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Landtagswahl 2016: Gedanken zur Präsentation eines Geschäftsführers

Neue Führer braucht das Land

Mittwoch, 24. Februar 2016, 23:45 Uhr
Na denn: Herzlichen Glückwunsch! Wie, Sie meinen, wir müssten erst die Landtagswahlen abwarten? Noch habe Herr Hauschild keinen Sitz im Landtag von Sachsen-Anhalt? Seien wir doch nicht so kleinlich, schließlich sieht er blendend aus auf den SPD-Wahlplakaten. Und weil er so gut aussieht, fordert seine Partei auf anderen Wahlplakaten: „Für Staßfurt, Hecklingen und die Egelner Mulde – Michael Hauschild – In den Landtag!“ Das klingt doch ganz nach: Neue Führer braucht das Land! Nun ja, im Falle des Herrn Hauschild: neue Geschäftsführer.

Doch zunächst fragt sich der kritische Plakatleser: Weshalb erteilt jemand den Befehl, den Herrn „In den Landtag!“ zu stecken? Ausrufezeichen werden üblicherweise für Ausrufe großen Erstaunens, bei Warnungen, Verboten oder Befehlen verwendet. Oder hat der Plakatgestalter nur das Wörtchen „nicht“ vor „in den Landtag!“ vergessen? Kann ja mal passieren.

Er möchte in den Landtag von Sachsen-Anhalt gewählt werden: Michael Hauschild. Laut Eigenwerbung in seiner Landtagswahl-Homepage ist er Geschäftsführer mehrerer Gesellschaften. msh-online sah genauer hin. (Foto: Privat) Er möchte in den Landtag von Sachsen-Anhalt gewählt werden: Michael Hauschild. Laut Eigenwerbung in seiner Landtagswahl-Homepage ist er Geschäftsführer mehrerer Gesellschaften. msh-online sah genauer hin. (Foto: Privat) Der Frage möchten wir nachgehen und sehen uns deshalb Herrn Hauschilds Landtagswahl-Homepage an. Während Herr Hauschild (im Folgenden Herr H. genannt) mit einem leicht verkrampften, wenig offen wirkenden Lächeln aus der Internetseite auf uns herab sieht, entdecken wir in der rechten Ecke der Seite die sich abwechselnden Gesichter zweier Herren mit Zahnpastawerbelächeln. Beide erklären, warum sie Herrn H. am 13. März 2016 in den Landtag wählen wollen. Einer, Herr Wagner (ist das nicht der Oberbürgermeister von Staßfurt?), informiert uns: „Ich wähle Michael Hauschild, weil er sich für unsere Region einsetzt und deren Interessen vehement vertreten wird.“

Uff. Jetzt erst einmal eine Pause. Weiß der Oberbürgermeister etwa mehr? Da steht doch tatsächlich, dass Herr H. die Interessen unserer Region vehement vertreten wird. Weshalb, bitteschön, wartet Herr H. damit bis nach der Wahl? Weshalb vertritt er die Interessen unserer Region nicht schon heute? Hat er mit dem Vertreten der eigenen Interessen so viel zu tun, dass ihm vor der Wahl für seine Mitmenschen keine Zeit bleibt? Doch lassen wir das Spekulieren, schauen wir einfach mal näher hin, zum Beispiel in den Lebenslauf des Herrn H.; vielleicht finden wir dort Antworten auf unsere Fragen.

Auf seiner Homepage gibt Herr H. einen kleinen Einblick in seinen Werdegang. Toll sieht er aus. Der Lebenslauf. Wo der Mann bereits alles Geschäftsführer war! Zum Beispiel bei der IMMA GmbH Berlin. Bei der Immobilienfirma in der Schloßstraße in Berlin Steglitz? Dort antwortete jemand auf unsere Nachfrage: „Einen Herrn H.? Den kennen wir hier nicht.“

Versuchen wir es mit den Blechpackungswerken Staßfurt, dort wird man Geschäftsführer H. ja wohl kennen. Anruf. Doch ein Telefaxgerät pfeift auf uns! Das Handy-Ohr schmerzt geradezu. Wir wählen die angegebene Fax-Nr. (es kann ja jemand die Nummern vertauscht haben), doch diese Nummer ist laut Ansage „nicht vergeben“. Versuchen wir es mit dem nächsten Geschäftsführer-Job des Herrn H., dem Initiativkreis Staßfurt e. V. Das Internet setzt noch hinzu: Initiativkreis Arbeitsbeschaffung und Bildung Staßfurt e.V. Wir wählen die angegebene Nr. 03925/38 34 23. Es piept kurz, dann erfahren wir: „Die von ihnen gewählte Rufnummer ist leider nicht vergeben.“ So leicht geben wir aber nicht auf: Wir nutzen die Alternative „Initiativkreis e.V. Schlachthofstr. 10 39418 Staßfurt Sachsen-Anhalt 03925/930139“, vielleicht ist Herr H. ja dort Geschäftsführer. Nein, bitte nicht! Auch diese Telefonnummer ist „Nicht vergeben“. Was hat Herr H. nur mit den Firmen angestellt?

