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Firmen mit „Unternehmergeist“ ausgezeichnet

Kupfer, das man essen kann

Samstag, 13. Februar 2016, 18:26 Uhr
Ein für die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises unerlässliches Publikum saß in der früheren Schalterhalle des Bahnhofes, darunter der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Mansfeld-Südharz, Hans Ulrich Weiss (r.) und Landrätin Dr. Angelika Klein (vordere Reihe 3. von vorn). (Foto: Jochen Miche) Ein für die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises unerlässliches Publikum saß in der früheren Schalterhalle des Bahnhofes, darunter der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Mansfeld-Südharz, Hans Ulrich Weiss (r.) und Landrätin Dr. Angelika Klein (vordere Reihe 3. von vorn). (Foto: Jochen Miche) Kreishandwerksmeister Dieter Gremmer (links) gehörte mit zur Jury des "Unternehmergeistes". Geehrt wurden vom Ziegenhof Pfeiffhausen mit dem Preis unter anderem Brigitte und Wilfried Voigt (2. u. 3. v. l.) sowie Tobias Fritzsche (4. v. l.). (Foto: Jochen Miche) Kreishandwerksmeister Dieter Gremmer (links) gehörte mit zur Jury des "Unternehmergeistes". Geehrt wurden vom Ziegenhof Pfeiffhausen mit dem Preis unter anderem Brigitte und Wilfried Voigt (2. u. 3. v. l.) sowie Tobias Fritzsche (4. v. l.). (Foto: Jochen Miche) Besonderen Unternehmergeist haben die Verantwortlichen der Museums- und Traditionsbrauerei Wippra und der Landschaftspflege- und Ziegenhof Pfeiffhausen gGmbH bzw. dessen Nachfolger, die Landgut Pfeiffhausen GmbH, bewiesen. „Unternehmergeist“ heißt folglich der Preis, den diese Firmen im Rahmen einer ansprechenden Veranstaltung in der großartig restaurierten früheren Schalterhalle des Klostermansfelder Bahnhofs in Benndorf verliehen bekommen haben.

Doch nicht nur für die ausgezeichneten Unternehmen war der Abend ein voller Erfolg. So erklärte der FDP-Kreisvorsitzende Harald Oster, der beruflich in Sangerhausen eine Wirtschaftskanzlei führt, nach dem Vortrag von Dr. Norbert Gehring über die traditionelle Herstellung von Bier in der Museumsbrauerei Wippra mit einem Augenzwinkern: „Ich habe heute Abend gelernt, dass ich bei Dr. Gehring mehr Prozente bekomme als auf dem freien Kapitalmarkt.“ Es verkniff sich die Bemerkung, dass ihm die durchschnittlich fünf Prozent (Alkohol des Wippraer Bieres) allerdings in einer Beziehung etwas zu wenig wären: als Ergebnis bei den Landtagswahlen am 13. März dieses Jahres. Da möchte die FDP wieder zu solchen Wahlergebnissen kommen, wie sie Sachsen-Anhalts Ex-Wirtschaftsminister Dr. Horst Rehberger einst eingefahren hat; auch Rehberger, ein FDP-Mann, war nach Benndorf zur Verleihung des ersten „Unternehmergeistes“ gekommen.

Hefe im Teig der Gesellschaft
Rehberger ist ein alter Freund der Mansfelder Liberalen. Er war unter anderem bei den Vorgängerveranstaltungen des „Unternehmergeistes“, der alljährlichen Verleihung des „Innovationspreises“ dabei und hielt manche Laudatio. In diesem 19. Jahr der Preisverleihung an erfolgreiche Unternehmen aus der Region setzte die fünfköpfige Jury, der neben den Auslobenden auch Vertreter der IHK und Handwerkskammer angehörten, andere Schwerpunkte. Laut Harald Oster war die Zeit reif, den Schwerpunkt auf die Qualitäten zu legen, die zeitgemäßen Unternehmergeist beweisen: unternehmerisches Engagement, Familienfreundlichkeit, Bezug zur Region, betriebliche Vorsorge, Nachfolgeregelung und Traditionsbewusstsein. Der Landesvorsitzende der FDP und Spitzenkandidat seiner Partei, Frank Sitta, würdigte den FDP-Kreisverband: „Mit dem Namen, Unternehmergeist‘ bringen Sie auf den Punkt, was hinter Fortschritt, neuen Ideen, Innovationen und Wachstum steckt: Unternehmerisches Denken, unternehmerischer Geist.“ Er ergänzte: „Zwar ist Wirtschaft nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts. Sie ist quasi die Hefe im Teig einer Gesellschaft, die sich vorgenommen hat, zukunftsfähig zu sein.“

