Landrätin überreicht Schulweghelfern Zertifikate
Ein Engel als Bezugsperson
Montag, 22. Februar 2016, 22:40 Uhr
Andreas Hitze, Projektkoordinator der Landesverkehrswacht, und Landrätin Dr. Angelika Klein überreichten den acht Mädchen und Jungen die Bestätigungen, dass sie als Schulweghelfer geschult und geprüft worden sind. (Foto: Jochen Miche)
Manche fahren mit dem Bus zur Schule nach Sangerhausen zwei, andere 20 oder 25 Kilometer, würdigte Landrätin Dr. Angelika Klein, was viele Schüler zweimal täglich auf sich nehmen. Weil aber nicht jede Busfahrt ruhig und sicher verläuft, braucht es Schulweghelfer, die für diese Aufgabe geschult und geprüft werden müssen. Die ersten acht von ihnen erhielten heute aus der Hand der Landrätin ihre Zertifikate.Es war ein großer Augenblick für die Beteiligten in der Pestalozzi-Förderschule in Sangerhausen. Der amtierende Schulleiter, Ulrich Seifert, unterstrich in seinen Worten während einer Festveranstaltung in der Aula der Schule, an die acht Mädchen und Jungen gewandt, die zum Schulweghelfer ausgebildet worden sind: "Hinter euch liegt eine spannende und aufregende Woche. Zum ersten Mal hattet ihr eine solche Ausbildung und zum ersten Mal eine solche Prüfung."
Der Schulleiter erklärte: "Euch gebührt mein Respekt und mein Dank. Dass ihr etwas ganz Besonderes geleistet habt, zeigt, dass unsere Landrätin, Frau Dr. Klein, sich die Zeit nimmt und euch die Zertifikate überreicht. Aber das geschieht vielleicht auch, weil wir die ersten sind, die eine solche Ausbildung von Schülern zu Schulweghelfern durchgeführt haben."
Doch die Ersten zu sein, sei nichts Neues an der Schule mit dem Förderschwerpunkt "Lernen". So bezog die Einrichtung beim Thema Fremdenhass Stellung und bewies sich als erste "Schule mit Courage". Außerdem wurde sie die erste Schule mit Berufswahlsiegel. Und nun das Thema Schulweghelfer: "Nicht unter den über 1.000 Gymnasiasten oder unter den mehr als 1.300 Sekundarschülern wurden die ersten Schulweghelfer ausgebildet, sondern an der Pastalozzischule."
Die Landrätin, Dr. Angelika Klein (Die Linke), wandte sich an die in der Aula Versammelten: "Liebe frischgebackene Schulweghelferinnen und -helfer, als wir 2015 von dem Projekt hörten, war klar: Wir machen mit. Ihr seid nun die ersten, die die Ausbildung zum Schulweghelfer und die erforderliche Prüfung auf sich genommen haben, und es werden euch weitere folgen."
Da fast alle Schülerinnen und Schüler mit dem Bus zur Schule fahren müssen, sei klar: "Ihr werdet gebraucht! Eine der Aufgaben ist es, dass ihr von Anfang an schlichtet." In der Tat wurden die Schulweghelfer darin geschult, mitzuhelfen, dass Streitigkeiten im und am Bus nicht eskalieren, sondern möglichst mit Worten beigelegt werden. Zur Ausbildung der Schülerinnen und Schüler der 8. Klassen gehörte Erste Hilfe, das Sichern von Haltestellenbereichen und Fußgängerüberquerungen an Straßen, das Erkennen und Einschätzen von Konflikten und das Lösen solcher Situationen.
An dem Projekt waren viele beteiligt. Die Landrätin dankte ausdrücklich der Landesverkehrswacht Sachsen-Anhalt, dessen Projektkoordinator Andreas Hintze die Festveranstaltung in der Schulaula moderierte, dem Deutschen Roten Kreuz und der Polizei. Letztere half den Schülerinnen und Schülern gemeinsam mit der Verkehrswacht, den Einsatz am und im Bus zu üben.
Mit dem Hinweis auf die teilweise sehr langen Anfahrtswege vor allem in ländlichen Gebieten wie dem Landkreis Mansfeld-Südharz sei das Projekt "Schulweghelfer" besonders wichtig, so die Landrätin. Dies unterstrich später im Gespräch mit msh-online auch die Pressechefin der VGS, Prokuristin Ute Kraft: "An erster Stelle bei allen Fahrten steht die Sicherheit der Fahrgäste, in diesem Fall der Kinder. Die Schulweghelfer können im wörtlichen Sinn helfen, für Sicherheit und eine entspannte Atmosphäre zu sorgen."
Die acht Mädchen und Jungen, die zur Ehrung auf die kleine Bühne der Aula gebeten wurden, seien nach der Überreichung der Bestätigungen ihrer Eignung für die verantwortungsvolle Aufgabe nicht auf sich allein gestellt. Wann immer sie Fragen zu ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit haben, erklärte Andreas Hintze von der Landesverkehrswacht Magdeburg, könnten sie sich vertrauensvoll an ihre Lehrer oder beispielsweise an Frau Engel wenden, "die in der Tat ein Engel ist", wie Hintze betonte. Ute Engel ist bei der Arbeiterwohlfahrt angestellt und arbeitet als Schulsozialarbeiterin an der Pestalozzischule im Landesprogramm "Schulerfolg sichern". Damit ist sie vielen Kindern eine wichtige Bezugs- und Vertrauensperson.
Der Erfolg, heißt es, hat viele Väter (und Mütter). Wenn man den Applaus der Schüler und Lehrer nach dem Hinweis auf Frau Engel als Maßstab nimmt, gehören auch Engel zu denen, die Erfolge möglich machen.
Jochen Miche


