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Kreisfeuerwehrverband tagte in Wallhausen

Drei Briefe bringen Super-Geschenk

Sonntag, 20. März 2016, 17:39 Uhr
Der Kreisfeuerwehrverband Mansfeld-Südharz hatte gerufen, und viele kamen: immerhin von 136 Delegierten 80 Kameradinnen und Kameraden. Den 56, die aus den verschiedensten Gründen daheim, im Urlaub oder Krankenstand geblieben waren, entging etwas: eine informative und selbst in Momenten unumgänglicher Bürokratie dank witziger Moderation nie langweilige Jahreshauptversammlung. Hier hielten sich Ernst und Humor die Waage. Und wurden wichtige Probleme benannt.

Der Kreisfeuerwehrverband lud zu seiner diesjährigen Verbandsversammlung in den „Sonnensaal“ des früheren Steingutwerkes Wallhausen ein. Dort bat der Moderator der Verbandsversammlung, Florian Mydlak, zunächst die Anwesenden, sich zu einer Gedenkminute für den im Alter von 54 Jahren verstorbenen einstigen FDP-Vorsitzenden und Bundesaußenminister, Guido Westerwelle, von den Plätzen zu erheben.

Im "Sonnensaal" des einstigen Wallhäuser Steingutwerkes fand die diesjährige Jahreshauptversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Mansfeld-Südharz statt. (Foto: Jochen Miche) Im "Sonnensaal" des einstigen Wallhäuser Steingutwerkes fand die diesjährige Jahreshauptversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Mansfeld-Südharz statt. (Foto: Jochen Miche)
Der Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzende, Roy Rockmann, zog in seinem Bericht eine insgesamt sehr positive Bilanz des Verbandes für das zurückliegende Jahr. Dabei ging er nicht auf die in die Hunderte gehenden Einsätze der Feuerwehren ein, sondern auf Weiterbildungen, das traditionelle Feuerwehrsportfest in Ahlsdorf, Gerätehausübergaben und vieles mehr. Voller Stolz erinnerte er an die Erfolge der Feuerwehren in Wettkämpfen. Darunter den Einsatz der Jugendfeuerwehr Helfta bei den Deutschen Meisterschaften in Montabaur, wo die Helftaer im Kreativteil gemeinsam mit der Jugendfeuerwehr Magdeburg Olvenstedt den ersten und in der Gesamtwertung einen ausgezeichneten 15. Platz belegen konnten.

Buswerbung: zu teuer

Eine Sache, die der Verbandsleitung sehr am Herzen liegt, zugleich aber Sorgen bereitet, ist die Nachwuchsgewinnung. Ein Beispiel, das nicht funktionierte, war die Mitgliedergewinnung mit Hilfe von Buswerbung. Hier trat sehr schnell Ernüchterung ein, nachdem ein Sponsor sein Angebot, auf fünf Bussen für diesen guten Zweck zu werben, zurückgezogen hatte. Es stellte sich heraus, dass – bei 50 Prozent Nachlass auf den regulären Preis – die Buswerbung 20.000 Euro gekostet hätte. Da wäre das „Fahren für einen guten Zweck“ aber richtig teuer geworden, konstatierte Roy Rockmann. Sein Kommentar: „Wir denken an eine neue Kampagne.“

Kreis-Feuerwehrchef Roy Rockmann während seines Rechenschaftsberichts im Scheinwerferlicht des PunktUm-Fernsehens. (Foto: Jochen Miche) Kreis-Feuerwehrchef Roy Rockmann während seines Rechenschaftsberichts im Scheinwerferlicht des PunktUm-Fernsehens. (Foto: Jochen Miche)
Im Jahr 2016, so die Vorausschau des Verbandsvorsitzenden, dürfen sich die Kameradinnen und Kameraden wieder auf große Ereignisse und Herausforderungen freuen, darunter am 6. Juni auf das Feuerwehrsportfest in Ahlsdorf sowie im September auf den Sachsen-Anhalt-Tag in Sangerhausen und das Kreismusiktreffen in Sandersleben.

