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Ferienabenteuer in Hornburg und Rothenschirmbach

Spannende Lese-, Kürbis- und Pizzanacht

Donnerstag, 22. Oktober 2015, 08:19 Uhr
„Das Gerät ist aus der Steinzeit. Eigentlich sogar noch älter.“ Maurice Soisson hatte eine klare Meinung von dem Bildwerfer, der beim gestrigen Leseabend in Hornburg zum Einsatz gekommen war. Anke Weder schmunzelte über dieses Urteil, denn sie wusste: Ihr alter Pouva Magica hat seinen Zweck erfüllt – zum Zeigen von Bildern, die angeschaut, und Texten, die gelesen werden konnten...


Anke Weder ist Jugendwart der Ortsfeuerwehr Hornburg. Sie hatte bereits 2014 eine Lesenacht in ihrem Heimatort organisiert, doch damals wurde zwischendurch ein Trickfilm mit Beamer und Laptop gezeigt. Zu lesen gab es bei dem Film natürlich nichts, und das ärgerte sie.

Also suchte sie auf ihrem Dachboden ihren gut und gern 50 Jahre alten Bildwerfer und ein paar mindestens ebenso alte DEFA-Märchenbildrollen heraus, die sie mit ins Dorfgemeinschaftshaus nahm. Von Ablehnung bei den Kindern keine Spur, dazu war das schwarze Gerät, das zwar eine Glühbirne und so etwas wie optische Linsen, aber weder Motor noch Lautsprecher, und erst recht keinen USB-Anschluss hatte, viel zu interessant.

Die winzige Farbbildrolle wurde anschließend Stück für Stück von Hand durchgezogen, wobei sich die Zeitdauer des Verweilens des Lichtbildes an der Wand danach richtete, wie lange ein Kind für das Lesen des unter jedem Bild stehenden kurzen Textes brauchte.

Diese Texte – genauer: die Geschichte „Die Schatzinsel“ in extremer Kurzfassung – lasen abwechselnd Gwendolin Franke (10) und Maurice Soisson (11) vor – beides begabte Leser, die sich auch von gelegentlichen Schwatzrunden um sich herum nicht irritieren ließen. Nur wenn es etwas zu lachen gab, waren sie natürlich mit dabei, da war es aus mit der Spannung des Abenteuerromans. Überhaupt stand der Spaß im Vordergrund bei der Gestaltung dieser Ferienfreizeit. Das hatte beim Aufbau der Luftbetten begonnen. Wo die Motoren fehlten, wurde noch gepumpt, was Anstrengung und Vergnügen gleichermaßen bedeutete. Anschließend wurden die Kürbisse geschnitzt. Hier stellte sich ein kleines Problem ein: Es gab nur drei Messer zum Schnitzen, drei Löffel zum Aushöhlen und drei schwarze Stifte zum Kennzeichnen der auszuschneidenden Kürbisschale. Manche Kinder machten sich daraufhin einen richtigen Plan, um mit dem vorhandenen Werkzeug effektiv voranzukommen – niemand ahnte, dass das vielleicht ein Plan der Freizeitplaner gewesen sein konnte.

Oliver Franke aus Rothenschirmbach erklärte unserer Zeitung, wie ein Halloween-Kürbiskopf entsteht: „Zuerst wird der Deckel herausgeschnitten. Dann wird der Kürbis mit dem Löffel ausgehöhlt. Dann kann man das Gesicht draufmalen und es ausschneiden. Manche malen es aber schon ganz am Anfang drauf.“ Oliver war zufrieden mit seinem Gespenstergesicht. Das Schnitzen hat ihm Spaß gemacht. Der nächste Abendprogrammpunkt gefiel ihm aber auch: Pizzas und Pizzabrötchen belegen, backen und essen. Zwischendurch gab es immer wieder Pausen zum Herumtoben oder Zurückziehen. Es sind halt Ferien.

Für Anke Weder bedeutet Ferienzeit jedoch keine Faulenzerzeit. Die Feuerwehrfrau, die zudem Schatzmeisterin der Kampfkunstschule Osterhausen ist, organisiert beliebte Freizeiten. Wie das im Sommer am Süßen See geplante Zeltlager, das allerdings in der Orkannacht des 7. Juli vom Winde verweht wurde. Entmutigt hat das weder die neun Jugendlichen und sechs Mitglieder der Rothenschirmbacher „Wichtelwehr“, noch die zwölf Jugendlichen und sechs „Löschhörnchen“ der Hornburger Feuerwehr. Sie wollen künftig noch mehr zusammen unternehmen – die Lesenacht mit Pizza und Pouva-Projektor war da ein guter Anfang.
Jochen Miche
Autor: red

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