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Mo, 21:57 Uhr
22.11.2021
Trendstudie „Jugend in Deutschland – Winter 2021/22“

Jugend will Auto fahren und fliegen

Der Schock von 21 Monaten Corona-Pandemie sitzt in der jungen Generation tief. Das zeigt die dritte aktuelle Trendstudie „Jugend in Deutschland“. Sie basiert auf einer repräsentativen Befragung von 14- bis 29-Jährigen von Ende Oktober 2021. Und trotzdem: Die Jugend ist nicht so "grün", wie uns das selbsternannte Klimaaktivisten vorgaukeln...

Junge Menschen (Foto: Dim Hou auf Pixabay ) Junge Menschen (Foto: Dim Hou auf Pixabay )
Immer noch leiden viele junge Menschen unter psychischen Belastungen. Sie beklagen den Kontrollverlust bei ihrer Alltagsgestaltung, den persönlichen Beziehungen und der Bildungs- und Berufslaufbahn. Das sind einige Ergebnisse der jüngsten Trendstudie "Jugend in Deutschland - winter 2021/22".

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Doch ihre größten Zukunftssorgen sind die Auswirkungen des Klimawandels und die unsichere wirtschaftliche Zukunft mit schwindender Aussicht auf eine funktionierende Alterssicherung. Die Lösung dieser Probleme erwarten sie von der Politik. Die Studienreihe des Jugendforschers Simon Schnetzer und Co-Autors Prof. Dr. Klaus Hurrelmann bietet tiefe Einblicke in die junge Gedankenwelt.

„Die Studie zeichnet das Bild einer grundsätzlich politisch wachen und aktiven jungen Generation, die sich ihrer wichtigen gestalterischen Rolle für die Zukunft des Landes bewusst ist. Die Pandemie hat sie allerdings in einer äußerst sensiblen Lebensphase getroffen, und nur ganz allmählich erholt sie sich von den einschneidenden Auswirkungen“, fasst der Autor Simon Schnetzer zusammen. „Nur eine Minderheit bringt die Kraft auf, sich der großen Herausforderung zu stellen und den eigenen Lebensstil aktiv zu verändern, obwohl sie das selbst stark befürwortet. Die große Mehrheit ist noch nicht bereit, die liebgewordenen Gewohnheiten in den Bereichen Konsum, Mobilität, Ernährung aufzugeben und wartet erst einmal auf Entscheidungshilfen durch die Politik“,
ergänzt Co-Autor Klaus Hurrelmann.

Grafik (Foto: Jugend in Deutschland Trendstudie) Grafik (Foto: Jugend in Deutschland Trendstudie)
Nicht so „grün“ wie erwartet
Eine genaue Analyse des ökologischen Verhaltens zeigt, dass die Jugend in Deutschland nicht so „grün“ ist, wie sie manchmal unter dem Eindruck von aktiven Umweltbewegungen wahrgenommen wird. Rund 60% der 14- bis 29-Jährigen sind regelmäßig privat mit einem Auto unterwegs. Der Anteil der Befragten, die bereit sind, dauerhaft auf ein eigenes Auto (19%) oder auf Flugreisen (27%) zu verzichten, ist noch gering. Hoch ist dagegen der Anteil derer, die hin und wieder neue Verhaltensweisen erproben und möglicherweise auf lange Sicht bereit sind, ihr Verhalten zu verändern.

„Der größte Gegenspieler von Veränderung ist die Komfortzone des Wohlfahrtstaats, in der sich die jüngere Generation nach dem Vorbild ihrer Eltern bequem eingerichtet hat. Unter diesen Umständen kann der von jungen Leuten mehrheitlich befürwortete Klimaschutz nur mit klaren Regeln und Vorgaben durch die Politik gelingen“, so Klaus
Hurrelmann.

