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Ferien-Hortbetreuung in Hettstedt

Gehacktes ist erst mal passé

Donnerstag, 22. Oktober 2015, 15:13 Uhr
Da hatte Hortnerin Martina Kern ja etwas angerichtet: Nach ihrem Vortrag über einen Vorfall, in deren Verlauf in Hettstedt 27 Menschen an vergiftetem Gehackten gestorben waren, erklärten ihre knapp 20 Ferienkinder: Wir essen nie wieder Gehacktes…

Im Kopierzentrum Hettstedt erfuhren die Grundschüler heute Vormittag, dass hier die erste Internet-Zeitung des Mansfelder Landes entsteht. Sie staunten, wie schnell sie über sich selbst etwas an ihrem Smartphone bzw. Computer lesen können. (Foto: Claudia Franke) Im Kopierzentrum Hettstedt erfuhren die Grundschüler heute Vormittag, dass hier die erste Internet-Zeitung des Mansfelder Landes entsteht. Sie staunten, wie schnell sie über sich selbst etwas an ihrem Smartphone bzw. Computer lesen können. (Foto: Claudia Franke)
So geschah es gestern, am Mittwoch, als die Schülerinnen und Schüler der „Grundschule am Markt“ die Jakobikirche und den Stadtpark mit Bahrenhaus besichtigt hatten. Martina Kern hatte zuvor erzählt, dass im Jahr 1863 in Hettstedt 27 Menschen, darunter der Bürgermeister Hettrich, gestorben waren, nachdem sie „Knätzchen“ gegessen hatten. Knätzchen ist Hackepeter, das vom rohen Fleisch eines gerade geschlachteten Schweines stammt. Was damals niemand geahnt hat: Das Schwein hatte Trichinen, mikroskopisch kleine Würmer, an denen Menschen schwer erkranken und sterben können, wenn sie derart verseuchtes Fleisch essen. Ein Hettstedter Arzt, Sanitätsrat Dr. Bernhard Rupprecht, hatte dies entdeckt und gefordert: Wenn ein Schwein geschlachtet wird, muss dessen Fleisch auf Trichinen untersucht werden, bevor es zu Nahrungsmitteln verarbeitet wird.

Die Forschungen von Dr. Rupprecht in Hettstedt waren entscheidend für ein Gesetz, das in ganz Deutschland für die Einführung der Trichinenschau sorgte. Diesem Arzt haben seither vermutlich Tausende Menschen ihr Leben zu verdanken. An ihn erinnern in Hettstedt der Name eines Platzes und eine Gedenktafel an der Sparkasse, und an die 27 Trichinentoten ein Gedenkstein, den die Hortkinder mitsamt der Gehacktes-Geschichte gestern kennenlernten.

Heute besuchten die Kinder, ihre Hortnerin und zwei im Bundesfreiwilligendienst helfende Hortbetreuerinnen unter anderem das Kopierzentrum Hettstedt. Dort erfuhren sie, dass in Hettstedt die erste Internet-Zeitung des Mansfelder Landes entsteht: „msh-online“. Begeistert verfolgten sie, wie ein Foto von ihnen theoretisch Sekunden später in der ganzen Welt gesehen werden kann, und sie erfuhren, dass es wichtig ist darauf zu achten, was man ins Internet stellt, damit sich später niemand ärgern muss.

Ferienabenteuer Turmbesteigung. Vom Molmeckturm aus hatten die Hortkinder einen guten Blick über die Stadt. Gespielt wurde: „Wer erkennt welches Gebäude?“. Am interessantesten fanden aber viele, dass auf dem Plateau des Turmes Moos wächst. (Foto: Jochen Miche) Ferienabenteuer Turmbesteigung. Vom Molmeckturm aus hatten die Hortkinder einen guten Blick über die Stadt. Gespielt wurde: „Wer erkennt welches Gebäude?“. Am interessantesten fanden aber viele, dass auf dem Plateau des Turmes Moos wächst. (Foto: Jochen Miche)
Von der Zukunft der Medien zurück in die Vergangenheit sind es in Hettstedt nur wenige Schritte. Die Erst- bis Viertklässler wanderten an der historischen Druckerei Heise, die sie längst in- und auswendig kennen, vorbei zum Molmeckturm. Dort erfuhren sie die Geschichte vom geizigen Getreidehändler Jakob Molmeck, den die hungernden Menschen um das Jahr 1430 herum in diesen Turm gesperrt hatten. Beim Versuch zu fliehen, blieb der dicke Mann aber in der Öffnung stecken und kam ums Leben. Vorsicht, sagte sich Martina Kern, bloß nichts von einem dicken Bauch erzählen, nicht, dass die Kinder annehmen, der Mann habe zu viel Gehacktes gegessen. Das gäbe eine neue Knätzchen- und Speiseplandebatte. Es ging aber alles gut. Nur ein Junge fragte, warum es auf dem Plateau des Molmeckturmes keinen Grillstand gebe. Ansonsten waren Essgewohnheiten heute kein Thema mehr.
Jochen Miche
Autor: jm

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