Wir stellen diese Frage zurück und beenden das Wühlen in der Vergangenheit des Herrn H. Wir gehen in die Gegenwart und damit ins Mansfelder Land. „Seit 2015 Geschäftsführer Pegasus Sachsen-Anhalt e. V.“ steht in der Eigenwerbung. Wenigstens diesen Verein gibt es (noch?). Wobei: Als Geschäftsführer ist beim Amtsgericht in Stendal (VR 3207) ein Herr K. benannt. Was ist denn da schon wieder los? Nun, unbestritten ist, dass es den Verein im Jahr 2015 gab. Dort wurden damals 700 Ausländer betreut, von denen etwa 600 Asylbewerber und 100 als Flüchtlinge anerkannte Syrer waren. Diesem Verein gehörte Herr H. laut Wahlwerbehomepage seit 2012 als Vorstandsmitglied an.

2012? Da war doch etwas. Das war irgendwie kein sehr gutes Jahr für Pegasus. Doch nicht etwa, weil Pegasus Sachsen-Anhalt e. V. 4.000 Euro Schulden der Eisleber Firma Mansfeld Consulting für nicht gezahlte Betriebskosten übernommen hatte (Geld, das für die Betreuung von Flüchtlingen vorgesehen war), sondern weil das irgendwie an die Öffentlichkeit drang – das ist immer schlecht. 2012 - ein gutes Jahr hinwieder, weil offenkundig vorhandene Strukturen in Eisleben dafür sorgten, dass diese Information von den Finanz- oder Strafverfolgungsbehörden nicht (!) verfolgt wurde. Und wer war mittendrin im Gedränge? Sie ahnen es bereits: Herr H., der im Jahr zuvor Geschäftsführer der Firma Mansfeld Consulting GmbH geworden war.

Als Geschäftsführer des Pegasus-Vereins darf Herr H. Pegasus-Geld an- bzw. überweisen. Wem, warum und wohin geht uns nichts an. Oder doch? Nun, wir sollten uns vielleicht mit der Tatsache zufrieden geben, dass Herr H. ein Ausbund an Fleiß ist: So viele Geschäftsführer-Posten! Nun ja, aber was da mit der Wahl zum Pegasus-Geschäftsführer los war, dürfen wir uns noch einmal ins Gedächtnis rufen. Für diejenigen, die es noch nicht gehört haben: Im Vorfeld der Wahl zum Pegasus-Geschäftsführer im Sommer 2015 war der Gründungs-Geschäftsführer, Herr K., genau während seines Ostsee-Urlaubs auf Betreiben von Herrn H. abgesetzt worden. Herr H. setzte daraufhin eine Wahlveranstaltung an, in der die Vereinsmitglieder über den Geschäftsführerposten neu entscheiden sollten. Das Kräfteverhältnis der Freunde des alten Geschäftsführers zum „Königsmörder“ (das Wort aus der Theatersprache fiel damals) war etwa fünf zu drei.

Der Alte, der den Verein aufgebaut hatte, und dessen Leistungen und Menschlichkeit legendär waren, blieb gelassen, denn er hatte sich nichts vorzuwerfen und rechnete damit, von seinen fünf Vertrauten erneut gewählt zu werden. Die Getreuen hoben später, im entscheidenden Augenblick, tatsächlich die Hand, obwohl sie ahnten, dass sie unter dem Neuen, dem sie die Zustimmung verweigert hatten (Herrn H., Sie ahnen es), würden arbeiten müssen, denn es war etwas Unglaubliches geschehen:

Zu Beginn der Wahlveranstaltung reichten plötzlich die Stühle nicht mehr. Da saßen tatsächlich elf Menschen mehr am Tisch als der Verein bis zum Kaltstellen des alten Geschäftsführers Mitglieder hatte. In der Abwesenheit des bisherigen Geschäftsführers hatte sich der etwa zehnköpfige Verein verdoppelt! Quasi über Nacht waren die Lebensgefährtin des Herrn H., einige Freunde und Parteigenossen Mitglieder des Pegasus-Vereins geworden. Bei der Abwahl des alten Geschäftsführers hoben sie gemeinsam mit Herrn H. die Hand. Und ein zweites Mal, als Herr H. zum neuen Geschäftsführer gewählt zu werden wünschte. Gratulation!