Eine gründliche Untersuchung des Essverhaltens kommt zu einem ähnlichen Schluss: Die große Mehrheit von 56% isst ohne Einschränkungen, doch bereits 44% erprobt alternative Ernährungsformen. Es ist bemerkenswert, dass sich ein so großer Teil der
jungen Menschen gegen traditionelle Ernährungsmuster entscheidet und sich vegetarisch, vegan oder zumindest flexitarisch ernährt.

Grafik (Foto: Jugend in Deutschland Trendstudie) Grafik (Foto: Jugend in Deutschland Trendstudie)
Die Sorgen der Jugend als Forderung an die Politik
Es sind die ganz großen Zukunftssorgen, welche die jungen Leute umtreiben. Konkret bereiten 56% der Befragten der Klimawandel Sorgen, der Zusammenbruch des Rentensystems 48% und die Folgen einer Inflation 46%. Die in der letzten Erhebung im Sommer 2021 dominierende Spaltung der Gesellschaft treibt aktuell 44% um. Diese Zukunftssorgen bestimmen auch die Erwartungshaltung der Jugend an die neue Bundesregierung: Sie soll die Rente (59%) und eine lebenswerte, klimagerechte Zukunft (54%) sichern.

Außerdem soll sie die Digitalisierung des Bildungssystems aktiv fördern (49%) und berufliche Perspektiven sichern (47%). „Auffällig ist der hohe Stellenwert der Sicherung der Rente. Im Vergleich zu früheren Studien ist das ein neuer Akzent, der aufhorchen lässt. Am Horizont zeichnet sich als neues Konfliktpotenzial die große Sorge der Jungen um ihre Altersabsicherung im Lichte der demografischen Entwicklung ab“, so Simon Schnetzer.

Corona-Schock lässt nur langsam nach
40% der Befragten klagen aktuell immer noch über Beeinträchtigungen ihrer psychischen Befindlichkeit, obgleich die tatsächlich erlebten Einschränkungen nicht ganz so gravierend sind, wie von ihnen zu Beginn der Pandemie befürchtet wurde. Der größte Teil der jungen Leute hat sich inzwischen mit den veränderten Bildungs- und Arbeitsbedingungen (Homeschooling, Homeworking usw.) arrangiert und sich pragmatisch auf sie eingestellt.

Grafik (Foto: Jugend in Deutschland Trendstudie) Grafik (Foto: Jugend in Deutschland Trendstudie)
Hohe Impfbereitschaft
69% der Befragten 14- bis 29-Jährigen sind bereits vollständig geimpft. Die große Mehrheit zeigt eine hohe Impfbereitschaft. Simon Schnetzer erklärt: „Die jungen Leute sehnen sich danach, so schnell wie möglich ihre Freiheiten für die Lebensgestaltung zurückzugewinnen.“ Obwohl sich nur 19% vor einer Infektion sorgen, hält sich die überwiegende Mehrheit nach wie vor an die AHA-Vorsichtsregeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) und nimmt Rücksicht auf Freunde und Familie. Ein knappes Fünftel der jungen Leute bezeichnet sich selbst als Impfverweigerer oder -skeptiker. Dieser Wert ist seit dem Sommer 2021 unverändert und liegt auf der gleichen Höhe wie in der älteren Bevölkerung.

Methodik der Studie
Die Trendstudie „Jugend in Deutschland“, erscheint in halbjährlichem Rhythmus und basiert auf einer repräsentativen Online-Befragung der deutschsprachigen Bevölkerung im Alter von 14 bis 29 Jahren. Insgesamt wurden für die Studie 1.014 junge Menschen befragt. Inhaltlich und methodisch werden die Trend- und Jugendstudien von Simon Schnetzer geleitet und von Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Hurrelmann (Hertie School) beraten.

Die Quotierungen für die Repräsentativität wurden vom Institut für Demoskopie Allensbach erstellt. Die Befragung wurde vom 14. bis 22. Oktober 2021 von der Respondi AG durchgeführt.
Autor: psg


Kommentare
tannhäuser
22.11.2021, 23.25 Uhr
Hier geht's nicht um "Grün", ...
...Umwelt oder Lästigkeiten, welche Corona-Einschränkungsqualen mit sich bringen.

