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Neue Ausstellung in Schloss und Burg Allstedt

Hollys Bilder als Speicher der Freude

Dienstag, 15. März 2016, 12:47 Uhr
Allstedts Bürgermeister Jürgen Richter begrüßt in der Schlosskapelle die Besucher der neuesten Kunstausstellung. (Foto: Jochen Miche) Allstedts Bürgermeister Jürgen Richter begrüßt in der Schlosskapelle die Besucher der neuesten Kunstausstellung. (Foto: Jochen Miche) Dieses Ereignis ließen sich rund 100 Menschen nicht entgehen: Die Eröffnung der Bilderausstellung der Sangerhäuser Künstlerin Ramona Hollunder auf Burg und Schloss Allstedt. Dort erfreute das Publikum eine außerordentliche Vernissage mit Musik vom Blüthner-Flügel und einer Laudatio, für die das begeisterte Publikum mit großem Applaus dankte.

Die Künstlerin irritierte zunächst mit dem Hinweis „Ich bin die Holly aus Thüringen“ auf ihrer Vita, welche, eingerahmt, den Beginn ihrer Ausstellung markiert. Sangerhausen gehört doch noch zu Sachsen-Anhalt, oder? Frau Hollunder bestätigte dies mit einem Lächeln und klärte auf: „Ich bin in Thüringen geboren und habe dort jahrzehntelang gelebt. Das prägt schon etwas.“ Zwei leben ihre Verwandten weiterhin in Thüringen, sie selbst ist jedoch seit Jahren Sangerhäuserin, hat hier ihr Atelier und ihre Freunde – und findet hier die nötige Inspiration für ihre Acryl- und Aquarellbilder, von denen sie einen Teil nun unter dem Titel „Frühlingserwachen“ auf Burg und Schloss Allstedt ausstellt.
In Scharen schoben sich die Besucher an den Bilderwänden mit Werken der Künstlerin Ramona Hollunder entlang. Da hatten es Menschen wie der Eisleber Fotokünstler Richard Bartlitz (rechts im Bild), der die meisten Besucher um einen Kopf überragte, leichter, einen Blick auf die Galerie zu werfen. (Foto: Jochen Miche) In Scharen schoben sich die Besucher an den Bilderwänden mit Werken der Künstlerin Ramona Hollunder entlang. Da hatten es Menschen wie der Eisleber Fotokünstler Richard Bartlitz (rechts im Bild), der die meisten Besucher um einen Kopf überragte, leichter, einen Blick auf die Galerie zu werfen. (Foto: Jochen Miche)
Bürgermeister Jürgen Richter begrüßte die Gäste in der vollbesetzten Schlosskapelle. Er freue sich, dass das Schloss als Ort der Kleinkunst angenommen und mit wechselnden Ausstellungen insbesondere einheimischer Künstler immer wieder neu belebt werde. Der Ausstellung von Ramona Hollunder bescheinigte er große Ausstrahlungskraft – allein die Bilderauswahl und der Ausstellungstitel seien geeignet, den Frühling zu rufen und hervorzulocken.

Für die musikalischen Zwischentöne sorgte am Blüthner-Flügel Claudia Franke, bevor Museumsleiter Adrian Hartke in seiner Laudatio feststellte: Ramona Hollunders „Kunst soll Freude schenken. Jedes Kunstwerk ist ein Speicher der Freude.“ Diese Heiterkeit, die auch Frau Hollunders Naturell zu sein scheint, fließt in ihr Werk ein. Adrian Hartke: „Die Freude, die Leidenschaft, die sie beim Entstehen eines ihrer Werke erfährt, fließt in ihre Kunst. Ihre Werke sind Kapseln der Freude. Diese Kapseln gibt die Künstlerin an jeden Betrachter ihrer Werke weiter. Ohne Verpackungs-, ohne Bedienungsanleitung kann die Freude aus den Werken gezogen werden. Es reicht allein der Blick, das Gefühl, das Erleben.“

Der Museumsleiter ging auf die Wirkung der Bilder von Holly, wie sie sich auch selbst dem Publikum vorstellte, ein: „Sie gibt keine Richtung vor. Der Betrachter wird dazu ermuntert, sich in einen stillen Dialog mit der Wirkung von Licht und Farben zu versetzen. Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Die Kunst liegt im Auge des Betrachters. Ohne Schranken nähert sich der Betrachter der Kunst und der Künstlerin, die einen Teil von sich selbst in ihrer Kunst preisgibt. Das erfordert Mut. Und den hat die Künstlerin zweifellos.“

Tatsächlich tat sich Ramona Hollunder viele Jahre lang schwer, ihre Bilder öffentlich zu zeigen. Doch ihre Familie, Verwandten und Freunde ermutigten sie, an die Öffentlichkeit zu gehen. So zeigte sie anfangs in Sangerhausen in einem Schaufenster einige Bilder, woraufhin sie vom Initiator des Hettstedter Tages der offenen Galerien „entdeckt“ und in die Wipperstadt eingeladen wurde, wo sie im Jahr 2014 in den Gesellschaftsräumen der historischen Druckerei Heise zu ihrer ersten großen Personalausstellung einladen konnte. Daraufhin folgten verschiedene weitere Ausstellungen, unter anderem in der Königspfalz Tilleda, im Schloss Biesenrode, in Weimar, Eschwege und Berlin.

Adrian Hartke zitierte am Ende seiner Laudatio den Dichter Johann Wolfgang von Goethes, der als Minister des Herzogs Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach zwischen 1776 und 1782 mehrfach nach Allstedt gekommen war und 1779 drei Kapitel seines berühmten Dramas „Iphigenie auf Tauris“ auf Burg und Schloss Allstedt geschrieben hatte. Hartke lud die Besucher zur Besichtigung der Hollunder-Ausstellung mit den Worten Goethes ein: „So habt doch endlich einmal die Courage, euch den Eindrücken hinzugeben, euch ergötzen zu lassen, euch erheben zu lassen, ja euch belehren und zu etwas Großem entflammen und ermutigen zu lassen.“

Mit dem Entflammen war es zunächst allerdings so eine Sache. Die vielen Menschen drängten sich vor den Bilderwänden, und erst nach und nach, zwischendurch an Sekt, Saft oder Selters nippend und vom Snack kostend, lösten sich die Menschenmassen auf und gaben den Blick auf eine Malerei frei, die in der Tat „Zeitlos“ schien, wie Holly in ihrer Vita betonte, und doch auch vom „Frühlingserwachen“ und dem Aufbruch in der Natur und im Menschen kündete. Eine heitere, Freude spendende Kunstausstellung steht im Kontext zu den prall mit Geschichte und ihren Symbolen gefüllten Räumen von Burg und Schloss Allstedt.

Jochen Miche

Burg und Schloss Allstedt ist folgendermaßen geöffnet:

November – März
Dienstag – Freitag 10.00 - 16.30 Uhr
Samstag, Sonntag 13.00 - 17.00 Uhr

April – Oktober
Dienstag – Sonntag 10.00 - 17.00 Uhr

Die Eintrittspreise:

Erwachsene 6,00 €
Kinder 3,50 €
Familienkarte 15,00 €
Autor: jm

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