1.152 junge Aktive

Voller Temperament trug Thomas Reinhardt den Rechenschaftsbericht der Kreisjugendfeuerwehr vor. Er nannte Zahlen: Zur Kreisjugendfeuerwehr gehören 77 Jugendfeuerwehren mit 684 Mitgliedern und 49 Kinderfeuerwehren mit 468 Mitgliedern. „Damit hat Mansfeld-Südharz neben dem Salzlandkreis den zweitgrößten Verband in der Landesjugendfeuerwehr“, erklärte Reinhardt nicht ohne Stolz. Fast zehn Prozent aller Mitglieder in der Landesjugendfeuerwehr kommen aus dem Mansfelder Land.

Auch er erinnerte an Wettbewerbs- und andere Erfolge. Darunter an das Benefizschwimmen für die achtjährige, schwerbehinderte Emely, um ihr eine Delfintherapie zu ermöglichen. Die von Anke Weder geleitete „Jugendfeuerwehr Hornburg nahm ihr 20-jähriges Bestehen zum Anlass, zur Feier eine Sammlung für Emelys Familie zu organisieren und konnte am Kinderaktionstag der Familie neben einem Kuscheltier für Emely einen Scheck überreichen“, erinnerte der Kreisjugendwart.

Zu den vielen Veranstaltungen im vergangenen Jahr mit und für die jungen und jüngsten Feuerwehrmitglieder gehörten ein Auerbergaufenthalt mit 70 Teilnehmern, der Bundeswettbewerb in Rottleberode, an dem fünf hiesige Mannschaften teilnahmen, der Kinderaktionstag, der zwar verschoben aber nicht aufgehoben worden war, die Leistungsspangenabnahme in Dessau (fünf Mannschaften von hier dabei), der Juleica-Fortbildungslehrgang in Sangerhausen mit 14 Teilnehmern und der Leistungsmarsch in Helbra, an dem 28 Mannschaften mit 350 Aktiven teilgenommen hatten. Reinhardt: „An dieser Stelle möchte ich mich beim Gemeindewehrleiter Amey der Verbandsgemeinde Mansfelder Grund und den Feuerwehren für die Unterstützung bei der Durchführung des Wettbewerbs bedanken.“ Außerdem sprach er der Jugendfeuerwehr Helfta und all jenen einen besonderen Dank aus, die die Voraussetzungen mit geschaffen hatten, dass die Helftaer eine so großartige Leistung in Montabaur bringen konnte.

Die Landrätin, Dr. Angelika Klein, während ihres Grußwortes. Im Vordergrund das Präsidium der Verbandsversammlung. (Foto: Jochen Miche) Die Landrätin, Dr. Angelika Klein, während ihres Grußwortes. Im Vordergrund das Präsidium der Verbandsversammlung. (Foto: Jochen Miche)
Thema Geld. Hierzu sagte Thomas Reinhardt: „Leider spielt auch bei unseren Aktionen und Veranstaltungen – mögen wir auch noch so sparsam sein – das Geld eine nicht unerhebliche Rolle.“ Er beklagte, dass es selbst für die Kreisjugendfeuerwehr aufgrund der neuen Fördermittelrichtlinien sehr schwer sei, überhaupt noch Förderung für die Aktivitäten zu bekommen. Obwohl sparsamer denn je gewirtschaftet worden sei, kam man um ein Anheben der Teilnehmerbeiträge nicht umhin. Gleichwohl bleibt auch bei den Kinder- und Jugendfeuerwehren das größte Kapital das Engagement ihrer Mitglieder, der Kinder- und Jugendwarte sowie aller, die etwas zum Wohl der Kinder und Jugendlichen tun, und dafür dankte Thomas Reinhardt aufs Herzlichste.