Diese heutige Jugend wird auch ohne organisierten Deckmantel FFF genau das egoistisch-sadistische Verhalten widerspiegeln und praktizieren, welches William Golding in "Herr der Fliegen" eindrucksvoll pesssemistisch beschrieb.
Echter-Nordhaeuser
22.11.2021, 23.26 Uhr
"Überhaupt Klimaaktivisten"
Was denken oder glauben den viele von den Klimanarren, das unsere Jugend so aufwachsen will wie wir zu DDR Zeiten. Da gab es nicht mal zum Ballermann oder mal Lastminute in die Türkei oder mal schnell um die Ecke ein Auto kaufen. Oder von wegen Bananen, Ananas oder anderes Obst und Gemüse aus dem Ausland, nein Obst und Gemüse der Saison.
Die Hüpper sollen froh sein das es so ist.
henry12
23.11.2021, 09.40 Uhr
Unsere Jugend
Was war nicht anders zu erwarten . Es sind ja schließlich keine Asketen.
Die Jugend ist auch immer eine Revoluzzerbewegung ,je nach Generation mit anderen Themen. Und Teil einer Bewegung zu sein, ist cool, auch wenn man die Inhalte nicht unbedingt teilt. Doof ist nur, das Regierung und Wirtschaft das als Geldquellen erkannt haben und das ganze gnadenlos instrumentalisieren.
Envites
23.11.2021, 10.38 Uhr
Jugend wird grüner als wir jemals gewesen sind...
es ist ja paradox, "grün" bedeute, nicht mobil zu sein für die Jugend! Provokation oder Fehlgedanke!
Nein: es ist der Megatrend der Entwicklung und Imperativ der Zeit, überlebenswichtig. Es geht auch mit dem Flieger "Grün", und die Jungend kann getrost als Flieger die Sonne grüßen, auch Nachhaltiger. Besser gesagt mit wenig (-er) Kohlenstoff im Output, ... Autofahren oder sonstige E-Mobilität geht auch "Grün", mit der Bahn fahre ich 85% meiner Jahres km elektrisch (heute schon!), E-Auto, Brennstoffzelle, Algen-Bio- Synth. Treibstoffe, wer weiß , Superbatterien als eine Future These, ala Enterprise oder Arni Schwarzenegger, James B(l)ond, ...Leute: Yes we can!
Echter-Nordhaeuser
23.11.2021, 11.40 Uhr
"E-Mobilität"@Envites
Autofahren oder sonstige E-Mobilität geht auch "Grün",natürlich geht das auch grün aber ist es für heutige Jugend schon bezahlbar. Bis sich diese Mobilität richtig bezahlbar macht ist unsere Jugend genauso alt wie wir. Selbst für unsere Generation der größte Teil ist die E-Mobilität zB. E-Auto nicht bezahlbar. Alles in den Kinderschuhen nur Schnellschüsse und nichts richtig durchdacht.
Envites
23.11.2021, 12.42 Uhr
@Nordhäuser Meine Jungs sind 2006 einen Elektroroller
aus (China) mit einem Akku aus Nordhausen von der Fa. GAIA im IG Kohnstein gefahren und fanden es cool, gerade weil einfacher, nicht laut knatterte und stank! Es ist ein Irrtum, dass die E-Mobilität nicht bezahlbarer wird, ausgenommen Krise wie jetzt, musste es schon deutlich preiswerter sein in der Anschaffung, im Unterhalt eh (siehe Vergleiche). Das DE regenerativ nicht auf der Höhe ist, ist politischem Fehler geschuldet, Strompreis usw.. Jedoch auch die Bahn bietet preiswerte E-Mobilität, Spartickets usw., bei 280 Km/h (ICE)!
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