Plötzlich also hatte der eine Geschäftsführer nichts mehr zu führen, ein anderer dagegen gleich zwei Geschäfte: Mansfeld Consulting und Pegasus. Wir wollten wissen, wie Herr H. zwei Geschäftsführerposten in Eisleben unter einen Hut bekommt. Deshalb fragten wir bei der Mansfeld Consulting GmbH nach. Hoppla! Da wollte man von Herrn H. nichts wissen. Irgendjemand sagte: „Herr H. wurde am 12. Februar als Geschäftsführer abgewählt. Den haben wir gestrichen!“

Das ist ja ein Ding! Wieso aber streicht Herr H. diese Tatsache nicht aus seiner Homepage (http://www.michaelhauschild.de/ueber-mich/)? Die Frage wollen wir Herrn H. stellen. Da können wir ihn auch gleich noch fragen, weshalb er den Dienstwagen der Mansfeld Consulting, einen immerhin fast 30.000 Euro teuren Toyota, nicht der Consulting zurückgibt. Oder weshalb es bis zu seiner Abwahl als Consulting-Geschäftsführer vom Pegasusverein in Richtung Mansfeld Consulting (von sich zu sich gewissermaßen) einige ungewöhnlich zu nennende Geldtransfers gegeben hat?

Fragen über Fragen. Zunächst aber könnte Herr H. ja auf seiner Homepage einfach mitteilen, dass er aus Verantwortungsgefühl den Flüchtlingen gegenüber, um voll und ganz für sie da zu sein, den Geschäftsführerposten bei der Mansfeld Consulting abgegeben hat. Das wäre doch mal eine blendende Vorstellung (damit er nicht nur auf den Plakaten blendend aussieht).

Doch wo finden wir eine Telefonnummer von seiner Dienststelle? Verzeichnet ist der Verein Pegasus zwar sehr oft im Internet. Doch weder bei „Firmennamen“ noch im Branchenbuch bei „meine stadt“ oder im „Örtlichen“ steht eine Telefonnummer. Nirgends! Auf unsere Nachfrage bei einem Consulting-Gesellschafter rät uns dieser, doch mal bei der Ehefrau des Staßfurter Bürgermeisters, Frau W., anzurufen, die kenne Herrn H. sehr gut. Bei jener Frau, dessen Mann davon überzeugt ist, dass sich Herr H. „für unsere Region einsetzt und deren Interessen vehement vertreten wird“? Wenn ja: Was sollen wir bei Frau W. in Staßfurt? „Nicht in Staßfurt“, erfahren wir, „die sitzt als Sekretärin oder etwas in der Art doch in Eisleben im Vorzimmer des Herrn H. bei der Mansfeld Consulting GmbH.“ Ach so.

Heute Nachmittag fand bei der Mansfeld Consulting GmbH in der Kasseler Straße in Eisleben eine Gesellschafterversammlung statt. Hier wurde mit Herrn H. kurzer Prozess gemacht: Er wurde aus der Mansfeld Consulting GmbH endgültig und fristlos entlassen. Die Rechtsanwälte, die Herr H. (auf wessen Kosten, das gilt es noch zu prüfen) beschäftigte, hatten in den zurückliegenden Tagen Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Entlassung vom 12. Februar zu streuen versucht – die heutige, unter den Augen des Herrn H. von einer Rechtsanwältin handschriftlich verfasste und von Gesellschaftern unterschriebene Entlassung sprach eine ganz klare Sprache.

Und es gab noch eine Entscheidung heute Nachmittag: Wahl eines neuen Geschäftsführers. Wären die Umstände dieser Geschäftsführerwahl nicht zu traurig, gäbe es einen Grund, herzhaft aufzulachen. Denn heute geschah wieder etwas Bemerkenswertes: Zwei der fünf Gesellschafter halten 52 Prozent der Anteile der Gesellschaft und sind damit in einer solchen Situation immer in der Lage, die drei anderen Gesellschafter zu überstimmen. So geschah es, dass Herr H. zwar entlassen, aber mit seinen Anteilen immer noch Gesellschafter ist und seinen Nachfolger mitwählen konnte. Da er und ein Freund von ihm zusammen diese 52 Prozent Anteile halten, wählten diese natürlich einen ihrer Geschäftsfreunde zum neuen Geschäftsführer der Mansfeld Consulting GmbH. Sein Name: Uwe Henze. Sein Job: Geschäftsführer (einer Eisleber Computerservicefirma, die seit Jahren blendende Geschäfte mit von Herrn H. geführten Geschäften macht).

Na denn: Herzlichen Glückwunsch!

Jochen Miche

Hinweis: Der den gesamten Südharz und den Saalekreis abdeckende regionale Fernsehsender PUNKTum sendet ein Interview des Geschäftsführers der PUNKTum-Fernseh GmbH & Co. KG, Ralf Haiasch, mit dem Autor dieses Beitrages am morgigen Donnerstag, dem 25. Februar 2016, ab etwa 17 Uhr und wiederholt dieses Interview einen Tag lang jede Stunde. Genaue Angaben über Sendezeiten etc. können nachgelesen werden auf dieser Internetseite:
www.punktum-fernsehen.de
Autor: jm

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