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Panorama: Ereignisreicher Januar

Die Säge kreischt im Café P.

Mittwoch, 20. Januar 2016, 17:30 Uhr
Diesmal gibt es auch draußen eine Abwechslung: Der Bohrer am Panorama-Gebäude ist fertig. Irgendwann beginnen die Buddelarbeiten.

Mitglieder des Kinderzeichenkurses bei ihrem Besuch des Lohorchesters Sondershausen. (Foto: Fred Böhme) Mitglieder des Kinderzeichenkurses bei ihrem Besuch des Lohorchesters Sondershausen. (Foto: Fred Böhme)
In Kürze werden Drainagerohre neu verlegt und verschiedene Gebäudeteile neu isoliert. Währenddessen kreischt die Betonsäge im Café P. In und um das Museum wird mal wieder gebaut und repariert, denn auch an diesem Gebäude nagt der Zahn der Zeit.

Trotzdem ist das Museum geöffnet, sollen doch das Panoramagemälde und die beiden Sonderausstellungen den interessierten Kunstfreunden zugänglich bleiben. Der Fortgang der Kanalbauarbeiten im Gebäudeinneren bestimmt letztendlich auch, wo das Februarkonzert stattfinden wird, ob in der Eingangshalle oder in der
Studiogalerie. Es bleibt spannend.

Abwechslung am Panorama: Die Bohrer sind am Werk. (Foto: Fred Böhme) Abwechslung am Panorama: Die Bohrer sind am Werk. (Foto: Fred Böhme)
Am vergangenen Freitagabend begann mit „Die Frau in Gold“ und mehr als 50 Besuchern die neue
Spielsaison im StuKi 76, ein sehr gelungener Auftakt. Der Film beschwor mal wieder die Kraft der
Schwachen und zeigte an dem historischen Fall der Rückübertragung des berühmten Klimtgemäldes
„Die goldene Adele“, wie Beharrlichkeit, Mut und gute Freunde einen ans verdiente Ziel gelangen lassen.

Hellen Mirren gab der jüdischen Dame, die für die Rückübertragung mit Erfolg stritt, ein glaubhaftes Gesicht. Am Ende gönnte man ihr den Erfolg bei diesem Streit um das zu Unrecht vom österreichischen Staat beanspruchte Gemälde, denn dieser ist im Zuge der Zwangsenteignungen seiner ehemaligen jüdischen Bürger während der Naziära in den Besitz der Kunstwerke gelangt.

Andererseits berührte mich diese Rückübertragung zwiespältig. War es nicht der österreichische Staat
mit dem ganzen österreichischen Kunstbetrieb drum herum, der erst diesen exorbitanten Marktwert
des Gemäldes mit Hilfe von Ausstellungen, Publikationen etc. geschaffen hat? Wie wäre es gewesen,
wenn Österreich Klimt behandelt hätte wie man hierzulande Kaulbach und Lenbach behandelt? Was
wäre gewesen, wenn dieses Werk einen weitaus geringeren Marktwert besessen hätte? Die Rückübertragung wäre allein wegen des persönlichen Bezugs zu der auf dem Gemälde dargestellten Tante motiviert und sicher ohne alle diese schwierigen Prozesse möglich gewesen. Hätte somit nicht der Staat Österreich wenigstens einen Anteil am Verkaufserlös des Gemäldes für sich beanspruchen dürfen, da er doch maßgeblich durch seine Bemühungen und seine Wertschätzung des Werkes von Klimt mitverantwortlich für dessen jetzigen Marktwert war?

Neben der Raubkunstdebatte, die sicher
mit dieser internationalen Filmproduktion befeuert werden sollte, grübelte ich eher darüber nach, wie
eigentlich der Spekulationswert von Kunst entsteht.

Einen weiteren Beitrag zu dieser Problematik sollten sich Kunstfreunde mit „Beltracchi – Die Kunst des Fälschens“ am 11. März nicht entgehen lassen.

Musiker des Lohorchesters sitzen den Kindern Modell. (Foto: Fred Böhme) Musiker des Lohorchesters sitzen den Kindern Modell. (Foto: Fred Böhme)
Der Kinderkurs hat zwischenzeitlich sein Projekt für den Lohorchester Förderverein abgeschlossen und zahlreiche Darstellungen von Musikern mit ihren Instrumenten fertiggestellt. Das waren für die Kinder sehr spannende und auch sehr produktive Veranstaltungen gewesen.
Fred Böhme
Autor: jm

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