Gut gemeistert: Neue Strukturen

Komplimente und Dankesworte hatte auch Landrätin Dr. Angelika Klein (Die Linke) parat. Sie würdigte die starke Position des Kreisfeuerwehrverbandes im Landkreis und dankte insbesondere dem Vorstand, der es vermocht hatte, neue Strukturen zu schaffen und dennoch die Arbeit „in ein ruhiges Fahrwasser“ zu führen. Die Zusammenarbeit mit dem Landkreis klappe sehr gut – neben dem Leistungsmarsch gibt es manche gemeinsamen Projekte. Auf die Nachwuchsgewinnung mittels geplanter, aber ausgefallener Buswerbung bezogen, sagte sie: „Es stört mich, dass bei uns auf Bussen für Einkaufstouren in Nordhausen geworben wird, es aber nicht möglich ist, für unsere eigenen Feuerwehren zu werben.“ Nun wolle sie mal mit Verantwortlichen der Verkehrsgesellschaft „Südharz“ sprechen.

Entschuldigung, dass ich helfe“

Der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes, Kai-Uwe Lohse, stellte provokatorisch die Frage: „Ist Verbandsarbeit noch zeitgemäß?“, um gleich selbst zu antworten: „Ich denke, ja.“ Und das trotz vieler Veränderungen unterschiedlichster Art. Aber er vermisse heute eine gewisse Schärfe bei der Feuerwehr. Vor allem darin, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Und diese Interessen sind Schutz des Lebens und der Gesundheit der Bürger sowie deren Hab und Gut. Dem müsste sowohl die Ausstattung als auch – siehe Thema Mitgliedergewinnung – die Haltung der Gemeinden selbst entsprechen. Lohse: „Es wird Zeit, dass die Politik etwas tut.“ Manchmal werde verkehrte Welt gespielt: „Ausbildung, Einsätze, Beratungen und vieles andere wird von den Kameradinnen und Kameraden geleistet, und dann müssen wir den Leuten noch erklären, dass wir helfen wollen!“ Nachwuchsgewinnung, so Lohse, werde zunehmend wichtiger. Er sagte: „Bei allem demografischen Wandel: Auch eine Gemeinde mit nur 500 Einwohnern schafft es, eine leistungsfähige Feuerwehr auf die Beine zu stellen. Wo ein Wille ist, da ist immer noch ein Weg.“

Bei der Feuerwehr gab es weder rote noch gelbe Karten: Hier wurde mit blauen Karten abgestimmt - beispielsweise über die neuen Kassenprüfer oder eine Änderung der Finanzordnung. (Foto: Jochen Miche) Bei der Feuerwehr gab es weder rote noch gelbe Karten: Hier wurde mit blauen Karten abgestimmt - beispielsweise über die neuen Kassenprüfer oder eine Änderung der Finanzordnung. (Foto: Jochen Miche)
Diesem Gedanken folgte auch der Vorsitzende des benachbarten Kreisfeuerwehrverbandes Nordhausen, Thomas Evers. Er nahm in seinen Grußworten Bezug auf eine misslungene Werbekampagne für neue Mitglieder in Erfurt. „Da wurden 20.000 Rückantwort-Karten an Menschen im feuerwehrfähigen Alter versandt. Nach diesem ganzen riesigen Aufwand und dem Nehmen aller Hürden gab es am Ende gerade mal drei Rückantworten – und von denen wollte niemand Mitglied der Feuerwehr werden.“ Wichtiger, so Lohse, sei es, die Führungskräfte der Feuerwehren zu schulen, und zwar zum Thema: „Wie motiviere ich Menschen, sich der Feuerwehr anzuschließen?“

Üben, um Leben zu retten

Weniger der Motivation, denn einer guten Ausbildung der Feuerwehrleute dient eine „Übungsbrandmeldeanlage“, die dem Kreisfeuerwehrverband von drei Sponsoren geschenkt worden ist. Den Mammutanteil an der zusammenklappbaren und transportablen Anlage hatte die Wichmann Datentechnik Sangerhausen GmbH übernommen. Wie Effizienz beim Sponsoring in diesem Fall ausgesehen hat, davon schwärmte Kreis-Feuerwehrchef Roy Rockmann: „Wir haben drei Briefe investiert und drei positive Antworten erhalten.“ Jörg Fischer, Servicemanager beim Hauptsponsor, der Wichmann Systemhausgruppe, erklärte die Beweggründe für das großzügige Geschenk: „Im Alltag ist es Feuerwehrleuten kaum möglich, den Umgang mit Brandmeldeanlagen zu üben. Wie sieht denn die Realität aus, beispielsweise in mehretagigen Gebäuden? Die Feuerwehr muss bei Alarm schnell und sicher in das Gebäude und in den Raum gelangen, wo die Informationen zusammenlaufen. Der Feuerwehrmann muss ablesen, in welchem Raum des Gebäudes es brennt und diesen Brandort dann mit Hilfe der Laufkarten finden.“

