sich im Falle eines Unfalls Kennzeichen oder sonstige Merkmale zu notieren."
Jochen Miche
Autor: jm
Auswertung der Verkehrsunfallstatistik 2015. Im Bild 2. v. l. Heiko Prull, Pressesprecher des Polizeireviers Mansfeld-Südharz, in der Mitte der Leiter des Polizeirevieres, Polizeidirektor Thomas Aust. (Foto: Jochen Miche)
Dort prallte eine Motorradfahrerin während eines Überholmanövers frontal in die Arbeitsmaschine, die ein ihr entgegenkommender Traktor zog. Die Frau starb sofort, hieß es von Seiten der Polizei...
Was war geschehen? Um 11.36 Uhr wurde die Polizei über den Notruf informiert, dass es zwischen Berga und Kelbra zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen sei. Das vorderste von zwei Motorrädern, das eine 56-jährige Frau steuerte, hätte einen vor ihm fahrenden Rettungswagen überholt und dabei nicht beachtet, dass ihm auf der linken Spur ein Traktor mit angehängten Ackergerät entgegenkam.
Das Motorrad steuerte laut Augenzeugen direkt auf den Traktor zu. Die Kradfahrerin habe offenbar die Situation falsch eingeschätzt und es nicht mehr geschafft, rüber auf die rechte Fahrbahnseite zu lenken. Beim Wechsel auf ihre Seite fuhr sie frontal in das Ackergerät hinein. Sie starb noch an der Unfallstelle. Ihr Ehemann (55) stürzte und kam mit leichten Verletzungen davon. Der Traktorfahrer erlitt einen Schock, heißt es.
Überholen als Unfallursache hat im vergangenen Jahr kaum eine große Rolle in der Statistik gespielt, wie die Zahlen zeigen. Laut Polizeihauptkommissar Olaf Venohr wurden 2015 genauso viele Unfälle durch falsch eingeschätzte Überholmanöver verursacht, wie ein Jahr zuvor: 106.
Zu enge Parkboxen
Hauptunfallursache jedoch war im vorigen Jahr das Rückwärtsfahren. Von den insgesamt 4.507 Verkehrsunfällen war im Jahr 2015 fast jeder vierte - genau 1005 - Unfall durch falsches Rückwärtsfahren passiert (2014: 1020). 80 Prozent dieser Unfälle, die durch Nichtbeachten des Verkehrs oder falschen Abstand zu benachbart parkenden Autos geschehen, sind Parkplatzunfälle. Insbesondere die Fahrzeuglücken auf Supermärkten sind oft alles andere als super. Doch das hat schlicht und einfach etwas mit den Kosten zu tun: Da Supermärkte je nach ihrer Größe eine bestimmte Anzahl Parkplätze vorhalten müssen, die Flächen aber Geld kosten (Erwerb, Erschließung, Grundsteuer, Pflege), werden oft nur die Mindestgrößen der Boxen auf den Asphalt gemalt. Der Dumme ist am Ende der, der diese Parkplätze nutzt, ohne fahrtechnisch dieser Situation wirklich gewachsen zu sein.
Das Medieninteresse an den Unfallzahlen des vergangenen Jahres war groß. Im Bild: Ralf Haiasch, Chef des regionalen Fernsehsenders PunktUm, schaut Polizeihauptkommissar Olaf Venohr bei der Erläuterung der Unfallstatistik über die Schulter. (Foto: Jochen Miche)
Zweithäufigste Unfallursache war Wild: 964 Unfälle stehen zu Buche (2014: 749). Olaf Venohr, der die Statistik vorstellte und erläuterte, machte zwei Hauptursachen für das unrühmliche Plus von immerhin 215 Wildunfällen im Vorjahr aus: ein milder Winter von 2014 zu 2015 und die zunehmende Monokultur auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen (Raps, Mais etc.). Letzteres führte dazu, dass Wildunfälle nicht mehr nur im Wald passieren, sondern zunehmend auch auf Straßen, die ausschließlich an Äckern entlang führen, so Polizeihauptkommissar Venohr.
In diesem Zusammenhang mahnte der Leiter des Polizeireviers, Thomas Aust: "Wir leben in einem ländlichen Bereich. Mit Wild ist hier immer zu rechnen, vor allem in der Dämmerung. Dies sollte bei der Zeitplanung unbedingt berücksichtigt werden." An Stellen, die sich als besonders kritisch herausgestellt haben, sollen Wildwarnschilder aufgestellt werden. Ein Aspekt im Zusammenhang mit Wildunfällen sorgte für eine gewisse Erleichterung am Tisch: Es sind bei den nahezu eintausend Wildunfällen im Verhältnis glücklicherweise nur 14 Menschen leicht und einer schwer verletzt worden.
Thema Unfallflucht
Unfallverursacher Wild: Tiere, die leicht angefahren wurden oder denen ein Fahrzeug spontan ausgewichen ist, verlassen den Unfallort, wenn es ihnen möglich ist, sofort. Das ist naturgemäß nicht strafbar. Anders bei Fahrzeugführern. Unfallflucht nennt der Gesetzgeber "Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort". Das kam im Jahr 2015 in 770 Fällen vor (2014: 746). Aufgeklärt werden konnten 350 Fälle (2014: 372). Das entspricht einer Quote von 45,45 Prozent (2014: 49,86 Prozent).
Nahezu die Hälfte aller Menschen, die den Unfallort verlassen haben, ohne auf die Polizei zu warten oder wenigstens Namen und Anschrift zu hinterlassen, wurden ermittelt. Das ist eine gute Quote. Klingelt bei denen irgendwann die Polizei, gibt es meistens Ausreden. Sehr beliebt ist: "Wir hätten uns ja noch gemeldet."
Weshalb sie das nicht schon in den Stunden oder Tagen nach ihrer Unfallflucht getan haben, können diese Leute meist nicht erklären. Die Polizei jedoch hat es oft sehr schwer, die Unfallverursacher zu ermitteln. Deshalb, so Thomas Aust: "Es ist schwierig, aus dem Nichts heraus einen Treffer zu landen. Deshalb möchten wir noch einmal an alle appellieren, sich im Falle eines Unfalls Kennzeichen oder sonstige Merkmale zu notieren."
Jochen Miche
