Attraktion zum Reformationstag: Schwerlasttransport auf dem Weg durch den Landkreis
Riesensilos verstopfen Siersleber Straßen
Samstag, 31. Oktober 2015, 23:02 Uhr
Einfädelkünstler. Die Lkw-Fahrer der Ostfriesländischen Spedition mussten in Siersleben teilweise nur wenige Zentimeter an Dachkanten oder Hauswänden vorbei fahren. (Foto: Jochen Miche)
Die Siersleber sind Kummer gewöhnt. Hunderte Lkw und andere Fahrzeuge schieben sich täglich durch den Ort, lassen Hauswände erzittern und schwängern die Luft mit Abgasen. Was sich aber heute Nachmittag durch den Ort schob, brach alle bisherigen Rekorde.Vier riesige Lkw schlichen, aus Richtung Sandersleben kommend, zwischen 15.30 Uhr und 16.30 Uhr durch Siersleben. Obwohl von der verantwortlichen Spedition penibel vorbereitet, hielt die Tour durch den Ort doch noch manche Überraschung bereit.
Das begann mit den Kurven, die die mehr als 30 Meter langen Gefährte nicht mal einfach so umschiffen konnten. Da waren Bäume mit mächtigen, herbstlich bunt belaubten Kronen, welche die über die Fracht gespannten Planen zu zerfetzen drohten. Und da waren die Telefonleitungen, die sich in beachtlichen 6,25 Meter Höhe über die Straßen spannen und gewöhnlich jeden anderen Lkw unbehelligt passieren lassen. Doch weil hier nichts gewöhnlich war, mussten die Leitungen zusätzlich mit Stangen angehoben werden – eine Knochenarbeit, denn sie sind notwendigerweise bereits straff über die Straßen gespannt. Die Gesamthöhe inklusive Tieflader betrug rund 6,40 Meter, so dass die meisten Telefonleitungen eben angehoben werden mussten, bevor die Lkw langsam drunter durch fahren konnten.
Das ungewöhnliche Ereignis sprach sich im Ort schnell herum. Während viele Siersleber an Feiertagen wie dem heutigen Reformationstag wegen des Lkw-Fahrverbotes normalerweise im wörtlichen Sinn aufatmen können, schlich diesmal gleich eine ganze Lkw-Karawane mit einer Fracht durch den Ort, die die Straßen kurzzeitig regelrecht verstopften. Dieses Ereignis wurde jedoch etwas gelassener gesehen und war manchem sogar ein Foto wert; mit Handys und Digitalkameras wurde munter drauflosgeknipst.
msh-online sprach mit Mara Schulz, Project Manager der KOG Transport GmbH & Co. KG in Leer (Ostfriesland) über die Kolosse. Frau Schulz gehört zu den etwa ein Dutzend in gelben Warnwesten gekleideten Menschen und etlichen weiteren Fahrzeugen, die den Konvoi durch halb Sachsen-Anhalt begleiten. Was wurde da transportiert? Silos für die Zuckerfabrik Zeitz, antwortete sie und nannte Zahlen: Jedes Silo ist 26 Meter lang, 5,30 Meter breit und 5,40 Meter hoch. Und jedes hat ein Gewicht von 22 Tonnen. Produziert wurden die Kolosse in Holland. Und geladen im Elbehafen Aken.
Heute ging es nur noch in Richtung Halle. Die Fahrer und Begleiter übernachten in einem Hotel. Morgen geht es weiter in Richtung Zeitz. Die aufgrund fehlenden Berufsverkehrs entlasteten Straßen müssen genutzt werden. Für die Frauen und Männer der KOG GmbH fällt damit das Feiertagswochenende aus. Immerhin genießen sie – wie in Siersleben – auch mal anerkennende Aufmerksamkeit interessierter Zaungäste, denen zumindest am heutigen Reformationstag eine kleine Attraktion geboten wurde.
Jochen Miche