Offizielle Inbetriebnahme eines überaus wertvollen Geschenks: Der Chef des Kreisfeuerwehrverbands, Roy Rockmann (links), nimmt von Jörg Fischer, Servicemanager der Wichmann Systemhausgruppe, die neue Übungsbrandmeldeanlage entgegen. (Foto: Jochen Miche) Offizielle Inbetriebnahme eines überaus wertvollen Geschenks: Der Chef des Kreisfeuerwehrverbands, Roy Rockmann (links), nimmt von Jörg Fischer, Servicemanager der Wichmann Systemhausgruppe, die neue Übungsbrandmeldeanlage entgegen. (Foto: Jochen Miche)
Diese komplexen Vorgänge wollen beherrscht sein, auch deshalb, weil sich Rauchmelderwarnungen vom klassischen Brand allein schon dadurch unterscheiden, dass der Brandherd oft von außen nicht auszumachen ist oder aufmerksame Nachbarn helfen. Der Umgang mit der Übungsbrandmeldeanlage, so Jörg Fischer, fördere zudem das Verständnis für das Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten. Beispielsweise müsse der Feuerwehrmann auch bei einem Fehlalarm in der Lage sein, diesen Alarm schnellstmöglich zurücksetzen. Das alles kann an der mobilen Anlage geübt werden. Deshalb meinte Roy Rockmann: „Ich hoffe, dass die Anlage von den einzelnen Feuerwehren möglichst oft ausgeliehen und genutzt wird.“

KIT hilft auch Kameraden

Moderator Florian Mydlak machte auf Mappen mit Informationen des Kriseninterventionsteams (KIT) aufmerksam. Ein KIT, erklärte er, betreut die oftmals schwer traumatisierten Unfallopfer, deren Angehörigen und weitere Betroffene auf unterschiedliche Weise. Was in der Öffentlichkeit aber oft nicht wahrgenommen werde sei, dass auch Feuerwehrleute unter dem Eindruck schwerer Verkehrsunfälle oder Brandereignisse mit Toten und Verletzten teilweise ebenfalls leiden. Auch ihnen könnten die speziell für diese ehrenamtliche Aufgabe geschulten Mitarbeiter des KIT helfen, mit bestimmten Belastungen besser zurechtzukommen. Deshalb sollten sie die Info-Mappen mitnehmen und sich nicht scheuen, sich an die KIT-Mitarbeiter mit ihren Fragen zu wenden.

Nach einem umfangreichen Kassenprüfungsprozedere, im Zuge dessen unter anderem ein Kassenprüfungsbericht gehalten, eine Änderung der Finanzordnung beschlossen und ein neuer Kassenprüfer gewählt worden war, gab es drei Ehrungen. So wurde Günther Markgraf (in Abwesenheit) die Ehrennadel für seine Verdienste um die Jugendarbeit überreicht. Weiterhin wurden der Verbandsvorsitzende, Roy Rockmann, sowie der Moderator der Verbandsversammlung, der stets aus Leipzig anreisende Florian Mydlak, für ihr Engagement ausgezeichnet.

In seinem Schlusswort mahnte Roy Rockmann noch einmal, künftig für die Mitgliederwerbung und andere Aufgaben stärker die Kommunal- und Landespolitiker mit einzubinden, die an funktionierenden Feuerwehren und dem damit einhergehenden Sicherheitsgefühl der Bevölkerung doch stärkstes Interesse haben sollten.

Jochen Miche
Autor: jm

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