Sitta, in Sangerhausen geborener Politikwissenschaftler, zitierte Winston Churchill: „Es gibt Leute, die halten den Unternehmer für einen räudigen Hund, den man totschlagen müsse. Andere meinen, der Unternehmer sei eine Kuh, die man ununterbrochen melken kann. Nur wenige aber haben erkannt, dass der Unternehmer das Pferd ist, das den Karren zieht.“ Sitta leitete mit diesen Worten zur Wirtschaftspolitik der Freien Demokraten über: Sachsen-Anhalt soll wirtschaftlich weg von den letzten Plätzen, soll zu einer Modellregion für Startups und Gründer werden, die in den ersten beiden Jahren von unnötiger Bürokratie und unnötigen Steuern befreit sind, es soll jeder innerhalb von 48 Stunden seine eigene Firma gründen können – „inklusive aller Eintragungen“, was per Internet ja auch kein wirkliches Problem darstellen sollte. Außerdem will die FPD Wirtschaftsunterricht in den Schulen einführen und die Förderpolitik „vom Kopf auf die Füße stellen, damit endlich Wagniskapital nach Sachsen-Anhalt kommt“.

3.000 Liter Bier pro Jahr für Luther
Traditionsgemäß dürfen die Preisträger ihr Unternehmen vorstellen. Das taten beide auf zweierlei Weise: mit powerpointunterstützten Vorträgen und mit Kostproben. Als Lebensmittelhersteller bot es sich an, den vielen Gästen eine Gaumenfreude zu bereiten.

In seinem heiteren Vortrag nahm Dr. Norbert Gehring reichlich Bezug zur Historie. So erfuhren die staunenden Zuhörer, dass bis vor 200 Jahren fast nur Frauen Bier gebraut haben. Katharina von Bora, Martin Luthers Frau, braute jedes Jahr rund 3.000 Liter Bier. Angesichts der Gastfreundlichkeit Luthers wurde das offenbar auch gebraucht. Gehring machte neugierig auf ein Buch, das seine Frau, Kerstin Engel-Gehring, geschrieben und veröffentlicht hat: „Die Bierflüsterin“. Hier gibt es reichlich Fakten und Anekdoten zum Thema Bier.

Die Geschichte des Landschaftspflege- und Ziegenhofes Pfeiffhausen gGmbH stellte Wilfried Voigt vor. Er wurde einst hier geboren, ging in den 50-er Jahren in den Westen, erhielt 1994 den Hof zurück, sanierte die Gebäude, schuf den Ziegenhof und damit Arbeitsplätze, unter anderem für Menschen mit Behinderungen. Einen großen Rückschlag gab es 2011, als der Hof abbrannte. „Kein Tier starb in den Flammen“, unterstrich Voigt, dennoch war die Entscheidung sehr schwer, wieder neu anzufangen; inzwischen lockte auch der Ruhestand. Voigt entschied sich, wieder aufzubauen, „das hatten wir ja schon einmal geschafft“, erklärte er schmunzelnd, und tatsächlich gelang der Neubeginn. Für den Mut und den unternehmerischen Geist wurden Wilfried und Brigitte Voigt geehrt.

Die Veranstaltung hielt noch eine Überraschung bereit: Voigt hat seinen Betrieb komplett seinem bisherigen Prokuristen und Produktionsleiter, Tobias Fritzsche, überschrieben. Dieser führt das Unternehmen nun als Landgut Pfeiffhausen weiter. Der 25-Jährige entwickelte neue Ziegenkäseprodukte mit Regionalbezug in den Bezeichnungen, mit denen er unter anderem auf der diesjährigen Grünen Woche in Berlin punkten konnte. Den Auftritt in Berlin hatte die Standort Marketinggesellschaft Mansfeld-Südharz allen interessierten kleinen Mansfelder Unternehmen ermöglicht. Das Landgut Pfeiffhausen begeisterte in der Hauptstadt mit Ziegenkäse namens „Mansfeld-Südharz-Dreier“: Sangerhäuser Rose, Hettstedter Kupfer und Eisleber Schiefer. – Allein schon solche Kreativität, Regionalbezogenheit und letztlich das Durchhaltevermögen machten auch das Landgut zu einem verdienten Kandidaten für den „Unternehmergeist“.

Jochen Miche
Autor: jm

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